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Neues Medikament gegen Autismus

Französische Forscher haben in einer Studie nachgewiesen, dass ein Diuretikum die Schwere der Entwicklungsstörung lindert.
Adrian Lobe
Autisten: Ohne Blick und Worte. (Bild: ap)

Autisten: Ohne Blick und Worte. (Bild: ap)

Sie lassen sich nicht umarmen, sprechen kaum und meiden Blickkontakt – Kinder mit frühkindlichem Autismus. Laut UNO-Schätzungen gibt es weltweit 67 Millionen Autisten. Neben dem frühkindlichen Autismus existiert auch das Asperger-Syndrom. Nach dem Amoklauf von Newtown geriet diese Ausprägung von Autismus in den Fokus. Der Todesschütze Adam Lanza soll unter dieser Entwicklungsstörung gelitten haben.

Autismus ist zu rund 90 Prozent genetisch bedingt, wobei viermal mehr Knaben als Mädchen betroffen sind. Das «Autism Genome Project», ein internationales Forschungsprojekt, hat 2007 mit Hilfe einer Gen-Chiptechnologie 1100 Familien untersucht, in denen mindestens zwei Mitglieder an Autismus erkrankt waren.

Dabei identifizierten die Forscher zwei Gene, die an der Entstehung der Krankheit beteiligt waren: eine nicht näher bestimmte Region auf dem Chromosom 11 sowie das Gen für Neurexin 1. Neurexin ist ein Protein, das in den Nervenzellen und bei der Entwicklung von Synapsen (Kontaktstellen zwischen zwei Neuronen) eine wesentliche Rolle spielt. Die fehlerhafte Verbindung der Nervenzellen führt schliesslich zu der Störung der Gehirnentwicklung.

Auf der Dopingliste

Laut einer jüngsten Studie des französischen Forschungsinstituts «Inserm» kann das Schleifendiuretikum Bumentanid die Störungen lindern. Das Arzneimittel fördert die Wasserausscheidung des Körpers mit dem Harn und steht für Sportler auf der Dopingliste. Für die Untersuchung beobachteten die Wissenschafter 60 Kinder im Alter zwischen drei und elf Jahren, die die Autismuskriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erfüllten. Den Kindern wurde in einem Zeitraum von drei Monaten entweder Bumentanid oder ein Placebo verabreicht.

Erfolg bei Kindern

Das Ergebnis war eindeutig: Drei Viertel der Kinder, die mit Bumetanid behandelt wurden, wiesen am Ende der Behandlung schwächere Symptome auf. Die Kleinen zeigten sich offener und kommunikativer. Bei den Probanden der Placebo-Gruppe zeigte sich dagegen keine Verbesserung. Daraus folgern die Forscher, dass die Verabreichung des Wirkstoffs einen entscheidenden Einfluss auf das Verhalten der Kinder hatte. «Das Diuretikum Bumentanid kann die Schwere der Entwicklungsstörung lindern», sagt Yehezkel Ben-Ari vom Institut de Neurobiologie de la Méditerranée in Marseille, der die Studie leitete.

Was bewirkt Bumentanid? Der Wirkstoff senkt die Chlorid-Konzentration in Nervenzellen. Eine erhöhte Chlorid-Konzentration kann sich negativ auf die Informationsverarbeitung im Gehirn auswirken. Der Hintergrund: Nervenzellen kommunizieren über elektronische Signale. Spezielle Chlorid-Kanäle sorgen für den Austausch von negativ geladenen Chlorid-Ionen zwischen der Zelle und ihrer Umgebung. Ist die Konzentration zu hoch, funktioniert der Austausch nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr.

Zentrales Merkmal

Für Ben-Ari sind die Chlorid-Ionen wenn nicht der Auslöser, so doch ein zentrales Merkmal von autistischen Störungen. Die Chlorid-Ionen verändern die Funktion der y-Aminobuttersäure, die von einem hemmenden zu einem anregenden Neurotransmitter mutiert. Der Hemmstoff Bumetanid kann diesen Effekt unterdrücken.

Die Behandlungsmethode, die im Rahmen der Untersuchung angewandt wurde, ist keine langwierige Therapie, weil die Symptome nach dem Absetzen wieder auftauchten. Nichtsdestotrotz konnte das Mittel die kommunikativen Kompetenzen der Kinder einstweilen verbessern.

Weniger Kalium im Blut

Eine Nebenwirkung von Bumetanid ist, dass es die Kalium-Konzentration im Blut senkt. «Man muss darauf achten, dass der Wert nicht unter die Grenze von drei Milligramm pro Liter absinkt», sagt Ben-Ari. Kalium ist ein wichtiger Mineralstoff für den menschlichen Körper. Es dient zur Aufrechterhaltung des osmotischen Drucks in den Zellen und der Regulation des Wasserhaushalts. In jedem Fall seien weitere Studien erforderlich, sagt Ben-Ari. Zudem muss der Wirkstoff das Genehmigungsverfahren der EU durchlaufen. «Wir hoffen, dass das Medikament bis im Herbst 2014 freigegeben wird.»

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