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NATURKATASTROPHE: Die Krisenbewältigerin

Sie gibt der vom Bergsturz gezeichneten Talschaft ein Gesicht: Anna Giacometti ist seit 2010 Präsidentin der Gemeinde Bregaglia.

Es sind schwere Tage für Anna Giacometti – für die Gemeindepräsidentin des Bergells die schwersten, seit sie das Amt 2010 antrat. Seit einer Woche hält der Bergsturz nicht nur das Dorf Bondo in Atem. Aus den acht Vermissten sind wohl acht Todesopfer geworden. Als Gemeindevorsteherin ist sie gefordert: Eine Sitzung jagt die nächste, die Kontakte zum Kanton, Bund und zur Bevölkerung sind intensiv. Dazu kommen Interviews und Medienanfragen. Man merkt der 56-Jährigen die gespannte Lage an, zugleich meistert sie ihre Aufgabe mit Bravour.

Das Bergell steht selten im Fokus der Aufmerksamkeit. Die italienisch-bündnerische Talschaft mit den 1500 Einwohnern in fünf Dörfern liegt so abgelegen, dass viele Deutschschweizer Mühe haben, sie geografisch zu verorten. «Der Berg prägt das Tal und unsere Bevölkerung – wir sind bescheiden, ruhig, gut erzogen und mehrsprachig», sagte Giacometti einst in einem TV-Interview. Ganz unumstritten ist die FDP-Politikerin und zweifache Mutter aus Stampa nicht. Man hat ihr und der Exekutive mangelnde Kommunikation vorgeworfen. Aber ihr Engagement und ihre Kompetenz werden allenthalben geschätzt. 2015 wurde sie für eine dritte Amtszeit gewählt.

Anna Giacometti ist eine typische Tochter des Bergells. Weitläufig verwandt – mütterlicherseits – mit dem berühmten Bildhauer Alberto und väterlicherseits mit dem Maler Augusto Giacometti. Nach der obligatorischen Schule besuchte sie das Lyceum Alpinum in Zuoz im Engadin, um danach in London Englisch zu lernen. «Es ist eine Chance, dass wir in jungen Jahren das Tal verlassen müssen», so Giacometti, die nach einer Arbeitstätigkeit in Chur in den auswärtigen Dienst beim EDA eintrat. Zwei Jahre war sie in Lissabon. Danach kam sie nach Mailand, doch die Stadt war damals so grau, dass ihre Liebe zu ihrer alten Heimat – dem nahe gelegenen Bergell – aufflammte. Sie begann als Bäuerin ein neues Leben.

Die kleine Talschaft ist seit Jahren von Abwanderung geprägt. Es fehlt an Leuten, die öffentliche Aufgaben übernehmen. Und so schlitterte Anna Giacometti zuerst in die Verwaltung, dann in die Politik – als Präsidentin des Regionalverbands. Sie gleiste in dieser Position massgeblich die Fusion der Gemeinden Bondo, Castasegna, Soglio, Stampa und Vicosoprano zur Gemeinde Bregaglia auf. Und sie wurde dann zur ersten Präsidentin gewählt. Neben dem Ortsbild und einer intakten Landschaft sind ihr eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung wichtig – keine leichte Aufgabe in Zeiten des starken Frankens. Und jetzt liegt der für das Tal so wichtige Tourismus am Boden. Doch die meiste Aufmerksamkeit gilt nun den evakuierten Einwohnern von Bondo, die vielleicht auf Dauer nicht mehr in ihre Häuser zurückkehren können. Gestern Abend eröffnete die Gemeindepräsidentin die Informationsveranstaltung für die Bevölkerung mit einer Schweigeminute für die acht Opfer. Und sagte: «Dieses Ereignis hat das Leben im Tal für immer verändert.»

Gerhard Lob

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