OPER: In luftigem Doppelpack

Die Kammeroper im Rathaushof Konstanz präsentiert zwei miteinander verwobene kleine Opern. Martinu und Milhaud widmen sich dem Ariadne-Mythos aufs Feinsinnigste.

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Seit 35 Jahren macht Peter Bauer Oper im Konstanzer Rathaushof, mit Erfolg und immer wieder auf der Suche nach unbekannten Preziosen. Die Oper «Ariadne» von Bohuslav Martinu ist eine solche. Intim und psychologisch genau wird der bekannte Mythos musikalisch und gesanglich ausgeleuchtet. Filigran und fast holzschnittartig, immer genau konturiert sind die Szenen. Das ist sehr suggestive Musik, die das schlank besetzte Orchester unter Peter Bauer mit Hingabe und liebevoll gestaltet. Hier ist Oper nie pompös, sondern sensibel umgesetzt.

Martinus Oper dauert nicht einmal eine Stunde. Die Inszenierung (Alexander Irmer) tut da einen guten Kunstgriff und verwebt die tschechische Ariadne mit einer französischen. Die ist von Darius Milhaud und dauert nur zehn Minuten. Das Holzschnittartige von Martinu wird mit mehr impressionistisch Gefärbtem vermischt, kommentiert, gebrochen. Die Mini-Oper Milhauds erweitert den Ariadne-Stoff um zusätzliche Facetten. Man erlebt Ariadne so in ihrer Geschichte mit Theseus und in ihrer Geschichte mit Dionysos.

Verzahnt mit Texten von Ovid und Quasimodo

In weissen Kostümen treten die Sängerinnen und Sänger auf, vor einer wild zusammengeschreinerten Holzwand und um einen Segelmast (Bühne und Kostüme: Jochen Diederichs). Mit leichter Hand wird der Ariadne-Mythos erzählt, fast ein wenig sommerlich-märchenhaft. Der Inszenierung gelingt es, das Miniaturhafte der Musik in luftigen Bildern umzusetzen. Da verknüpfen sich zwei Liebesgeschichten, da wird Träumerisches, mythologisch Schwebendes, zum Element eines spannenden Opernabends.

Im Zentrum steht sängerisch natürlich Ana Kovacevic, die der Ariadne grosse Präsenz und Ausstrahlung verleiht und die Figur in ihren vielen Facetten glaubhaft macht. Ihre klare und in allen Lagen austarierte Stimme gibt dem Abend den sicheren roten Faden durch beide Opern. Theseus und Minotaurus geben Attila Mokus und Gustavo Castillo-Estrada mit kräftig einnehmender Sicherheit. Lena Spohn als Phädra überzeugt als der lyrischer empfundene Gegenpart zu Ariadne. Kevin Dickmann ist an diesem speziellen Opernabend vielleicht die männliche Figur, die sich – klar, hell und deutlich – am direktesten in die Herzen des Publikums singt, als alter Mann, der die beiden Opern mit Texten von Ovid und Salvatore Quasimodo verzahnt, und als liebender Dionysos. Zwei Kurzopern zu verknüpfen kann heikel sein. In Konstanz ist es gelungen. Die beiden Stücke passen irgendwie zusammen, ergänzen sich. Die Kombination gibt dem verschlungenen Ariadne-Mythos noch mehr Offenheit, aber auch mehr Farbigkeit. Verbindendes Element zwischen Martinu und Milhaud ist das Feinsinnige, das psychologisch genau Gezeichnete der Figuren. Eine Ariadne also fern von spätromantischem Pathos. Die Inszenierung entlässt das Publikum mit einer wunderbaren französischen Sternenmusik und lässt Ariadne aufs Subtilste endlich ihr Sternbild am Himmel besetzen.

Martin Preisser

Weitere Aufführungen: 18., 19., 21., 23. 8., je 20.45 Uhr, Rathaushof, Konstanz. Bei schlechtem Wetter in der Spiegelhalle des Theaters Konstanz