No Future – alles Retro

Wenn Filmemacher Menschen der Zukunft einkleiden müssen, gibt es meist nur zwei Szenarien: Die Menschheit steht kurz vor dem Untergang und kleidet sich dementsprechend in Sack und Asche. Muster und Prints sind verboten.

Katja Fischer De Santi
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Wenn Filmemacher Menschen der Zukunft einkleiden müssen, gibt es meist nur zwei Szenarien: Die Menschheit steht kurz vor dem Untergang und kleidet sich dementsprechend in Sack und Asche. Muster und Prints sind verboten. Formlose Überwürfe in erdigen Tönen beherrschen die Garderobe der letzten Homo sapiens. Oder: Die Menschheit steht kurz vor ihrem Untergang, weiss es aber noch nicht. Dann beherrscht Weiss das Bild. Das wirkt sauber und fortschrittlich.

Nur noch rückwärts

Was aber, wenn man eine positive Zukunft zeigen will, wie sie Regisseur Robert Zemeckis und Drehbuchautor Bob Gale bei «Zurück in die Zukunft II» im Sinn hatten? Dann muss man Phantasie und Mut beweisen. Wie hätten die beiden auch erahnen können, dass wir uns modisch seit 20 Jahren nur noch rückwärts bewegen. 2015 tragen Männer Frisuren wie in den 1920er-Jahren, dazu kombinieren sie Hornbrillen wie in den 1950ern und tragen Bärte wie zuletzt in den 1970er-Jahren.

Doppel-Krawatten und Outties

Marty McFlys Filmoutfit wirkt im Vergleich zur realen Mode von 2015 futuristisch. Weder tragen Männer heute Doppel-Krawatte wie sie McFly Senior im Filmklassiker trug, noch wurden bislang Jugendliche beobachtet, welche die Hosen komplett verkehrt herum getragen haben. Aber das könnte noch kommen. Auf einigen Modeblogs konnte man schon so genannte «Outties» sichten. McFly trug zudem eine Jacke mit integrierter Trocknung. Die braucht heute niemand, es gibt längst Stoffe, die gar nicht erst nass werden. Die sich selbst schnürenden Turnschuhe hingegen sind auch 30 Jahre nachdem Michael J. Fox damit durch die Zeit reiste, ein Fall für Tüftler. Der Sportartikel-Hersteller Nike hat angekündigt, dieses Jahr ein Spezialmodell auf den Markt zu bringen.

Etwas zu tief in die Klamottenkiste gegriffen haben die Kostümbildner bei den Film-Kindern. Sie steckten sie in kantig geschnittene, mit allerlei Glitzer versehene Anzüge und setzten ihnen Hüte aus Plexiglas und Lochblech auf. Aber wer weiss schon, wie wenig Jahre es noch dauert, bis unsere Kinder in glitzernden Multifunktionsjacken und Ultraleicht-Helmen auf Hoverboards in die Schule rasen.

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