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Nicht gefeit vor Tornados

Weil in Hamburg vor kurzem ein Tornado gewütet hat, befürchteten einige bereits eine Amerikanisierung unseres Wetters. Tatsächlich können Tornados auch bei uns vorkommen, allerdings meist nur als harmlosere Wasserhose.
Bruno Knellwolf
Ein Tornado zieht am 7. Juni 2016 über Hamburg. (Bild: ap/Monika Zucker)

Ein Tornado zieht am 7. Juni 2016 über Hamburg. (Bild: ap/Monika Zucker)

Ein Tornado hat letzthin eine Spur der Verwüstung durch Hamburg gezogen. Eine Windhose deckte Dächer ab und entwurzelte reihenweise Bäume. Keller sind vollgelaufen, Gärten zerstört, Funkantennen abgerissen worden – die Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun. Vor einer Woche hat eine Windhose im deutschen Bad Waldsee nahe am Bodensee fünfzig Häuser beschädigt und auf dem Bodensee bildete sich eine Wasserhose.

Das erinnert an Zustände in den USA, denn dort wüten Tornados weltweit am meisten. Am häufigsten und mit der grössten Wucht im kontinentalen Innern Nordamerikas. Von Texas bis zum Michigan-See an der Grenze zu Kanada zieht sich eine eigentliche Tornado-Strasse. Von März bis Mai sind die Temperatur-Gegensätze zwischen den feuchtwarmen Luftmassen aus dem Golf von Mexico und der von Norden her kommenden Polarluft am grössten. Jedes Jahr werden die USA durchschnittlich von rund 800 Tornados heimgesucht, die Tote und Verletzte fordern.

Auf allen Kontinenten

Tornados kommen aber, wie man gesehen hat, nicht nur in den USA vor, sondern auf allen Kontinenten. Gemäss Stephan Bader von der Abteilung Klima von Meteo Schweiz muss man in der Schweiz pro Jahrzehnt mit einem bis fünf Tornados rechnen, die zu mehr oder weniger grossen Sachschäden führen. Deswegen will Bader aber nicht gleich von einer Amerikanisierung des europäischen Wetters sprechen, wie das in Gratisblättern zu lesen war.

«Ein Tornado ist ein kleinräumiges Phänomen, besitzt meist nur eine kurze Lebensdauer und ist somit nicht leicht zu beobachten», sagt Bader. Auch mit neusten Techniken seien Tornados schwer aufzuzeichnen, vollständige Datenreihen dazu fehlten deshalb. «Auch werden Tornados erst seit den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts systematisch erfasst. Eine Ab- oder Zunahme aufgrund des Klimawandels kann deshalb schwer bestimmt werden», erklärt Bader.

Mehr Tornados in Deutschland

«Generell wurden in Europa in den letzten Jahrzehnten aber immer mehr Tornados beobachtet. In Deutschland wurde zum Beispiel eine Zunahme von meist schwachen Tornados festgestellt, doch ist dies vor allem auf den Anstieg der Bevölkerungsdichte, auf das grössere öffentliche Interesse und auf neue Beobachtungstechniken zurückzuführen», sagt Bader.

Tornados sind nach Bader extrem heftige, aber sehr kleinräumige Wirbelstürme. Unterschieden wird heute zwischen Superzellen-Tornados und Nicht-Superzellen-Tornados, zu denen Wasserhosen und Windhosen gehören. Für beide Tornado-Arten gilt, dass sich aus der Unterseite von gut entwickelten Gewitterwolken zu Beginn eine kegelförmige Ausstülpung bildet. Diese wächst sich daraufhin, oft innert weniger Minuten, zum rotierenden Wolkenschlauch aus und senkt sich gleichzeitig bis zur Erdoberfläche hinab, wie Bader in seiner Publikation «Tornados in der Schweiz» schreibt.

Bereits vor dem Auftreffen des Schlauchs am Erdboden wird dort loses Material zu einem eigenen Wirbel formiert. Befindet sich der Schlauch über einem See, ergibt sich daraus eine Wasserhose.

Die Entstehung von Superzellen-Tornados erfolgt praktisch immer im Zusammenhang mit intensiven Gewitterherden. In der Schweiz sind Wasserhosen am häufigsten, die schwächere Form eines Tornados. Über dem Bodensee können immer wieder Wasserhosen beobachtet werden, so wie vor einer Woche.

Dafür braucht es kein riesiges Tiefdruckgebiet. Nach dem Meteorologen Felix Blumer reichen schon einzelne Schauer- oder Gewitterzellen. In diesen ist eine kräftige Aufwärtsbewegung Voraussetzung für das Entstehen von vertikalen Wirbeln. Kommt dann die kühle Umgebungsluft mit der direkt über dem Wasser liegenden warmen und feuchten Luft zusammen, führt das über der Wasserfläche zur Wirbelbildung. Dieser Wirbel, kombiniert mit der kräftig aufquellenden Gewitterwolke, bildet den Wirbelschlauch der Wasserhose zwischen Wolke und See.

Wasserhose stirbt über Land

Doch warum kommt ein Tornado vom Bodensee nicht aufs Festland? «Die Entstehung von Wasserhosen hängt implizit mit der Wasserfläche zusammen. Der Gegensatz von kühler und feuchtwarmer Luft ist über dem Land nicht gegeben. Bewegt sich eine Wasserhose aufs Land, wird sie sich in der Regel schnell auflösen», sagt Bader. Vom Mittelmeer, genauer von der Adria, gebe es aber dokumentierte Beispiele, welche das Weiterexistieren nach dem Übertritt aufs Land belegten.

Meist sind Tornados in der Schweiz also von geringer Intensität und nach Bader «keine allgegenwärtige Naturgefahr». Trotzdem bleibt die Frage, ob das mit der stetigen Erderwärmung so bleibt. Zusammen mit den Veränderungen der Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse sei auch eine Änderung der Wetterextreme zu erwarten. Zum Beispiel mehr Hitzewellen im Sommer und weniger Kältewellen im Winter. Um Aussagen zu möglicherweise stärkeren Tornados zu machen, fehlten aber Hinweise, sagt Bader.

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