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OZEANE: Kein Weisser Hai mehr zu sehen

Zum ersten Mal hat die UNO eine internationale Ozeankonferenz durchgeführt. Eines der Hauptprobleme: Zehn Prozent des weltweit produzierten Plastiks gelangen ins Meer. Massnahmen wurden an der Konferenz in New York aber keine beschlossen.
Bruno Knellwolf
So schön sauber und gesund wie im Ferienprospekt sollten die Ozeane sein. Leider schwimmen 13 Millionen Tonnen Mikroplastik darin herum. (Bild: Getty)

So schön sauber und gesund wie im Ferienprospekt sollten die Ozeane sein. Leider schwimmen 13 Millionen Tonnen Mikroplastik darin herum. (Bild: Getty)

Bruno Knellwolf

bruno.knellwolf@tagblatt.ch

Internationale UNO-Konferenzen gibt es viele. Doch über die Ozeane war jene in New York in der vergangenen Woche tatsächlich die erste. Angesichts der dramatischen Situation in Teilen der Weltmeere ist eine solche Premiere einer Ozeankonferenz erstaunlich. Ein Fünftel der Korallen ist tot, auf dem Meer schwimmen fünf riesige Plastikteppiche, einer grösser als Deutschland. «Immerhin haben sich nun zum ersten Mal alle Völker zu den Ozeanen als Lebensgrundlage der Menschheit bekannt. Das ist ein Schritt nach vorne», sagt Antje Boetius vom Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie in Bremen im Radiosender MDR. Eine solche Konferenz sei deshalb sehr wichtig, sagt Boetius. Sofortmassnahmen sind an der ersten Ozeankonferenz keine beschlossen worden. «Es wurde die öffentliche und politische Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt. Und einige Länder sind mit freiwilligen Verpflichtungen an die Öffentlichkeit und an ihre Kollegen herangetreten», sagt Patricia Holm von der Universität Basel. Im Meer sind Grenzen schwierig zu ziehen. Ein Grund dafür, dass sich niemand so richtig verantwortlich fühlt. Koordinierte Schutzmassnahmen seien auch deshalb schwer durchsetzbar, sagt Holm.

An der Konferenz in New York hiess es, bald gebe es mehr Plastik im Meer als Fische. Eine Übertreibung? «Ich glaube schon – oder hoffe es zumindest, als Fischforscherin», sagt Holm. «Fische vermehren sich ja noch.» Das Plastik aber auch. Pro Jahr werden 288 Millionen Tonnen Plastik produziert, bis zu 10 Prozent davon gelangen in die Ozeane. «Die Plastikmengen im Meer sind tatsächlich besorgniserregend und sollten eigentlich alle Menschen zu einem sorgsameren Gebrauch anhalten.» Weniger auffällig als die grossen Plastikteppiche sind die Mikroplastikablagerungen, von denen 13 Millionen Tonnen im Meer schwimmen. Das sind Plastikpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Um diese sorgen sich die Forscher genauso, weil solche Plastikpartikel auch von kleineren Organismen aufgenommen werden.

Vielfältige Beeinträchtigung durch den Menschen

Plastik ist nur eine der Gefahren. «Generell ist die vielfältige Beeinträchtigung durch den Menschen eine Gefahr. Also die Verschmutzung, die zur Abnahme der Artenvielfalt führt. Dann die Überfischung, die Veränderung der Küsten, der Klimawandel, der zu Versauerung und Erwärmung der Meere führt, bis hin zu grossräumigen Veränderungen der Meeresströmungen und der Ökosysteme, die durch menschliche Eingriffe aus dem Gleichgewicht gebracht werden.» Eines der ganz grossen Probleme sei die Fischerei, sagt Boetius. Dabei sei es doch ganz klar: Wenn man zu viele Fische aus dem Meer nehme, könnten zu wenige nachwachsen. «Einige Bestände sind klar überfischt, laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO, der FAO, etwa ein Drittel der bekannten und gut untersuchten Bestände. Noch mehr Fischbestände sind gut ausgeschöpft, vertragen also keine weitere Zunahme der Be-fischung. Problematisch sind vor allem auch die illegalen und undokumentierten Fänge, die Beifänge», sagt Holm.

Man schaffe es nicht, die wissenschaftlichen Ziele umzusetzen, um die Überfischung zu stoppen, erklärt Boetius. Das habe dramatische Konsequenzen für die Artenvielfalt. «Es ist unklar, ob der Weisse Hai überleben wird. Es ist unklar, ob die Walbestände so zurückkommen, wie sie zur Zeit meines Grossvaters waren. Bei den Korallen bleibt es fraglich, ob diese die Erwärmung und Versauerung überleben werden. Bei gleichzeitigem Anstieg des Tourismus», sagt Antje Boetius auf MDR.

Die freiwilligen Verpflichtungen, die an der Ozeankonferenz eingegangen worden seien, seien aber interessant. Die Konferenz sei ein guter Anfang. Boetius fordert eine Vermehrung des unzureichenden Wissens über die Meere sowie eine Meerespolizei, welche kontrolliere, was in den Ozeanen geschehe. Generell helfe den Ozeanen vor allem Beschränkung, sagt Holm von der Uni Basel. «Sowohl bei der Entnahme der Meerestiere als auch bei den Ressourcen wie Öl, Gas und anderen Rohstoffen.» Aber auch eine Beschränkung bei der Zufuhr von Schadstoffen sei nötig: sowohl von Chemikalien als auch von Abfall- und Nährstoffen.

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