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NACHWUCHSPFLEGE: Tiermütter haben’s auch nicht leicht

Das Baby von Mama Blauwal wiegt bei der Geburt über zwei Tonnen, Kollegin Kaiserpinguin brütet bei minus 40 Grad Celsius. Ein Hoch auf alle tierisch guten Mütter dieser Welt.
Christian Satorius
Kaiserpinguine sind modern: Mama und Papa wechseln sich damit ab, ihr Küken auf den Füssen zu balancieren und Futter für es zu organisieren. (Bild: Anna Bartosch-Carlile/Alamy)

Kaiserpinguine sind modern: Mama und Papa wechseln sich damit ab, ihr Küken auf den Füssen zu balancieren und Futter für es zu organisieren. (Bild: Anna Bartosch-Carlile/Alamy)

Christian Satorius

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier:<strong><em>www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Heute ist Muttertag – die Menschheit beschenkt ihre Mütter, um Danke zu sagen für all den Einsatz. Doch nicht nur der Homo Sapiens hat seine Muttertiere. Auch bei den Tieren im Wortsinn wird von den Müttern viel ge- leistet. So bringt beispielsweise Mama Blauwal ein Baby von zwei bis drei Tonnen Gewicht zur Welt. Doch damit nicht genug: Das etwa sieben Meter lange Neugeborene hat mächtig Durst. Bis zu 200 Liter Milch trinkt der kleine Racker, pro Tag wohlgemerkt, und das sieben Monate lang. Dafür legt er aber auch gut zu, mehr als drei Kilogramm in der Stunde. Das Ganze funktioniert nur so gut, weil die Milch eines Blauwals etwa zehnmal so viel Fett und Eiweiss enthält wie die eines Menschen.

Andere Tiermütter machen es sich da leichter, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die Eier, die Mama Mondfisch legt, sind gerade einmal so gross wie ein Stecknadelkopf und wiegen fast gar nichts. Für einen über drei Meter langen Fisch mit mehr als zwei Tonnen Körpergewicht ist das eine leichte Übung, könnte man meinen, nur leider muss Mama Mondfisch ganze 300 Millionen Stück davon pro Laichvorgang legen. Das schlaucht dann wohl doch ganz schön.

Brüten im Sturm, bemuttern in der Tiefsee

Auf dem Festland ist es Mutter Kiwi, die sich beim Eierlegen wohl am meisten abmüht. Das Ei, das sie legt, ist bis zu 13 cm lang und hat ein Gewicht von bis zu 500 Gramm. Für einen Afrikanischen Strauss wäre das kein Problem: Strausseneier wiegen über eineinhalb Kilogramm bei einer Länge von bis zu 20 Zentimetern. Allerdings ist Mama Strauss auch fast zwei Meter gross und 100 Kilo schwer. Der Nördliche Streifenkiwi ist aber gerade einmal so gross wie ein Huhn und belässt es bei einem Körpergewicht von etwa zwei bis drei Kilogramm. Mit anderen Worten: Das Ei, das Mutter Kiwi legt und anschliessend rund 80 Tage lang bebrütet, ist im Verhältnis zur Körpergrösse gigantisch und kann durchaus ein Drittel des gesamten Körpergewichts des Muttertieres ausmachen.

Nun ist es in Neuseeland, der Heimat der kleinen Kiwis, zumindest schön warm, so dass Mutter Kiwi nicht frieren muss. Bei Mama Kaiserpinguin sieht das ganz anders aus, denn sie brütet im antarktischen Winter bei minus vierzig Grad Celsius. Die Sturmböen, die hier mit 180 km/h über das Eis fegen können, erleichtern das Ganze auch nicht gerade. Das Ei, das Mama Kaiserpinguin legt, muss Papa Pinguin unablässig auf seinen Füssen balancieren und mit seinem Körper wärmen, damit es nicht auf das Eis fällt und gefriert – und zwar ganze 64 Tage lang, bis das Küken schlüpft. Wenn es so weit ist, wechseln sich beide Partner darin ab, nun das Küken auf den Füssen zu balancieren und zu füttern. Aber das ist eine andere Geschichte.

Dass es gar nicht so einfach ist, die lieben Kleinen grosszukriegen, wissen auch andere Tiermütter. Im Tierreich hat nämlich so manch einer den Nachwuchs anderer zum Fressen gern. Oftmals sind es die Väter oder auch beide Elternteile, die dafür sorgen, dass es nicht so weit kommt, aber längst nicht bei allen Spezies ist das der Fall. Hier muss dann die Mutti wieder einmal einspringen und auch noch die Bewachung übernehmen und Security spielen.

Besonders genau nimmt anscheinend Mama Tiefseekrake diesen Job, zumindest dasjenige Weibchen der Art Graneledone boreopacifica, das US-amerikanische Forscher mit ihrem Tauchroboter in 1397 Meter Wassertiefe beobachteten. Ganze 53 Monate lang, also fast viereinhalb Jahre, bewachte Mama Tiefseekrake ihr Gelege. «In der Zeit, in der wir sie beobachteten, liess sie das Gelege nicht ein einziges Mal aus den Augen», berichtete der Biologe Bruce Robison vom Monterey Bay Aquarium Research Institute (Mbari) erstaunt im Jahr 2014.

Der Ohrwurm putzt und wendet seine Eier

Etwas entspannter lassen sich die lieben Kleinen unter Kontrolle halten, wenn man sie ganz einfach mit sich herumträgt. Aber auch das kann mühsam sein, wie Mutti Ohrwurm weiss, die sich ganz liebevoll um ihre Nachkommenschaft kümmert, was bei Insekten eigentlich eher die Ausnahme ist. Die gut 50 Eier, die sie legt, werden geputzt und gewendet, damit sich der Nachwuchs im Inneren auch wirklich optimal entwickeln kann. Wenn die lieben Kleinen dann aus den Eiern schlüpfen, hilft ihnen die Mama sogar dabei, die Schale zu durchbrechen. Ja, selbst gemeinsame Ausflüge in die Botanik stehen auf dem Programm. Kommt einer aus der Rasselbande dabei mal zu weit vom Weg ab, kommt Mutti Ohrwurm herbeigeeilt und sammelt den kleinen Racker wieder ein.

Bei den Gliederfüssern ist die Mutterliebe übrigens ein alter Hut, ein ganz alter Hut sogar. Im besonders feinen Schiefer der kanadischen Burgess-Shale-Formation fanden Wissenschafter 2015 mehrere Fossilien des 508 Millionen Jahre alten krebsartigen Gliederfüssers Waptia fieldensis, der bis zu 24 Eier geschützt bei sich trug. «Bei fünf der aufgefundenen Tiere entdeckten wir Gruppierungen eiförmiger Objekte», resümiert Jean-Bernard Caron von der Universität von Toronto, «die am vorderen Drittel des Körpers gut geschützt unter dem Panzer lagen. Sie liefern uns einen der ältesten Belege für ein Lebewesen, das sich um seinen Nachwuchs sorgt.»

Einigen Tiermüttern schlagen die lieben Kleinen aber auch ganz schön auf den Magen, und zwar im Wortsinn. Zumindest war das einmal so, bevor die Magenbrüterfrösche vor einigen Jahren ausgestorben sind. Mama Magenbrüterfrosch verschluckte ihr Gelege nämlich kurzerhand und brütete die Fröschlein im eigenen Magen aus. Damit dieser die gesamte Nachkommenschaft nicht gleich wieder in ihre Bestandteile auflöste, produzierten jene im Magen der Mutter das Hormon Prostaglandin E2, das die Produktion von Magensäure hemmte. Das ist allerdings Mutterliebe von gestern, denn die Magenbrüterfrösche sind, wie erwähnt, inzwischen ausgestorben, auch wenn Wissenschafter zur Zeit mit Hochdruck daran arbeiten, die kleinen Frösche eines schönen Tages wiederzubeleben.

Dass man den Mund in Sachen Mutterliebe gar nicht voll genug nehmen kann, wissen einige Maulbrüter nur zu genau. So nennt sich ein Gruppe von Fischen, die ihre Nachkommenschaft im Maul ausbrütet oder auch die schon geschlüpften Jungfische ins Maul nimmt, um sie zu beschützen. Eine ganze Reihe von Buntbarschen aus dem afrikanischen Malawisee und auch aus dem Tanganjikasee zählen dazu.

Das «Hotel Mama» gibt es auch bei den Tieren

Der Vorteil liegt auf der Hand, um nicht zu sagen: im Maul. Vor Gefahren aller Art ist die ganze Rasselbande dort nämlich ganz gut geschützt. Allerdings darf sich die Mama nicht vor Schreck verschlucken. Es gibt aber noch einen weiteren Nachteil: Wer seine Babys im eigenen Maul ausbrütet, der kann in der Zeit nichts essen. So können durchaus ein paar Wochen ins Land gehen, in denen Mama Buntbarsch hungern muss. Aber es lohnt sich ja.

Bei vielen Tieren kümmern sich die Mütter noch sehr viel länger um ihren Nachwuchs und unterweisen die Heranwachsenden in der Jagd und Nahrungs- suche. Sie vermitteln ihnen ebenso soziale Verhaltensweisen. Bei manchen Spezies erstreckt sich diese Fürsorge sogar bis ins Erwachsenenalter des Nachwuchses und kann unter Um-ständen sogar ein ganzes Leben lang andauern, wie etwa bei den Asiatischen Elefanten. Auch Orang-Utans sind solche Supermuttis. Sechs bis acht Jahre lang kümmern sie sich liebevoll um ihre Nachkommenschaft und geben in der Zeit ihr Können und Wissen an ihre Kinder weiter. Das Hotel Mama weiss man also auch im Tierreich durchaus zu schätzen.

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