Nach Millionen Jahren von den Füssen geholt

Millionen von Jahren waren wir zu Fuss unterwegs. Seit hundert Jahren gehen wir immer weniger, schreibt Johann-Günther König in seinem neuen Buch «Zu Fuss». Das Phänomen des bequemer werdenden Menschen nahm er zum Anlass, eine Chronik über das Gehen zu schreiben. So heisst es:

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Millionen von Jahren waren wir zu Fuss unterwegs. Seit hundert Jahren gehen wir immer weniger, schreibt Johann-Günther König in seinem neuen Buch «Zu Fuss». Das Phänomen des bequemer werdenden Menschen nahm er zum Anlass, eine Chronik über das Gehen zu schreiben. So heisst es:

• Die Bipedie, also die Fähigkeit zur zweifüssigen Fortbewegung in aufrechter Haltung, wird uns in die Wiege gelegt. Bereits Neugeborene verfügen über den Schreitreflex. Wenn sie auf eine Unterlage gehalten werden, beginnen sie an Ort und Stelle zu gehen.

• Eine der ersten Fussgängerinnen ist «Ardi». Die 4,4 Millionen Jahre alte Vertreterin der Spezies Ardipithecus ramidus war rund 51 Kilo schwer, lebte in der Gegend von Äthiopien und konnte aufrecht gehen.

• Beim Gehen werden 700 Muskeln und 100 Gelenke bewegt.

• Ein Kind beginnt in der Regel zwischen dem 9. und 18. Monat damit, eigenständig zu gehen. Einjährige kommen auf rund 170 Schritte in der Minute, Siebenjährige auf 140 und Erwachsene auf 120. Rennen können Kinder meist nach 24 Monaten.

• Im ersten Weltkrieg marschierten etwa die deutschen Infanteristen täglich bis zu 35 Kilometern mit rund 20 Kilogramm Gepäck. Als das VII. Reserve Korps einmal 64 Kilometer in 24 Stunden laufen musste, fiel ein Viertel der Infanteristen vor Erschöpfung aus.

• Die Kraftanforderung an die Muskulatur liegt bei einer gesunden Person bei einem Viertel der maximalen Kraft.

• Wer 30 Minuten täglich zu Fuss geht, senkt sein Risiko für Zivilisationskrankheiten körperlicher und seelischer Art um 30 Prozent.

• Bereits in den 1960er-Jahren prognostizierten Kritiker das Ende des Fussgängers. Im Buch «Der letzte Fussgänger» etwa steht: «Wer nicht motorisiert ist, zählt nicht mit, und die Besitzer kostspieliger Wagen blicken auf die einfacheren herab. Menschen, die zu Fuss gehen, sind auf der Strasse kaum noch anzutreffen. So ist vielleicht der Tag, an dem der letzte Fussgänger über die Erde schreitet, nicht mehr fern.» (nar)

Johann-Günther König: Zu Fuss. Eine Geschichte des Gehens, Reclam 2013, S. 239,

Fr. 17.90.

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