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OPER: Neulich vor dem Plattenbau

Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» bei den Salzburger Festspielen: hochklassig, aber fast zu schön. Und mit einer Einspringerin, die zeigt, wie man die Rolle der Katarina lyrischer erzählen kann.
Tobias Gerosa
Reine Inszenierung, heruntergekommene Kulisse: Andreas Kriegenburgs Inszenierung von «Lady Macbeth». (Bild: Thomas Aurin/Salzburger Festspiele)

Reine Inszenierung, heruntergekommene Kulisse: Andreas Kriegenburgs Inszenierung von «Lady Macbeth». (Bild: Thomas Aurin/Salzburger Festspiele)

Tobias Gerosa

Kann eine Oper zu wohlklingend, zu philharmonisch durchhörbar sein? Wenn Mariss Jansons und die Wiener Philharmoniker bei der ersten Neuproduktion der diesjährigen Salzburger Festspiele im grossen Festspielhaus Dmitri Schostakowitschs Meisterwerk «Lady Macbeth von Mzensk» von 1934 spielen (natürlich im originalen Russisch), lohnt es sich, genau hinzuhören. Breiteste Dynamik, rhythmische Feinheit, Süsse und messerscharfe Härte und immer wieder etwas Lauerndes: Das ist höchstklassig und doch fehlt etwas. Es ist fast zu schön, Kanten und Widerstände fehlen, etwas mehr Dreck, wie er auch zur trostlosen Geschichte passen würde – und wohl auch zum wilden, bei der Uraufführung gerade einmal 28-jährigen Schostakowitsch.

Zerfallende Gesellschaft

Den Dreck gibts auf der Bühne. Schäbig heruntergekommen umgrenzen Plattenbauten mit groben Stiegen die Bühne, Röhren und alte Möbel liegen herum. Harald B. Thor hat in dieses eindrückliche Bühnenbild, das die enorme Breite geschickt beschränkt und ein Gefühl von Enge vermittelt, zwei Riesenschubladen gebaut: Die Wohnung und das Büro der Ismailows sind ausziehbar. Eine geschickte Lösung, auch weil sie verschiedene Perspektiven und rasche Wechsel ermöglicht.

Regisseur Andreas Kriegenburg nutzt das für eine unauffällige, aber genaue Personenführung. Bisweilen kippt die Inszenierung leicht in Richtung eines stummfilmlichen Expressionismus. Die Chor- und Genreszenen bleiben trotzdem relativ zahm, überzeugender ist es in dem subtil mit Licht und schwankenden Projektionen angedeuteten Wahn der Titelfigur. Diese Katarina ist, das macht schon das kurze stumme Vorspiel klar, eine vernachlässigte Frau in einer zerfallenden Gesellschaft.

Starkes, fragiles Cover

Dabei sehnt sie sich nach Nähe, Liebe und Sex. Aber ihr Mann Sinowi hängt mit den Business-Kurven und der Flasche im Büro: Er ist wohl der nominelle Chef, das Sagen hat aber unüberseh- und -hörbar sein Vater Boris. Maxim Paster spielt und singt ganz den verdrückten Sohn und der rundum imposante (für die Vaterrolle höchstens reichlich junge) Dmitry Ulyanov den Papa. Der neue Arbeiter Sergej (Brandon Jovanovich: solid), ein Hallodri sondergleichen, wird da leicht zum Katalysator: Katarina bringt Sinowi und Boris um und schliesslich auch Sergejs neue Geliebte, eine dreifache Mörderin – Lady Macbeth eben – als Identifikationsfigur.

In der dritten Vorstellung sagte Nina Stemme, die grosse dramatische Sopranistin, krankheitshalber ab und ihr Cover, das die zentrale Hauptrolle zwar probte, in den Vorstellungen aber zwei kleine Rollen singen sollte, stand bereit. Und Evgenia Muraveva nutzte die Chance: Ihre szenisch faszinierend fragile Katarina hat vokal nicht die übliche dramatische Power, Muraveva zeigt vielmehr, wie man die Rolle lyrischer, schöner angehen kann und damit neue, spannende Aspekte hervorkommen.

Das sind eben auch Festspiele, wenn für den Star solcher Ersatz bereitsteht.

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