Null Chancen gegen Sepp Blatter

Man könnte die Sache mit Humor nehmen. Aber Humor ist seine Sache nicht. Also wird die Auseinandersetzung zwischen Roger Schawinski und seinen Kritikern bierernst ausgetragen. Den Verlag seines Buches «Ich bin der Allergrösste» wird das kaum stören.

Rolf App
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Rolf App)

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Man könnte die Sache mit Humor nehmen. Aber Humor ist seine Sache nicht. Also wird die Auseinandersetzung zwischen Roger Schawinski und seinen Kritikern bierernst ausgetragen. Den Verlag seines Buches «Ich bin der Allergrösste» wird das kaum stören. Nachdem noch der «Spiegel» eine Titelgeschichte Schawinskis Thema Narzissmus gewidmet hat, dürfte sich seine Porträtsammlung gefallener Mächtiger bestens verkaufen. Gut, die Ex-Frau von Sepp Blatter erwägt eine Klage. Schawinski hatte eine Szene beschrieben, bei der Graziella Blatter ihrem Mann den durchtrainierten Schawinski unter die Nase gehalten habe. Aber sie erwägt die Klage erst, und Blatter selber sagt, Schawinski stehe «dem Plagiat näher als der Wahrheit». Doch was will das heissen?

Des «Tages-Anzeigers» Nachweis schliesslich, Schawinski habe bei Wikipedia abgeschrieben, kommentiert der Beschuldigte mit dem Hinweis, der Verlag habe sein Manuskript mittels Software überprüft. Man ist, als Praktiker, geneigt, ihn zu verteidigen. Der Journalist benützt ja viele Quellen, ohne sie kenntlich zu machen.

Schwieriger wird es, wenn Schawinski im Fall Blatter private Erlebnisse verarbeitet, ob sie nun, wie Graziella Blatter erklärt, «frei erfunden» sind oder nicht. Immerhin: Für Sepp Blatter hat auch diese Enthüllung ihre Vorzüge. Der «Sonntags-Zeitung» sagt Graziella Blatter noch: «Nicht einmal Richard Gere – und der fasziniert mich tatsächlich – hätte gegen Sepp Chancen gehabt.» Schöner kann das Kompliment einer Ex nicht ausfallen.