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ONLINEVIDEO: «Was der Wolf uns lehren kann»

Der Bündner Peter A. Dettling dokumentiert mit dem Projekt Amarok das Leben der Wolfsfamilie, die sich am Calanda angesiedelt hat. Neu kann man das Wolfsjahr in 52 filmischen Beiträgen mitverfolgen.
Stefan Borkert
Rares Bild eines Welpen der Calanda-Wolfsfamilie. (Bilder: Peter A. Dettling)

Rares Bild eines Welpen der Calanda-Wolfsfamilie. (Bilder: Peter A. Dettling)

Interview: Stefan Borkert

Peter Dettling, das Projekt Amarok begleitet die Wölfe am Calanda über einen Jahreszyklus. Warum beginnt das Jahr nicht mit der Geburt der Welpen?

Ich wollte das Calanda-Wolfsjahr so aufbauen, dass man im Prinzip synchron ist mit der Zeit, die ich selbst am Berg verbracht habe. Sprich, falls ich eine Begegnung mit einem Wolf im März hatte und diese filmte, so sollte sie auch in der gleichen Märzwoche erstmals im Video zu sehen sein. Allzu oft werden, vor allem in Tierfilmen, Geschichten zusammengebastelt. Das sollte hier nicht der Fall sein.

Wie haben Sie das realisiert?

Bevor ich mit dieser Eins-zu-eins-Synchronisation anfange, bringe ich den Zuschauern erst einmal die Hintergründe der Geschichte der Wölfe in der Schweiz und speziell die der Calanda-Wölfe nahe. Somit sind die ersten 9 von 52 Episoden so konzipiert, dass der Zuschauer eine gute Basis erhält, um die Serie später so richtig geniessen und verstehen zu können.

Wann fängt das Wolfsjahr an?

Das Wolfsjahr fängt an, als ich im Märzschnee einige kleine Bluttropfen im Urin des Muttertieres F07 finde. Das deutete darauf hin, dass sich die Elterntiere der Calanda-Wolfsfamilie, also F07 und M30, bald paaren werden. Ein guter Start für die Dokumentation.

Amarok bedeutet ja auch «grosser Bruder Wolf». Ist er auch Ihr grosser Bruder?

Ich bin kein Freund von allzu grosser Vermenschlichung der Tiere. Ich würde eher sagen, dass ich vor dem Wolf tiefen Respekt habe und auch vor dem, was der Wolf uns Menschen lehren kann. Wer sich intensiv mit Wölfen auseinandersetzt, wird auch zwangsläufig mit dem Menschen und seinem Einfluss auf die Wolfspopulationen sowie der Umwelt im Allgemeinen konfrontiert werden. Die Frage ist, wie man darauf reagiert und was man mit dem Wissen macht.

Das heisst?

Nun, ein Wildlife-Manager oder auch viele Wildtierbiologen sehen am ehesten nur Zahlen. Wie viele Hirsche, Rehe oder Schafe reisst der Wolf? Wie gross ist sein Territorium? Aber der Wolf ist viel mehr als Zahlen und Fakten. In diesem Sinne vermisse ich vor allem in der Wissenschaft den Ansatz, der bei den Urvölkern von Nordamerika teils noch zu finden ist, nämlich den Bruder Wolf im Wolf zu sehen. Das wäre sehr hilfreich für ein besseres Verhältnis. Ich behaupte sogar, das ist unverzichtbar.

Manche wollen allerdings dem Wolf lieber eine Kugel zwischen die Augen jagen.

Als wir Menschen uns vom Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern entwickelt haben, ging diese gute Beziehung zum Wolf verloren und man fing an, den Wolf zu verteufeln – bis heute. Man muss nur mal einige Politiker in Bern hören. Man meint ab und zu, dass diese Leute in Bezug auf Wolfskenntnisse noch im Mittelalter stecken geblieben sind. Das macht mich rasend. Meine Kunst soll nicht nur schön oder von dekorativem Charakter sein. Sie kämpft gegen falsche Klischees und diskriminierendes Denken.

Wollen Sie die Menschen erziehen?

Die Bilder sollen in diesem Projekt die Sprache sein. Ich werde die Realität zeigen, wie sie sich am Calanda tagtäglich präsentiert. Jede der 52 Episoden ist im Prinzip ein Puzzleteilchen. Am Schluss ergibt sich ein komplettes, komplexes und authentisches Bild vom Geschehen am Calanda, wo sich die erste Wolfsfamilie der modernen Schweiz nieder­gelassen hat.

Wie steht es mit den anderen Teilen des Projekts Amarok?

Das nächste, was nach dem Start der Videoserie ansteht, ist das Buch, an dem ich nun schon seit einigen Jahren arbeite. Meine Erfahrungen am Calanda sind darin dann das Schluss­kapitel.

Hinweis

www.peterdettling.com

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