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«Nicht unbegleitet einsteigen»

Der 12jährige Paul aus Gunzgen ist mit einem Internet-Spiel in die Wohnung eines 35jährigen Deutschen gelockt worden. Der Thurgauer Medienpädagoge Thomas Merz zeigt auf, wie man Kinder schützen sollte.
Bruno Knellwolf
Blöcke verschieben im Game Minecraft. Viele Games sind harmlos, können aber trotzdem zu Problemen führen. (Bild: pd)

Blöcke verschieben im Game Minecraft. Viele Games sind harmlos, können aber trotzdem zu Problemen führen. (Bild: pd)

Der Sohn spielt «Minecraft»? Kein Problem, werden viele Eltern sagen – vielleicht war das auch bei den Eltern des 12jährige Paul aus Gunzgen so, der vorgestern eine Woche nach seinem Verschwinden in Düsseldorf gefunden worden ist. In einer Wohnung eines 35jährigen Deutschen, den der Knabe in einem Internet-Spiel kennengelernt hat.

Noch ist von den staatsanwaltlichen Ermittlungen nicht viel bekannt – auch nicht, ob es sich wirklich um «Minecraft» gehandelt hat. Auf jeden Fall wird gegen den 35-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und des Besitzes kinderpornographischer Schriften ermittelt. Der 12-Jährige soll sein Verschwinden aus dem Elternhaus schon seit Wochen geplant haben. Ob der Deutsche Paul im Chat getäuscht hat und sich als Kind ausgegeben hat, um den Knaben nach Düsseldorf zu locken, ist noch nicht klar. Es zeigt aber eine Problematik digitaler, virtueller Welten, die gerade Kindern grosse Schwierigkeiten machen kann.

Jede Täuschung ist möglich

Am anderen Bildschirm muss nicht der sitzen, den das Kind dort erwartet. Die globale Vernetzung lässt jede Täuschung zu. Vieles im Internet kommt harmlos daher. Vor allem Spiele-Apps auf mobilen Geräten rauben den Kindern heute die meiste Zeit und sind zudem Kosten- und Datenfallen. Diese Spiele-Apps werden zudem auch mit sozialen Netzwerken wie Facebook verknüpft. Die Minispiele funktionieren sehr einfach und bieten sogenannte «Flow- und Frusterlebnisse» in schnellem Wechsel. Genau das macht sie zu Zeitfressern. Gelockt werden die Spieler über Bonusgeschenke, Zusatzlevels und Highscores.

Nicht selber herunterladen

Der Medienratgeber für Familien «Schau hin!» rät Eltern deshalb, sich die Apps und Spiele genau anzusehen, mit denen sich das Kind im eigenen Zimmer versteckt. Demnach sollte der Download bei Kindern bis zwölf Jahren in der Hand der Eltern bleiben. Und damit Kinder die Apps und Games nicht selbständig herunterladen, empfehlen die Experten, den Zugang zum App-Store mit einem Passwort zu schützen.

Push-Meldungen ausschalten

Damit das Kind nicht laufend wieder mit einem Spiel konfrontiert wird, sollte bei der Installation des Games darauf geachtet werden, dass nicht automatisch Push-Meldungen durchgehen. Denn nur dann bleibt das Smartphone vielleicht mal in Ruhe neben dem Pult liegen. «Viele Spiele-Apps fordern dazu auf, sich über soziale Netzwerke mit dem Spiel zu verbinden, um Freunde für das Spiel zu gewinnen und locken mit Belohnungen», schreibt der Medienratgeber. Doch das sei nicht zu empfehlen, da die App dann auch Zugriffe auf persönliche Daten und die Freundesliste des Profils habe und Spielinformationen oder andere Werbebotschaften im eigenen Namen verbreite, die andere störten.

Und da wären wir wieder bei Paul: Viele solcher Apps bieten integrierte Chats, in denen sich Spieler mit anderen unterhalten können. Diese Chats seien für jüngere Kinder auszuschalten, da sie wie im Fall Paul gesehen, mit Risiken verbunden seien.

Ist das Kind aber älter als zwölf Jahre, will man dem Sohn oder der Tochter auch ein gewisses Vertrauen entgegenbringen. Übergrosse Vorsicht kann auch kontraproduktiv wirken und das Verbotene noch interessanter machen. «Schau hin!» rät Eltern, sich den Chat und den Umgangston anzuschauen, um einzuschätzen, ob das Kind reif genug dafür ist.

Für Thomas Merz, Medienpädagoge an der Pädagogischen Hochschule Thurgau, ist das Risiko umso höher, je jünger die Schülerinnen und Schüler sind, die sich im Internet bewegen. «Da ist es sehr wichtig, dass Schülerinnen und Schüler nicht unbegleitet ins Internet einsteigen, sondern dass sie in Schule und Elternhaus Unterstützung erhalten», sagt Merz. «Ebenfalls höher ist das Risiko, wenn Kinder wenig betreut sind, wenn sie sich einsam oder ausgeschlossen fühlen. Ganz ausgeschlossen werden können solche Risiken aber nie.» Das Thema betreffe deshalb alle Eltern.

Der Medienpädagoge rät den Eltern deshalb, regelmässig mit ihren Kindern im Gespräch zu bleiben und damit eine vertrauensvolle Erziehungsatmosphäre zu gewährleisten. «Dazu gehören nicht nur Gespräche über die Mediennutzung, sondern letztlich über alle Themen, die Schülerinnen und Schüler im Verlauf ihrer Entwicklung beschäftigen», erklärt Merz.

Medienthemen gehörten aber dazu, besonders beim Einstieg in ein neues Medium. «Ich rate Eltern oft, gewissermassen Verträge abzuschliessen: Du darfst ein Spiel spielen – aber ich möchte beim Einstieg mit dabei sein. Ich möchte dir hin und wieder über die Schultern gucken – und wir reden darüber», sagt Merz.

Eiserne Regeln

Zu diesem Nutzungsvertrag gehörten eiserne Regeln: «Keine echten Namen, keine Angaben über Wohnort, Schule usw., auf keinen Fall Kontakt mit jemandem knüpfen, von dem die Eltern nichts wissen.» Und auch: «Komm zu uns, wenn dir etwas merkwürdig vorkommt.» Ganz ausschliessen könne man die Risiken nicht, wenn Kinder unbeaufsichtigt im Netz spielen oder surfen. Aber mit solchen Massnahmen könne man das Risiko senken, sagt Thomas Merz.

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