«Oberwaid», St. Gallen: Das Kuren neu definiert

Der Aufgang zum neuen Kurhaus Oberwaid am St. Galler Stadtrand hat die Grandiosität eines Fünfsternhotels, und ähnlich ist nach gehabtem Mahl auch die Stimmung in der Lobby: grosszügig angeordnete Sitzgruppen, elegante Bar.

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"Zu Tisch" Picto

"Zu Tisch" Picto

Der Aufgang zum neuen Kurhaus Oberwaid am St. Galler Stadtrand hat die Grandiosität eines Fünfsternhotels, und ähnlich ist nach gehabtem Mahl auch die Stimmung in der Lobby: grosszügig angeordnete Sitzgruppen, elegante Bar. Einige junge Frauen an einem Tisch, ein paar Gäste an der Bar beim Schlummertrunk, ein Männerquartett in bequemen Fauteuils bei Bier und Wein. Auch das Fumoir etwas abseits ist belegt. Hier wird, scheint es, Kuren neu definiert.

Dasselbe gilt auch für die drei Restaurants in der letzten November neu eröffneten «Oberwaid». «Bei uns gibt es alles, es ist nichts verboten», sagt Küchenchef Sepp Herger. Er spricht von «smart cuisine» und meint damit eine «intelligente Küche, die Erkenntnisse aus Medizin und Ernährungswissenschaft auswertet und in eine Genussform bringt». Dafür ist der Innerrhoder Herger mit seinem Palmarès der richtige Mann. Zuletzt war er fünf Jahre Leiter der Küche im Pestalozzidorf Trogen, davor ebenso lange Souschef im Hof Weissbad, vorher tätig in Kanada, Arosa, Zermatt und Davos. Parallel dazu: jahrelange Weiterbildung.

Täglich wechselnde Karte

Die Karte trägt den Anforderungen eines Kurhauses mit Langzeitgästen voll Rechnung. Sie enthält fünfzehn Gerichte – und wechselt täglich. Dazu kommen ein zweigängiges Mittagsmenu sowie ein Abendmenu aus drei, vier oder fünf Gängen (dieses bleibt rund einen Monat aktuell).

Es sind ausgemachte Leckereien, die einen da erwarten (externe Ess- ebenso wie Kurgäste, alle Restaurationsräume sind öffentlich). Da wären gebratene Wachtelbrust auf geschmortem Chicoréesalat und Brotschaum (16.–) als Vorspeise oder eine Karotten-Fenchelsuppe mit Lavendelcracker (12.–). Als Fisch gab es bei unserem Besuch Thunfisch im Sesammantel, Basmatireis und asiatisches Gemüse (36.–), einer der Fleisch-Hauptgänge war Kalbsfischli (ein bestimmtes Stück vom Kalb) in Molke pochiert mit Romanesco und Orangenrisotto (36.–). Die Kurhaus-Intelligenz äussert sich hier auch in Symbolen, welche Angaben machen über Omega-3-Fettsäuren, Calcium, Ballaststoffe oder glutenfreie Produkte.

Das Wasser ist gratis

Unser Mahl: Lauwarmer Bohnensalat mit Gemüsestreifen, gehobelter Belper Knolle und Sauerkirschdressing (12.–), Apfel-Selleriesuppe mit Ingwerschaum (12.–) und Lammrücken mit Bergpfeffer, Cassis-Zwiebelcreme, Ribelmais und Senfkohl (42.–). Es war grosses Tafeln, auch fürs Auge. Allen Gerichten gemeinsam war die vorerst dezent wirkende, dann aber umso klarere und unverfälschte Aromatik. Das Hauswasser kommt in schönen Karaffen gratis auf den Tisch. Die Weine stammen ausschliesslich aus Europa, unter sehr schöner Berücksichtigung der (Ost-)Schweiz.

Unser Eindruck: In den grosszügigen Räumen (tagsüber mit Sicht auf Park oder Bodensee) lässt sich entspannt tafeln: St. Gallen hat eine neue Genussadresse.

Beda Hanimann

Oberwaid, St. Gallen Rorschacher Strasse 311, St. Gallen Tel. 071 282 00 00. Roman Diethelm, Leiter Gastronomie Sepp Herger, Küchenchef www.oberwaid.ch Öffnungszeiten: Täglich geöffnet Karte: Mittagsmenu 32.–, Abendmenu 75.–/90.–/110.– (3, 4 und 5 Gänge). A-la-carte-Hauptgerichte 30.– bis 42.–