Nicht nur von Herzen

Valentinstag: Die Geschenkeindustrie flutet jedes Jahr den Markt. Wer sich hier von den Massen abheben will, greift neuerdings auf körpereigene Präsente zurück. Kathrin Reimann

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Blut und Zähne machen sich auch als Schmuckstücke gut. (Bild: Ralph Ribi)

Blut und Zähne machen sich auch als Schmuckstücke gut. (Bild: Ralph Ribi)

Blumen, Kerzen, Socken oder Pralinen. Die Klassiker unter den Valentinstagsgeschenken stehen jedes Jahr in den Regalen. Meist mit Herzen bedruckt, oft in Rot gehalten, vorwiegend langweilig.

Wer richtig verliebt ist, ist dem oder der Auserkorenen bekannterweise mit Haut und Haar verfallen. Wäre es da nicht naheliegend, ihn oder sie mit etwas aus dem eigenen Organismus zu beschenken? Eine deutsche Firma namens «Diamanten der Liebe» macht genau dies möglich. Das Unternehmen verwandelt Locken in Edelsteine. Zwei bis drei Gramm Haar (wahlweise auch tierisches) reicht bereits für einen funkelnden Diamanten. Für den Umwandlungsprozess werden die Locken in einem Ofen verbrannt. Durch Hitze und Chlor wandelt sich der Kohlenstoff dann zu Graphit. Dieser wird in die Diamantenpresse eingesetzt und voilà: Fertig ist das Schmuckstück, welches allerdings seinen Preis hat. Auf der Homepage sind die Kosten nicht ausfindig zu machen, im Internet wird aber über Preise zwischen 6000 bis 7000 Franken spekuliert.

Blut- und Tränenanhänger

Zu teuer? Die günstigere Variante geht nicht so sehr ins Geld, dafür an den Lebenssaft. «Perfect Secret» ist der Name des Blutanhängers, mit dem man «ein Stück seiner Persönlichkeit verschenken kann». Die mit Blut gefüllten Anhänger sind in der Schweiz in lediglich drei Geschäften erhältlich.

Eines davon ist das Tattoo- und Piercinggeschäft Skin Deep Art in St. Gallen. «Vier Tropfen Blut reichen vollkommen aus», erklärt Shop-Manager Alex. Dieses nimmt er vor Ort mittels eines Fingerpicks ab. «Tränen eignen sich ebenfalls gut dafür.» Dann vermischt er die Körpersäfte mit einer Flüssigkeit, um sie für die Ewigkeit haltbar zu machen. Das Ergebnis wird dann in eine mundgeblasene Kristallphiole versiegelt und in ein Schmuckstück nach Wahl gefasst. «Wir haben unterschiedliche Motive, Materialien und Grössen», sagt Alex.

Ab 180 Franken ist ein solches «Perfect Secret» erhältlich. «Die Reaktionen unserer Kunden sind gemischt: Einige finden es cool, andere makaber.» Angeschaut hätten es sich viele, bestellt bisher nur wenige. Aber das Schmuckstück gehört erst seit drei Wochen zum Skin Deep Art Sortiment.

«Für Verliebte ist es eine schöne, symbolträchtige Sache, da Blut etwas Lebenserhaltendes ist und das Stück für immer hält.» Andere spezielle Valentinstagsanfragen seien bei Alex keine eingegangen: «Wir haben aber auch schon Verlobungstattoos und Verlobungspiercings gestochen.»

Erbgut-Schmuck und Haarkette

Die Firma DNA4U geht noch einen Schritt weiter und verwandelt Erbgut in Schmuck. Dazu wird – völlig schmerzfrei – DNA aus der Mundschleimhaut entnommen. «Es ist das perfekte Valentinstagsgeschenk», preist die Firma ihre Schmuckstücke an. Denn: «Früher trug man die Haarlocke des Partners bei sich, im dritten Jahrtausend ist es seine DNA.»

Absolut kostengünstig, ganz aus körpereigenem Material und in Handarbeit hergestellt, ist eine Filzkette aus Menschenhaar. Im Internet kursieren zahlreiche Anleitungen, wie man seine eigene Haarpracht in lustige Kugeln oder einen schönen Anhänger verwandeln kann. Mit dieser selbstgefilzten Überraschung lässt sich der Hals des Partners anschliessend kreativ verschönern.

Zahnring oder Herz schenken

Ebenfalls eine ausgefallene Idee: Die gezogene Weisheitszähne zum Juwelier bringen, einfassen lassen und wahlweise als Fingerring oder Kette tragen. Die australische Silberschmiedin Polly van der Glas bietet genau diese Dienste an und hat für ihre Arbeit sogar schon Preise erhalten. Auf www.vanderglas.com.au zeigt sie ihre steilen Zahnkreationen und ihre Schmuckstücke aus Fingernägeln und Haaren.

All diese Geschenke kommen nicht nur von Herzen, sie kommen auch vom eigenen Körper und sind somit eigentlich doppelt romantisch. Leider geht dies auch mit einem gewissen Ekel-Faktor einher. Wem diese Vorschläge noch zu wenig Hand und Fuss haben, kann noch weiter gehen und sein Herz, mitsamt einem ausgefüllten Organspende-Ausweis, verschenken.