Parkplatzregel ist veraltet

Längst nicht mehr jeder Haushalt hat ein Auto. Deshalb sei die Formel «Mindestens ein Parkplatz pro Wohnung» veraltet, sagt Verkehrsexperte Klaus Zweibrücken.

Sebastian Keller
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In der Schweiz gibt es schätzungsweise zehn Millionen Parkplätze. (Bild: ky/Ennio Leanza)

In der Schweiz gibt es schätzungsweise zehn Millionen Parkplätze. (Bild: ky/Ennio Leanza)

Bisher galt vielerorts die Faustregel: Pro neue Wohnung muss mindestens ein Parkplatz erstellt werden. Dies hält Klaus Zweibrücken, Professor für Verkehrsplanung an der Hochschule Rapperswil (HSR), für veraltet. In der Schweiz besässen 20 Prozent der Haushalte gar kein Auto, in grösseren Städten seien bis zu 50 Prozent der Haushalte autofrei. «Wenn ich also einen Parkplatz je Wohnung ansetze, produziere ich ein Überangebot.» Dafür gebe es viele Beispiele.

Wandel der Gesetze

Bislang war die Parkplatzpflicht fest im Gesetz verankert. Das neue Planungs- und Baugesetz des Kantons St. Gallen, das am Dienstag im Amtsblatt publiziert wird, lässt den Gemeinden mehr Freiheit, davon abzuweichen. Die Stadt Wil beispielsweise plant, bei einer Überbauung in Bahnhofsnähe erstmals nicht mehr für jede Wohnung einen Parkplatz vorzuschreiben. Der VCS St. Gallen/Appenzell begrüsst diese Absicht.

Ein Land der Parkplätze

Klaus Zweibrücken sieht in der Abkehr von der bisherigen Formel eine «angemessene und längst fällige Reaktion auf die Entwicklung». Dies sei aus fachlicher Sicht «absolut richtig». Heute stehen in der Schweiz schätzungsweise 10 Millionen Parkplätze rund 4,5 Millionen eingelösten Autos gegenüber.

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 15. Mai.