Mutter und Kind in tödlicher Gefahr

Lesbar Krimis

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Gin Phillips: Nachtwild.

dtv, 300 S., Fr. 21.50.

Ein Thriller, der sich innerhalb weniger Stunden in einem Zoo als einzigem Schauplatz abspielt? Mit Mutter und Kind als praktisch einzigen Figuren? Kann das funktionieren? Ziemlich gut sogar.

Joan ist mit ihrem vierjährigen Sohn nach dem Zoobesuch gerade auf dem Weg zum Ausgang, als sie Schüsse hört und Tote am Boden liegen sieht. Sofort sucht sie in einem leerstehenden Gehege Schutz. Via SMS erfährt sie, dass offenbar Amokschützen auf dem Zoogelände sind und die Polizei von aussen von aussen den Zugriff versucht. Als die Killer Jagd auf überlebende Besucher machen, weiss Joan, dass sie einen Weg finden muss, um sich und ihren Sohn zu retten.

Obwohl einige Kapitel aus Sicht eines der Amokschützen erzählt werden, sind Joan und ihre stete Interaktion mit dem Sohn die klare Hauptstory. Das ist zwar eindimensional, zumal auch mit Einheit von Zeit und Raum, bietet aber genug Spannung. Die Mutter muss extrem vorsichtig vorgehen und zugleich auf das zuweilen unberechenbare Verhalten des Kindes Rücksicht nehmen. Gerade im Zusammenhang mit Ängsten, die ja alle Eltern irgendwie kennen, wird das Verhältnis der beiden mit grossem Einfühlungsvermögen gezeigt. Man merkt, dass die Autorin selber Mutter ist. Natürlich spitzt sich dann alles auf den grossen Showdown hin zu.

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Karen Cleveland: Wahrheit gegen Wahrheit. btb, 350 S., Fr. 18.–.

Der Ehemann ist ein feindlicher Spion

Vivian, CIA-Mitarbeiterin in der Spionageabwehr, macht per Zufall eine schreckliche Entdeckung: Ihr langjähriger Ehemann, mit dem sie vier Kinder hat, ist ein russischer Spion. Natürlich müsste sie das melden. Aber damit würde sie ihre Familie zerstören.

Autorin Karen Cleveland hat selber acht Jahre lang als Analystin für die CIA gearbeitet. Entsprechend überzeugt der Thriller mit viel Insiderwissen. Spannung bezieht er nicht aus der Frage, ob der Ehemann wirklich ein Spion ist. Weil dieser relativ schnell zugibt, gebürtiger Russe zu sein, er hänge aber trotzdem an seiner Familie. Interessant ist vielmehr, wie die verzweifelte Vivian mit dem Interessenkonflikt umgeht und eine Lösung sucht, um ihre Familie zu schützen, ohne ihr Land zu verraten. Ob ihr das gelingt und ob ihr Mann nicht sogar ein doppeltes Doppelspiel treibt, bleibt bis zum Ende offen.

Arno Renggli