«Mühleggli», Gonten: Hab Sonn(tag)e im Herzen

Je länger der Winter uns in seinem eisigen Griff gefangen hält, desto mehr sehnen wir uns nach dem sonnigen Süden. Nach dem Cappuccino auf der Piazza, der Pasta bei Santina, dem Zirpen der Zikaden am Abend.

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"Zu Tisch" Picto

"Zu Tisch" Picto

Je länger der Winter uns in seinem eisigen Griff gefangen hält, desto mehr sehnen wir uns nach dem sonnigen Süden. Nach dem Cappuccino auf der Piazza, der Pasta bei Santina, dem Zirpen der Zikaden am Abend. Aber einmal abgesehen davon, dass es zurzeit auch in Italien ungemütlich kalt ist – was hindert uns eigentlich daran, die schöne Angewohnheit des «pranzo della domenica» , des sonntäglichen Mittagsmahls auch hierzulande zu praktizieren? Eben.

Das heisst: Der Ort muss natürlich zuerst gefunden werden. Also eher nicht in der Stadt, wo die Strassen leer und die meisten Restaurants geschlossen sind. Sondern auf dem Land, wo nicht nur Ausflügler, sondern auch einheimische Familien sich am Sonntagmittag gerne an einen schön gedeckten Tisch setzen. Zum Beispiel im «Mühleggli» in Gonten, wo seit zwei Monaten Jacob van Seijen wirkt – ein ebenso küchenerprobter wie liebenswürdiger Holländer, der seit 19 Jahren in der Schweiz tätig ist und im «Marktplätzli» Herisau oder den Zunftstuben in Gossau zufriedene Gäste hinterlassen hat. Die ihm auch gerne nach Gonten folgen, zum Beispiel, um sein famoses Clubsandwich (21 Fr.) zu geniessen.

Für (fast) alle da

Das «Mühleggli» ist ein helles, gepflegtes Appenzeller Lokal mit einer gemütlichen Ambiance, in der man sich gleich wohl fühlt. Zu den 70 Plätzen gesellen sich im Sommer weitere 70 auf der attraktiven Aussichtsterrasse hinzu. Ausflügler und Wintersportler, das zeigt die Tageskarte, werden hier ebenso gerne gesehen wie Einheimische und Zugereiste, für die am Abend auch anspruchsvollere Gerichte angeboten werden.

Am Sonntagmittag empfiehlt es sich, von der Kleinen Karte vorerst der Suppenempfehlung zu folgen. Jacob van Seijen ist ein Suppenkoch von Gnaden! Das galt für die Ratatouillecrème-Suppe ebenso wie für die beim Abendbesuch genossene Broccolicrèmesuppe mit Sauerrahm und Currycroutons.

Schöne Abendkarte

Zum Tagesmenu für gerade einmal Franken 18.80 gehört ein saftiges Appenzeller Cordon Bleu mit Pommes frites und knackigem Gemüse. Wie sorgfältig hier gearbeitet wird, zeigt sich an der Tatsache, dass nur die Teller für die Erwachsenen, nicht aber jene für Kinder (z. B. mit einem kleinen Schnitzel und Bärlauch-Nudeln drauf) gewärmt daherkommen.

Von der Abendkarte – die wöchentlich erneuert wird – probierten wir den luftgetrockneten Reh-Rohschinken mit Spargelsalat und dann das rosagebratene Lammhüftli an Honig-Portwein-Jus mit Tessiner Rahmpolenta und Marktgemüse, beides tadellos. Und gerade mal 39 Franken teuer. Auch die auf der anderen Tischseite georderten Kartoffel-Bärlauch-Tätschli gefielen sehr (es gibt immer Vegetarisches auf der Karte). Die Weinkarte enthält übrigens zahlreiche Schweizer Gewächse zu moderaten Preisen.

Unser Eindruck: Im Mühleggli

hat der Titel «Ich fange nie mehr was an einem Sonntag an» keine Gültigkeit. Da ist ein engagierter Gastgeber und sein kleines Team fast rund um die Uhr für seine Gäste da. Gottlieb F. Höpli

Mühleggli, Gonten Hauptstrasse 83, 9108 Gonten Öffnungszeiten: durchgehend von 8.30–23.30, Oktober bis April Dienstag Ruhetag Karte: Mittagsmenu 18.80, Abend 39.–, A-la-carte-Gerichte 21.– bis 39.–

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