Naturprotz

Warum tun Sie das eigentlich? Ruedi Thoma hat für den Bauernkalender 2013 posiert. Seine Muskeln stählt er bei der Hofarbeit – und nicht im Fitnesscenter. Diana Bula

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Ruedi Thoma – wie er im Bauernkalender 2013 zu sehen ist. (Bild: pd)

Ruedi Thoma – wie er im Bauernkalender 2013 zu sehen ist. (Bild: pd)

Ruedi Thoma, Sie lächeln nächstes Jahr als Februar-Boy ab dem Bauernkalender. Gefällt Ihnen das Bild?

Ruedi Thoma: Ja, unterdessen habe ich mich an die Aufnahme gewöhnt.

Sie hatten zu Beginn Bedenken?

Thoma: Meine Freundin sagt, ich sehe darauf nicht aus wie ich.

Woran liegt das?

Thoma: Wohl an der Frisur. Ich laufe sonst nicht so gestylt herum, trage mein Haar eher natürlich.

Sich für den Bauernkalender ausziehen – warum tun Sie das?

Thoma: Ich war 2009 schon für den Bauernkalender Modell gestanden. Nun haben mich die Organisatoren erneut angefragt. Ich habe zugesagt, aber von Anfang betont, dass ich meine Hose nicht ausziehen werde. Nicht für diesen Kalender.

Für einen anderen würden Sie das tun?

Thoma: Ja, für einen erotischen Kalender vielleicht. Oder für ein Magazin wie «Men's Health».

Dort posieren aber professionelle Models.

Thoma: Ich könnte mir vorstellen, weitere Fotoshootings zu machen und für ein Produkt zu werben. Oft heisst es, das Posieren vor der Kamera sei harte Arbeit. Für mich war es ein Vergnügen und viel weniger anstrengend als mein richtiger Job.

Der Bauernkalender soll die «moderne Landwirtschaft» zeigen. Was verbindet Sie mit der Branche?

Thoma: Ich arbeite als Chefmonteur. Meine Eltern jedoch führen einen Milchwirtschaftsbetrieb in Walzenhausen. Seit klein auf helfe ich dort mit. Schon mit drei, vier Jahren habe ich auf dem Feld mit der Sense gespielt.

Haben Sie sich nie verletzt?

Thoma: Nein, erst später, als Erwachsener. Beim Wetzen der Sense habe ich mir in den Daumen geschnitten. Er ist etwas schief zusammengewachsen. Das sieht man auf dem Bild aber nicht.

Werden Sie später den elterlichen Hof übernehmen?

Thoma: Momentan sieht alles danach aus, als ob mein19jähriger Bruder in die Fussstapfen meines Vaters treten wird. Überlegt er es sich noch anders, springe ich ein. Schliesslich habe ich die landwirtschaftliche Schule absolviert.

Was gefällt Ihnen am Bauernsein?

Thoma: Man ist draussen in der Natur, die sich ständig verändert. Ich mag es, diesen Wandel zu beobachten – und die Vögel pfeifen zu hören. Zudem stählt man bei dieser Arbeit den Körper.

Sie stemmen keine Gewichte im Fitnesscenter?

Thoma: Nein, die Muskeln kommen von der Hofarbeit. Mähe ich ein Wiesenbord mit dem Handmäher, so geht das in die Arme. Es braucht viel Kraft, um die schwere Maschine am Hang zu lenken.

Und der Nachteil des Bauerndaseins? Dass die Landwirte in der Gesellschaft nicht immer das beste Ansehen geniessen?

Thoma: Ja, mal soll der Bauer den Weg mit Gülle verschmutzt haben, mal bimmeln die Glocken seiner Kühe zu laut. Viele Menschen haben kein Verständnis für die Arbeit der Bauern. Sie vergessen, dass das Brot zwar vom Bäcker, ein Teil der Zutaten dafür aber von unseren Feldern kommt.

Ein Bauernkalender hilft da weiter?

Thoma: Natürlich löst er diese Probleme nicht. Aber er zeigt, dass Landwirte und deren Verwandte nicht hinter dem Mond leben, sondern ganz normale Menschen sind. Ich etwa besuche nicht nur bäuerliche Anlässe, sondern gehe auch in die Stadt in den Ausgang – und zwar nicht im Edelweisshemd.

Wo fühlen Sie sich wohler?

Thoma: Unter den Landmenschen. Wir interessieren uns für die gleichen Themen, unterhalten uns darüber – etwa an der Walzenhauser Viehschau vom nächsten Mittwoch. Der Tag ist mir heilig und in meiner Agenda immer rot angestrichen.