ORCHESTER: Musizieren ohne Ellbogendenken

Das Vier-Länder-Jugendorchester Quarta unter dem Vorarlberger Dirigenten Christoph Eberle startet in die zweite Saison. Mit einem ambitionieren Programm. Neu ist das Orchester eine Partnerschaft mit dem Konservatorium Winterthur eingegangen.

Drucken
Teilen
Der Vorarlberger Dirigent Christoph Eberle. (Bild: PD)

Der Vorarlberger Dirigent Christoph Eberle. (Bild: PD)

Christoph Eberle sprüht nur so vor Energie, wenn er über das Musizieren mit jungen Musikern spricht. Immer noch in seinem Geburtsort Hittisau im Bregenzerwald beheimatet, hat der impulsive Dirigent, Mitbegründer und bis 2005 langjährig prägende Leiter des Sinfonieorchesters Vorarlberg letztes Jahr das Vier-Länder-Jugendorchester Quarta ins Leben gerufen. «Meine Idee war es, das in beeindruckender Weise vorhandene jugendliche musikalische Potenzial im Bodenseeraum zu bündeln», sagt der Musiker.

Für diese Idee wehte ihm in Vorarlberg erst einmal einiger Gegenwind Idee um die Ohren. Öffentliche Gelder für das Pilotprojekt flossen nicht, die Musikschulen im Ländle zogen nicht mit. «Die Musikverwalter im Land sollten wieder Musiker werden», sagt Eberle zum Widerstand gegen seine Pläne eines neuen Jugendorchesters. Kein Geringerer als der 2016 verstorbene Meistercellist Heinrich Schiff, ein Freund Eberles, hat mit einem grosszügigen finanziellen Beitrag den Start von Quarta mitermöglicht.

Die erste Saison der jugendlichen Sinfoniker war ein voller Erfolg. Und für das zweite Programm, das am 6. September Premiere hat, fliessen nun auch die öffentlichen Gelder. Das Land Vorarlberg ist mit 12000 Euro dabei, und auch die Internationale Bodensee Konferenz (IBK) hat einen Betrag gesprochen.

Grundidee des jugendlichen sinfonischen Musizierens mit Musikschülern und -studenten aus den vier Bodensee-Anrainerstaaten (zehn Orchestermusiker kommen aus der Schweiz) sei es, «ohne Konkurrenz oder Wettbewerbsdenken gemeinsam beste Musik zu machen», wie es Christoph Eberle formuliert. «Ich möchte Inhalte und kein Ellbogendenken. Wir müssen wieder weg vom musikalischen Zirkusgedanken des ‹immer schneller, höher, weiter›», sagt der Dirigent, der als Klarinettist in der Hittisauer Blasmusikkapelle angefangen hat und in seiner Karriere weltweit über fünfzig Orchester dirigiert hat, auch in der Wiener Staatsoper oder der Dresdner Semperoper. Bei Quarta gibt es daher auch keine Probespiele, die Eberle «problematisch» findet.

Claudio Abbado liebte jugendliches Musizieren

Für die zweite Saison hat sich Quarta ein ambitiöses Programm vorgenommen: Mozarts berühmtes Klarinettenkonzert und Mahlers Erste Sinfonie. Geht solch ein sinfonisches Schwergewicht für jugendliche Spieler? Christoph Eberle zitiert da den italienischen Maestro Claudio Abbado, der einmal gesagt hat, dass die Jugend oft besser als die Profis spiele, weil sie noch unschuldig an die Töne heranginge.

«Mozart und Mahler, da geht es nicht um Show», sagt Christoph Eberle. Eine Woche lang probt er projektbezogen in Bizau im Bregenzerwald mit den über achtzig Musikern zwischen 12 und 26 Jahren. «Gearbeitet wird genauso wie mit einem Profiorchester», sagt der Dirigent. Die Kontakte zur Schweiz sind durch eine Partnerschaft mit dem Musikkonservatorium Winterthur verstärkt worden. Zu hören ist das Orchester Quarta bei uns aber erst wieder nächstes Jahr, dann – wie bereits 2016 – im Rorschacher Forum Würth.

Martin Preisser

martin.preisser@tagblatt.ch

Premierenkonzert: Mi, 6.9., 19.30 Uhr, Festspielhaus, Bregenz; weitere Konzerte in Schwarzenberg, Wangen, Vaduz und Feldkirch; Infos: quarta4.org