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MUNDART: Berner Rap, St. Galler Piano

Der Berner Rapper Baze steht seit neustem mit drei Jazzmusikern auf der Bühne. Der St. Galler Fabian M. Mueller drückt dem Sprechgesang seinen melodiösen Stempel auf.
Roger Berhalter
Baze (vorne) mit neuer Band: Fabian M. Mueller, Fabian Bürgi und Toni Schiavano (von links). (Bild: PD)

Baze (vorne) mit neuer Band: Fabian M. Mueller, Fabian Bürgi und Toni Schiavano (von links). (Bild: PD)

Roger Berhalter

roger.berhalt

er@tagblatt.ch

Man könnte jetzt lange über Genre-Grenzen diskutieren. Ist das noch Hip-Hop? Ist es schon Jazz? Oder ist es gar etwas Anderes, Neues? Jedenfalls legen der Berner Rapper Baze und seine Band die Messlatte hoch. So reif und entspannt klang Sprechgesangsmusik noch selten. Mehr als einmal muss man an Endo Anaconda denken, wenn Baze auf Berndeutsch vom Alltag erzählt und dabei die Silben so zieht oder quetscht, bis es stimmt und fliesst – oder flowt, wie der Hip-Hopper sagen würde. Der Jazzfan hört derweil fasziniert auf die rumpelnde und rollende Musik.

«Bruchstück» heisst das erste Album von Baze in der neuen Besetzung. Die vier Musiker touren derzeit quer durchs Land, um zu zeigen, wie es live klingt, dieses Mundart-Sprechgesang-Ding. Am kommenden Freitag treten sie im Palace in St. Gallen auf.

Riesenarbeit im Probenraum

Fabian M. Mueller drückt «Bruchstück» seinen melodiösen Stempel auf. Der St. Galler Musiker spielt Fender Rhodes, Klavier, Synthesizer und Effekte, während Fabian Bürgi am Schlagzeug und Toni Schiavano am Bass das schlanke Groove-Gerüst bauen. «Wir verfolgen keinen intellektuellen Ansatz, sondern spielen eher aus dem Bauch heraus», sagt Mueller am Telefon. Der 34-Jährige wohnt mittlerweile in Bern und arbeitet als frei schaffender Musiker und Komponist. Baze lernte er während des Projekts «Buergis Quest» von Fabian Bürgi kennen: Für ein einmaliges Konzert übten Mueller, Bürgi und Schiavano zehn Songs des Rappers ein und führten sie an einem Abend gemeinsam mit ihm auf. «Das hat gut funktioniert, die Besetzung harmonierte.»

Nicht lange danach fragte Baze die drei Jazzmusiker, ob sie mit ihm ein Album aufnehmen wollten. Sie wollten, und was folgte, war eine «Riesenarbeit», wie Mueller lachend sagt. Denn Baze brachte den Musikern nicht einfach seine fertigen Songs mit, sondern sie erarbeiteten jedes Stück gemeinsam, zu viert, in regelmässigen Proben. So wie eine richtige Band eben, was bei Profimusikern nicht alltäglich ist. «Wir haben im Kollektiv gearbeitet, deshalb hat das Album auch eine Sprache, die nicht auf einen einzelnen von uns zurückzuführen ist», sagt Mueller. Kein einziges Solo ist auf «Bruchstück» zu hören, niemand drängt sich in den Vordergrund und muss seine Fertigkeiten am Instrument präsentieren. «Das war nie der Ansatz.» Trotzdem komme jeder auf seine Kosten, sagt Mueller. Auch er selber.

In seinem Berufsalltag spielt er in der Regel akustisches Piano oder am Flügel, bei Baze aber packt Mueller die Synthesizer und Effektgeräte aus. «Am Anfang war das live sehr stressig», erinnert er sich an die ersten Konzerte der aktuellen Tour. Doch mittlerweile habe er all die Einstellungen und Gerätli im Griff und könne sich auf der Bühne auf den Moment einlassen.

Fortsetzung folgt: «Selbstverständlich»

Oft reiche es vor dem Konzert sogar noch für ein kleine Jam-Session: Während des Soundchecks entwickeln die Musiker spontan eine neue Idee und nehmen sie auch gleich auf. Später könnte sich daraus ein neuer Song ergeben. Auch Baze mache da jeweils gerne mit, sagt Fabian M. Mueller und fügt augenzwinkernd an: «Er ist ein Jazzmusiker, nur weiss er es selber noch nicht.» Für Mueller bedeutet Jazz schlicht, dass man als Musiker alle Möglichkeiten habe.

Diese Möglichkeiten nutzt Mueller auch in seinen anderen Projekten. Derzeit laufen Proben am Stadttheater Bern mit einem Stück, das der St. Galler mitkomponiert hat. Auch für nächstes Jahr hat er schon einen Kompositionsauftrag für ein neues Ensemble in der Tasche. Im kommenden Januar tauft er zudem in St. Gallen das zweite Album des Augur Ensembles, in dem er mit schwedischen und norwegischen Musikern zusammenspielt.

Und noch ein Projekt steht an: Diese Woche wird Mueller wieder zusammen mit Baze, Fabian Bürgi und Toni Schiavano in den Probenraum gehen. Denn ja: Es soll ein nächstes Album der Vier geben. «Selbstverständlich», sagt Mueller.

Fr, 13.10., 22 Uhr, Palace, St. Gallen

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