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Mürrischer Bassist

Saiten Bei «Giacobbo/Müller» spielt Daniel Ziegler aus Gais den schlecht gelaunten Bassisten und spielt nur so viel wie nötig. Zu Hause kann er seine Finger nie vom Bass lassen. Cathrin Michael
So nett schaut er nur privat: Der Ostschweizer Daniel Ziegler hat im Schweizer Fernsehen keine Lust, Bass zu spielen. (Bild: Ralph Ribi)

So nett schaut er nur privat: Der Ostschweizer Daniel Ziegler hat im Schweizer Fernsehen keine Lust, Bass zu spielen. (Bild: Ralph Ribi)

Ein Aufnahmegerät und seinen besten Freund Simon Enzler. Mehr braucht Daniel Ziegler nicht für einen Streifzug durch Appenzell. Sie gehen von Stammtisch zu Stammtisch. Was sie hören, nehmen sie auf, und bauen es später in ihr Programm ein. Das war vor fünfzehn Jahren, die beiden waren Kantischüler. «Unser erster Auftritt war eine Katastrophe», sagt Daniel Ziegler. «Unsere Freunde kamen ins Theaterhaus und wir, wir reihten einfach ein Klischee ans andere. Das war alles andere als lustig.»

Spielt für Enzler das «Ave Maria»

Heute sind die beiden immer noch beste Freunde und touren derzeit mit dem Kabarettprogramm «Vestolis» durch die Schweiz. Simon Enzler erzählt, Daniel Ziegler spielt E-Bass. Spricht Enzler über Religion, baut Ziegler ein paar Takte von «Ave Maria» in seine Melodie ein.

Im Sommer fuhren die beiden fürs Schweizer Fernsehen mit dem Töffli von Appenzell bis nach Ascona. Denn ob als «Töfflibuebe» oder während der Tournée – am liebsten sind sie gemeinsam unterwegs. «Ein Solokünstler hingegen fährt alleine an den Auftritt, tritt alleine auf, fährt alleine heim. Und dann das viele Warten, das ist wie im Militär.»

Da Capos Nachfolger

Doch genau dieses Schicksal hat der 39-Jährige gewählt – alleine auf die Bühne zu stehen. In der Sendung «Giacobbo/Müller» ist er die Nachfolge vom Frölein Da Capo angetreten. «Es geht aber um mehr als Musik. Ich spiele eine Rolle. Diejenige eines Gewerkschaftsmusikers, der vermittelt wurde. Ich bin dazu verdonnert, zu spielen.»

In der Sendung sieht das so aus: Ziegler betritt mit einem Lätsch die Bühne. Wenn er von Victor Giacobbo das Zeichen bekommt, sagt er: «Ich muss ja», um dann eine Melodie auf dem E-Bass zu spielen. Genau eine Minute lang, dann klingelt der Wecker, Ziegler legt sein Instrument ab und beisst in sein Sandwich. Die Rolle des unmotivierten Musikers kommt an beim Publikum. «Alle anderen wären Feuer und Flamme für den Job, doch ich tue so, als würde ich nur Zeit <verblöterlen>.» Privat habe er sich riesig gefreut über das Angebot. Er sagt es ruhig – mit viel Emotionen wirft auch der private Ziegler nicht um sich.

Jeden Sonntagmittag fährt er ins Kaufleuten nach Zürich. Den Tag davor bereitet er seine Lieder vor, doch die Sendeinhalte werden erst kurz vor der Ausstrahlung besprochen.

Kein Kaffee im Proberaum

Während der Woche macht sich der Ostschweizer keine Gedanken über die Sendung vom Sonntagabend. In Gais aufgewachsen, wohnt er heute mit seiner Freundin und deren zwei Kindern in Herisau. In die Stadt, nach St. Gallen, geht er nur fürs Proben. «Ich brauche den Proberaum. Zu Hause würde ich nur rumsitzen und Kaffee trinken.»

Er spielt auf dem Mercedes

Im Proberaum fehlt zwar das Tageslicht, gemütlich ist es trotzdem. Die Betonwände hat er mit Holz getäfert, am Boden liegt ein roter Teppich und an den Wänden hängen seine E-Bässe. Er spielt nur noch mit zwei Modellen, sie wurden nach seinen Wünschen in New York gebaut. Ziegler streicht über das Holz, zeigt auf die angepassten Abstände der Saiten. «Es ist, als würde man jahrelang Smart fahren und dann auf einen Mercedes umsteigen.» Er habe die Musikerkrankheit und müsse immer, immer üben. Denn sein Ziel sei es, bei «Giacobbo/Müller» nie zweimal dieselbe Melodie zu spielen.

Wie lange er den schnoddrigen Bassisten mimt, weiss er noch nicht. Auch nicht, ob er seine Figur verändern wird. «So schnell nicht. Aber vielleicht wird sie irgendwann glücklich, dann, wenn sie gehen darf.» Bis dahin beisst Ziegler mürrisch in sein Sandwich und bringt die Zuschauer mit seiner schlechten Laune zum Lachen.

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