OLYMPIA: Auf einen Sprung aufs Eis

Schon beim Zuschauen wird einem schwindlig. In Pyoengchang zeigen die Eiskunstläufer nun wieder ihre Drei- und Vierfachsprünge. Sechs Grundvarianten gibt es – für Laien kaum zu unterscheiden. Wir stellen Axel, Toe-Loop und Co. vor.
Yvonne Stadler

Yvonne Stadler

Illustration: Elena Freydl

Wer schon beim Anziehen der Schlittschuhe ins Schwitzen kommt, weil nun die Zitterpartie auf schmalen Kufen beginnt, weiss es. Genauso wie diejenigen, die es nicht schaffen, einigermassen entspannt – von elegant gar nicht zu reden – ihre Kurven zu ziehen. Und wer nach einem Ausflug auf die Eisbahn Muskelkater hat – in den Armen vor lauter Ausbalancieren, weiss es sowieso: Eiskunstläufer müssen Zauberer sein. Gerade weil ich zur eingangs beschriebenen Kategorie der «Kann-eigentlich-gar-nicht-Schlittschüelen» gehöre, lasse ich mich von diesen Künstlerinnen und Künstlern auf dem Eis gerne betören. Ihre Technik und Sprungkraft, die Geschwindigkeit und Eleganz sind beeindruckend. Und wenn sie für einmal in den Schrittfolgen stolpern oder gar aufs harte Eis stürzen, leide ich mit.

Drei Kantensprünge, drei getippte Sprünge

Bei sechs verschiedenen Sprungtypen drehen sich die Eiskunstläufer drei oder viermal um die eigene Achse. Drei davon sind Kantensprünge und werden von einem Fuss abgesprungen: Axel, Rittberger und Salchow. Lutz, Flip und Toe-Loop hingegen sind getippte Sprünge, der zweite Fuss hakt ins Eis und unterstützt so den Absprung. Der Axel ist schon am längsten bekannt und gilt als der schwierigste, weil schon ein einfacher Sprung eine eineinhalbfache Drehung verlangt. Die schnellste Rotation in der Luft erreichen die Eiskunstläufer beim Toe-Loop. Die verschiedenen Sprünge am Fernseher zu unterscheiden, ist nicht einfach. Die untenstehenden Beschreibungen helfen dabei.

Lutz

Lutz

Lutz


Nach dem Axel ist er wohl der zweitschwierigste Sprung, aber noch relativ leicht zu erkennen. Nach einem langen Rückwärtsanlauf erfolgt der Absprung auf dem linken Fuss, der rechte Fuss sticht ins Eis und hilft beim Absprung. Die Drehung verläuft gegen die Laufrichtung. Gelandet wird auf dem rechten Fuss.

Benannt ist er nach dem Österreicher Alois Lutz, der den Sprung 1913 zum ersten Mal zeigte. Die erste Frau, die einen Dreifach-Lutz bei einem Wettbewerb sprang, war Denise Biellmann 1978, als 16-Jährige.

Flip


Der Flip ist eigentlich ein eingehakter Salchow (siehe rechts). Nach der halben Umdrehung zur Rückwärtsbewegung schwingt in dieser Variante das rechte Bein nicht ums linke Standbein. Stattdessen sticht der rechte Fuss aufs Eis und hilft so beim Absprung. Die Landung erfolgt rückwärts auf dem rechten Fuss wie beim Salchow.

Wer den Flip erfunden hat, ist nicht ganz klar. Bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften 2010 in Turin versuchte der spätere japanische Sieger Daisuke Takahasi als Erster einen vierfachen Flip, der aber nicht ganz gelang.

Toe-Loop


Die eingehakte Variante des Rittbergers (englisch Loop, siehe rechts) ist der Toe-Loop. Rückwarts vom rechten Fuss abgesprungen, sticht der linke Fuss ins Eis. Die Landung erfolgt wie beim Rittberger auf dem Absprungbein, rechts. Bei keinem anderen Sprung rotiert der Läufer so schnell in der Luft wie beim Toe-Loop.

Das «Toe» (Zehe) weist auf die Schlittschuhspitze hin, die beim Absprung einhakt. Den ersten Vierfach-Toeloop stand der Kanadier Kurt Browning 1988. Es war der erste Vierfachsprung in einem Wettbewerb überhaupt.

Axel


Er gilt als der schwierigste Sprung, ist aber am leichtesten zu erkennen. Denn nur beim Axel erfolgt der Absprung in der Vorwärtsbewegung (meist auf dem linken Fuss), die Landung in der Rückwärtsbewegung (auf dem rechten Fuss). Ein Dreifach-Axel erfordert dementsprechend eine dreieinhalbfache Rotation.

Die älteste Sprungform ist benannt nach dem Norweger Axel Paulsen, der den Axel 1882 erstmals zeigte. Die erste Dreifach-Variante in einem öffentlichen Wettbewerb sprang der Kanadier Vern Taylor 1978.

Salchow


Der Salchow wird in der Regel auf dem linken Fuss vorwärts mit einer halben Drehung zur Rückwärtsbewegung eingeleitet. Das rechte Bein schwingt mit einer Ausholbewegung um das Standbein herum und unterstützt so den Absprung. Die Landung erfolgt dann rückwärts auf dem rechten Fuss.

Der Schwede Ulrich Salchow hat den Sprung angeblich beim Training für die Weltmeisterschaften 1900 entwickelt. Die Japanerin Miki Ando war 2002 die erste Frau, die einen Vierfachsprung zeigte – es war ein Salchow.

Rittberger

Rittberger

Rittberger


Dieser Sprung wird rückwärts auf dem rechten Bein angesetzt und abgesprungen. Die Landung folgt in der Rückwärtsbewegung, auf dem Absprungbein also auf dem rechten Fuss. Englisch heisst der Sprung «Loop» (Schleife). Der Toe-Loop (siehe links) ist die eingehakte Variante des Sprungs.

Der Sprung verdankt seinen Namen dem mehrfachen deutschen Vize-Weltmeister Werner Rittberger. Der Franzose Eric Millot zeigte 1996 als Erster eine Dreifach-Rittberger-Dreifach-Rittberger-Kombination.

Eiskunstlauf in Pyeongchang: 12.2, 2 Uhr Team-Wettbewerb; 15.2., 2.30 Uhr Paarlauf; 17.2., 2 Uhr, Männer; 20.2., 2 Uhr Eistanz; 23.2., 2 Uhr Frauen.

Alexia Paganini tritt bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang an. (Bild: Keystone)

Alexia Paganini tritt bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang an. (Bild: Keystone)

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