«Ochsen», Neu St. Johann: Fleischparadies im Toggenburg

Die «Ochsen»-Metzgerei von Bruno Scheiwiller in Neu St. Johann ist spätestens durch Andreas Hellers wunderbares Wurstbuch vor ein paar Jahren zur schweizweit bekannten Adresse geworden. Eine Etage höher wirtet Kurt Scheiwiller, der Bruder des Metzgers. Eine ideale Konstellation, ideal genutzt.

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"Zu Tisch" Picto

"Zu Tisch" Picto

Die «Ochsen»-Metzgerei von Bruno Scheiwiller in Neu St. Johann ist spätestens durch Andreas Hellers wunderbares Wurstbuch vor ein paar Jahren zur schweizweit bekannten Adresse geworden. Eine Etage höher wirtet Kurt Scheiwiller, der Bruder des Metzgers. Eine ideale Konstellation, ideal genutzt. Die beiden gehen jeden Tag durch die Kühlräume der Metzgerei, daraus ergibt sich das Tagesangebot. Wenn der Metzger befindet, das Entrecôte brauche noch etwas Reifezeit, dann muss der Wirt eben warten.

«Im Mittelpunkt steht das Fleisch», sagt Kurt Scheiwiller. Damit meint er aber nicht nur die sogenannten Edelstücke, sondern die ganze Verwertungskette: Kutteln, Kalbsleber, Milken, Ochsenmaulsalat, Würste natürlich. Im Winter laden Kurt und Frieda Scheiwiller zu Schlemmereien «rond oms Südfleisch», im Frühling gilt das Motto «rond oms Gitzi». Das Fleisch stammt von Landwirten im Alpstein- und Churfirstengebiet (ergänzt durch spezielle Stücke aus Übersee), für die bald startende Wildsaison können die Scheiwillers auf die Treffsicherheit von fünf regionalen Jagdgesellschaften zählen.

Unverfälschte Landgastronomie

Seit 33 Jahren ist Kurt Scheiwiller Hausherr im «Ochsen», wo er aufgewachsen ist und wohin er nach Stationen in fast allen Schweizer Regionen auch gern wieder zurückgekehrt ist. Es ist eine grosse, behäbige Wirtschaft mit Saal und Hotelzimmern etwas abseits der Hauptstrasse am alten Dorfplatz des ehemaligen Sidwald, das einst ein bedeutender Marktort war und mit dem Bau des Klosters zu Neu St. Johann wurde.

Scheiwillers Küche trägt der historischen Aura Rechnung: Das ist eine unverfälschte Landgastronomie, die sich im Wissen um die Qualität der Produkte jeden Firlefanz sparen kann. Eine Sommerkarte lockt mit Schwartenmagen (15.50), Siedfleischsalat (16.50/21.–) oder Aufschnittplatte (19.50) sowie Fitnesstellern, benannt nach den sieben Churfirsten und bestückt mit Bloderkäse, Crevetten, Rindshuft, Kalbsleber und anderem (19.50 bis 28.50).

Breites Angebot

Auf der grossen Karte stehen Kutteln à la patronne (26.50), Kalbsleber mit Rösti (29.–/34.–), Kalbskotelett mit Gemüse und Zwiebelkartoffeln (42.–), aber auch Fischgerichte wie Lachsschnitte Waadtländer Art (33.–) oder Felchenfilet mit Banane (28.50 mit Beilagen). Am Mittag gibt es fünf Tagesteller (z. B. Kalbsmilkenpastetli mit Gemüse, Salat und vorgängig einer Suppe, 24.–), Empfehlungen und ein viergängiges Menu (48.50). Bei unserm Besuch ist es eine kräftig gewürzte Maispoulardenbrust mit Pfifferlingen, Nüdeli (mit Pfännchen zum Nachschöpfen) und liebevoll zubereitetem Gemüse. Zum Schluss ein wunderbares Rhabarbersorbet mit Erdbeeren. Die Weinkarte ist vergleichsweise klein – und wird vom Bülacher Blauburgunder (44.–) bis zum Château Pichon-Longueville-Baron (128.–) doch vielen Bedürfnissen gerecht.

Unser Eindruck: Wohlfühlgastronomie von innen heraus. Gepflegte Küche in stimmiger Atmosphäre – einen Ausflug wert.

Beda Hanimann

Ochsen, Neu St. Johann Kurt und Frieda Scheiwiller, Sidwaldstr. 9, 9652 Neu St. Johann, Tel. 071 995 60 60 www.landgasthof-ochsen.ch Öffnungszeiten: Mo–Sa 8–24 Uhr, So 8–15 Uhr Karte: Tagesteller 19.50 bis 34.–; Sommerkarte 10.50 bis 28.50; Hauptgerichte 26.50 bis 62.–