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Müll ist Müll

Unverpackte Ware aus Grossbehältern kaufen und damit Abfall vermeiden, das kann man unterdessen auch in Zürich. Damit schwappt ein Trend aus den USA in unser Land. Die Grossverteiler wird er kaum erreichen.
Wiederverwendbare Glasbehälter statt Plastik und andere Verpackungen, die in den Abfall wandern: Auch das ist Zero Waste Life. (Bild: fotolia)

Wiederverwendbare Glasbehälter statt Plastik und andere Verpackungen, die in den Abfall wandern: Auch das ist Zero Waste Life. (Bild: fotolia)

Im frisch eingespannten Abfallsack liegt schon nach zehn Minuten wieder allerhand. Die Verpackung der Wattestäbli, der Plastik, der das Magazin umhüllte, das im Briefkasten lag. Der leere Becher des Kaffeemilchmixgetränks. Von gestern abend muss noch die leere Shampooflasche rein, auch das Salatdressing ist aufgebraucht. Wir alle wissen, wie rasch und regelmässig wir den Abfall rausstellen müssen.

Do-it-yourself-Waschmittel

Lauren Singers Kübel aber bleibt leer. Die New Yorkerin studierte Umweltwissenschaften und beschloss eines Tages, das nicht nur zu lernen, sondern auch zu leben. Seit zwei Jahren produziert sie angeblich keinen Müll mehr. Sie stellt Zahnpasta und Deodorant selber her, auch Waschmittel. Um verpackte Produkte und somit Abfall zu vermeiden. Der Kompost erledigt den Rest. Menschen wie Singer lesen nicht nur von sich bildenden Plastikabfall-Inseln auf den Ozeanen, sie wollen etwas dagegen tun. Und so verkauft die New Yorkerin ihr veganes, biologisch abbaubares Waschmittel, das keine Konservierungsstoffe und Chemikalien, dafür Backpulver und Seife aus Olivenöl als Weichmacher enthält, unterdessen über ihre eigene Firma, The Simply Co.

Wenn andere in der Bar einen Drink ohne Eis bestellen, bittet Singer um einen Drink ohne Plastik-Strohhalm, weil überflüssig und umweltschädlich. Was folgt: schiefe Blicke, viele Fragen. Auch die Französin Bea Johnson kennt das: «Wir werden immer wieder angefeindet. Dann bekommen wir Dinge zu hören, wie, dass wir der nationalen Wirtschaft schaden würden, dass sie zusammenbrechen würde, wenn jeder so handelte wie wir», sagte sie gegenüber dem österreichischen Nachrichtenmagazin Profil. Johnson lebt unterdessen in Kalifornien und behauptet, mit ihrer vierköpfigen Familie pro Jahr nur einen Liter Abfall zu verursachen. Sie ist so etwas wie die Vorreiterin auf dem Gebiet Zero Waste Life, wie sich die Bewegung international nennt. Sie hat ein Buch über ihr fast abfallfreies Leben geschrieben und bloggt unter www.zerowastehome.com über ihre Erfahrungen. Die Regel, nach der Johnson lebt: 5R. Refuse, reduce, reuse, recycle und rot (zu Deutsch: ablehnen, reduzieren, wiederverwenden, wiederverwerten und verrotten).

Fleisch im Einmachglas

Natürlich entscheidet die Französin bewusster als andere, was sie überhaupt benötigt und was nicht. Ablehnen, das beginnt jedoch nicht etwa mit weniger extensiven Einkaufsbummel, nein, das fängt schon viel früher an. So rät Johnson, an Messen und Parties Werbegeschenke und Giveaways abzulehnen. Und wer nach Zero Waste Life lebt und vor einem leeren Kühlschrank steht, geht nie ohne Stoffnastücher, -servietten oder Lappen Kommissionen machen. Vorzugsweise kaufen diese Menschen auf Bauernmärkten ein und meiden herkömmliche Lebensmittelhändler. Johnson transportiert Trockenes wie Brot, Reis oder Pasta in alten Kopfkissen-Bezügen, Fleisch, Fisch, Käse oder Flüssigkeiten kommen in Einmachgläser.

Toilettenpapier ist geblieben

Die «Priesterin des abfallfreien Lebens», wie die «New York Times» Johnson bezeichnet hat, muss trotzdem Zugeständnisse machen. Sie ist aus hygienischen Gründen zum Toilettenpapier zurückgekehrt und steigt in den Flieger, weil ein Teil ihrer Familie noch immer in Frankreich lebt und das Reisen ihr Hobby geblieben ist. Ein anderes ist dafür weggefallen: Shoppingtouren. Damit spare sie nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Rund 40 Prozent, heisst es.

Andere Kosten kommen hingegen dazu, wendet Linus Grob, ehemaliges Mitglied von Oikos, der Stiftung für Ökonomie und Ökologie an der Universität St. Gallen. «Bioprodukte kosten oft mehr als normale Artikel», sagt er. Gerade bei Jüngeren könne das ein Grund sein, sich nicht auf einen solchen Lebensstil einzulassen. «Dafür sind die psychologischen Kosten bei ihnen geringer. In diesem Alter haben sich nicht schon jahrelange Verhaltensmuster eingeprägt. Es fällt leichter, zum Beispiel vom Auto auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen», sagt Grob. Zwar sei die Nachhaltigkeit «ein Trend, der gekommen ist, um zu bleiben». Der Mensch werde vermehrt mit Nachrichten über ökologische Probleme bombardiert, die das Bewusstsein für das Thema bei vielen steigern würden. «Deshalb so weit zu gehen und gar keinen Abfall mehr zu machen, das tut jedoch nur eine kleine Gruppe», sagt Grob. Er rechnet Bulk-Shopping, wie das Einkaufen von offenen Lebensmitteln mit eigenen Behältern heisst, «in den nächsten 10 bis 15 Jahren» denn auch «keine grossen Chancen» ein. Zumindest nicht bei Grossverteilern wie Migros oder Coop. Bei Coop werden Grobs Vermutungen bestätigt.

Im «Bachser Märt» in Zürich, einem Laden in der Kalkbreite hingegen, lassen sich seit August Milch, Wein, Öl, aber auch Polenta, Kaffee, Zucker, Hirse und Nüsse offen einkaufen. «Ein Testbetrieb» sei die Filiale in Zürich, sagt Mitinhaber Patrick Honauer. Die anderen vier Filialen betreibt er «normal». Wer keine Behälter oder keinen Jutesack bei sich hat, kann beides vor Ort kaufen – und dann wiederverwenden. «Manche bringen noch ihren Plastiksack mit. Unser Ziel ist es aber, dass es ganz ohne Plastik gehen wird.»

Mehr zum Thema in der gedruckten Ausgabe und im E-Paper vom 23. Januar.

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