Organisierte Schatzsuche statt Abenteuer

Der Schiffsanleger, einige Meter vor dem Basler Rheinufer, hat es dem Pärchen angetan. Abwechselnd holt einer der beiden Luft, um dann tief ins Wasser abzutauchen. Dann ist es so weit: Der Mann hält irgendetwas in der Hand. Sie schwimmen ans Ufer zurück. Bei sich haben sie eine Filmdose.

Chris Gilb
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Chris Gilb)

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Der Schiffsanleger, einige Meter vor dem Basler Rheinufer, hat es dem Pärchen angetan. Abwechselnd holt einer der beiden Luft, um dann tief ins Wasser abzutauchen. Dann ist es so weit: Der Mann hält irgendetwas in der Hand. Sie schwimmen ans Ufer zurück. Bei sich haben sie eine Filmdose. «Wissen Sie, ich hasse es eigentlich, in Flüssen zu schwimmen und diese Dose war auch noch an einer so komplizierten Stelle versteckt – aber was macht man nicht alles, um einen Schatz zu finden», antwortet er auf meine neugierige Frage. Er erklärte, dass es auf der ganzen Welt solche Verstecke gebe. Ziel sei es, möglichst viele zu finden und seinen Name auf einer Liste darin zu hinterlassen. Bei einigen Hundert hätten er und seine Frau dies schon getan. Kurz darauf schwimmt er zurück und versteckte die Dose wieder. «Jetzt brauch ich eine Dusche», sagte er und verschwindet.

. Es ist ein Schatzsucher-Boom ausgebrochen. In Gruppen, mit Schaufel, Spaten und GPS-Empfänger bewaffnet, begegnen einem die modernen Schatzsucher im Wald, in der Stadt oder eben am Rheinufer. Statt sich auf gekennzeichneten Wegen zu bewegen, gehen sie öffentlichkeitswirksam Querfeldein und halten ihren GPS-Empfänger wie ein Brett vor dem Kopf. Es kommt einem vor, als wäre der moderne Mensch ohne Anleitung und vor allem Ziel nicht mehr fähig, seine gängigen Wege zu verlassen, spontan ein Abenteuer zu erleben. Das Abenteuer selbst muss geplant werden. Es ist wie mit den Parties, sie brauchen ein Motto. Einfach ins Blaue zu feiern, wo kämen wir da hin.

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