Niersbach tritt als Präsident des DFB zurück

Wolfgang Niersbach ist im Zuge der WM-Affäre als Präsident des Deutschen Fussball-Bundes zurückgetreten. Der 64-Jährige zog damit die Konsequenzen aus der Affäre um eine Zahlung im Zusammenhang mit der Vergabe der Fussball-WM 2006 nach Deutschland.

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Hat sein Präsidentenamt beim DFB abgegeben: Wolfgang Niersbach. (Bild: MARTIN MEISSNER (AP))

Hat sein Präsidentenamt beim DFB abgegeben: Wolfgang Niersbach. (Bild: MARTIN MEISSNER (AP))

Er habe für sich erkannt, dass der Zeitpunkt gekommen sei, die politische Verantwortung zu übernehmen, sagte Niersbach am Montag im Anschluss an eine Präsidiumssitzung in Frankfurt. Der frühere Journalist, der 27 Jahre beim DFB tätig gewesen ist, hatte im März 2012 das Amt als Nachfolger von Theo Zwanziger angetreten. Niersbach gehört seit 2013 dem UEFA− und seit 2015 auch dem FIFA-Exekutivkomitee an.

Verdacht der Steuerhinterziehung
Niersbach wurde der Skandal um die dubiosen Geldflüsse vor der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zum Verhängnis. In der vergangenen Woche durchsuchten Steuerfahnder sowohl die DFB-Zentrale in Frankfurt als auch Niersbachs Privatwohnsitz. Gegen den DFB-Chef, seinen Vorgänger Zwanziger und den früheren DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall.

Im Zentrum der gesamten Affäre steht eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro, die der frühere Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zunächst für das WM-Organisationskomitee an die FIFA überwiesen hat und die dann im Jahr 2005 unter falscher Deklarierung von den deutschen WM-Machern an den Franzosen zurückfloss.

Kein Schuldeingeständnis
Als Schuldeingeständnis wollte Niersbach seinen Rücktritt nicht betrachten. Er habe im Zusammenhang mit der WM-Vergabe «immer sauber, vertrauensvoll und korrekt gearbeitet», so Niersbach. «Ich bleibe dabei und möchte noch einmal unmissverständlich klarstellen, dass ich von den Hintergründen der im Raum stehenden Zahlungsflüsse keinerlei Kenntnis hatte.«

Wofür genau war dieses Geld bestimmt? Und wann genau erfuhr das OK-Mitglied Niersbach davon? Diese Fragen sind nach wie vor ungeklärt, denn er selbst behauptete stets: in diesem Sommer. Aussagen seiner früheren OK-Kollegen und auch Dokumente, die «Der Spiegel» veröffentlicht hat, lassen jedoch darauf schliessen, dass Niersbach über die ominösen 6,7 Millionen schon deutlich länger Bescheid wusste, als er öffentlich immer zugab.

Geheimes Schriftstück gefunden
Niersbachs interimistische Nachfolger, die ersten Vizepräsidenten Reinhard Rauball und Rainer Koch, deuteten in ersten Stellungnahmen an, dass es rund um die dubiosen Geldflüsse neue Erkenntnisse gibt. Die «Süddeutsche Zeitung» berichtet in ihrer Ausgabe von heute Dienstag, dass bei Ermittlungen ein Schriftstück gefunden worden sei, das den Verdacht des Stimmenkaufs vor der WM-Vergabe noch einmal erhärte.

Es soll sich um einen Vertragsentwurf handeln, der im Jahr der WM-Vergabe 2000 abgeschlossen werden sollte. Die «SZ» beruft sich auf Insider, von denen einer Jack Warner und den CONCACAF als mögliche Begünstigte nennt. Wie die Zeitung schreibt, sollen dem Verband «umfangreiche Leistungen des DFB» zugesagt worden sein. Der frühere FIFA-Vizepräsident Warner war im September durch die FIFA wegen Korruption lebenslang gesperrt worden. (sda)