MONOGRAFIE: Ein Buch erzählt Adolf Dietrich

«Ein Zeichner malt» ist mehr als ein Katalog zur Ausstellung im Kunstmuseum Thurgau. Der opulente Band zeigt den Künstler vom Untersee in einem neuen Licht.

Dieter Langhart
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Die Ausstellung «Adolf Dietrich – Mondschein über dem See» macht im Kunstmuseum Thurgau sichtbar, wie er zeichnerisch vorging. (Bilder: Mareycke Frehner, PD)

Die Ausstellung «Adolf Dietrich – Mondschein über dem See» macht im Kunstmuseum Thurgau sichtbar, wie er zeichnerisch vorging. (Bilder: Mareycke Frehner, PD)

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

Zwei Jahre für ein Buch? «Wir wollten etwas Substanzielles, Essenzielles schaffen», sagte Markus Landert an der Buchvernissage von «Adolf Dietrich. Der Zeichner malt» im Kunstmuseum Thurgau. Acht Wochen nach Eröffnung der Ausstellung? Verschmerzbar angesichts der opulenten Ausstattung des Buches. Es ist auch nicht als Katalog konzipiert, sondern als eigenständige Ergänzung. «Dieses Buch ist eine Erzählung», sagt Landert. Es erzählt Adolf Dietrichs künstlerischen Werdegang. Die sechste Publikation über Adolf Dietrich in 25 Jahren? Ein aufwendiges und teures Projekt lohne sich nur dann, wenn es mehr könne als die Ausstellung.

«Dann läuft ihm die Mutter nicht weg»

Noch kein Buch sei vom Zeichner Dietrich ausgegangen, sagt Markus Landert. Adolf Dietrich habe nach Vorlagen gearbeitet, und ­genau dies zeige «Der Zeichner malt». Kein Bild ohne Vorlage: Fotos, Bücher, sehr oft Zeichnungen. Erst beim Blättern in seinen Skizzenbüchern habe sich dies gezeigt. «Adolf Dietrich hat sich eine Haltung erarbeitet, die sich in der Malerei fortsetzte. Das war bisher nicht belegbar.» Ein Buch könne dies eleganter und nachvollziehbarer aufzeigen als eine Ausstellung. Und brauche auch keinen «sexy Titel» wie «Mondschein über dem See» und keine «schönen und farbigen Bilder», die die Besucher unmittelbar ansprechen. Schlicht und sachlich also: «Der Zeichner malt».

Landert illustriert seine Ausführungen mit Projektionen, etwa den Porträts von Dietrichs Eltern. Vorzeichnungen erlaubten ihm, das Ölbild später in Ruhe fertigzustellen. Landert belegt auch die Vorgeschichte der rätselhaften Pastellzeichnung, die den Umschlag des Buches ziert: ein Knabe mit einer toten Amsel auf dem Leibchen – eine für Adolf Dietrich typische Überlagerung von Motiven. Wie der Maler sie wieder und wieder kopiert und variiert hat, weist das Buch mit zahlreichen Abbildungen und ­erklärenden Texten nach. «Das Buch ist so sinnlich wie die Originale, aber es differenziert stärker», sagt Markus Landert. Und es werde die Ausstellung überdauern, die es in dieser Art kein zweites Mal geben werde.

Mit Adolf Dietrich unterwegs im Jakobstal

«Adolf Dietrich erwanderte sich seine Motive.» So beginnt der Text «Ein Rundgang im Spätherbst», der das Buch einleitet und auch an der Buchvernissage zu hören ist. Willi Tobler, Vorstandsmitglied der Thurgauischen Kunstgesellschaft, lässt anhand von Eintragungen in einem von Dietrichs Skizzenbüchern eine solche Wanderung miterleben. «Es ist Sonntag, der 28. Oktober 1928, ein schöner Herbsttag. Der Wald ist ‹schön bunt›, und es hat ‹gute Farben›.»

Von Berlingen wandert Dietrich zum Jakobstal und weiter bis Steckborn, zeichnet hier, zeichnet da (die Vernissagenbesucher schauen mit), bis die Finger klamm werden und der Tag sich neigt und er zurück in sein Haus muss, wo die Hühner auf Futter warten.

Ein Buch ist immer Teamarbeit. Hier ganz besonders. Das betrifft den Inhalt; unter anderem hat Dorothee Messmer mitgearbeitet, die früher am Kunstmuseum Dietrichs Skizzen und Zeichnungen aufgearbeitet hat. Das betrifft ebenso die «attraktive Gestaltung, die Lust macht». Der Frauenfelder Urs Stuber hat erneut ein superbes Buch für das Kunstmuseum gestaltet, eine eigent­liche Bilderzählung geschaffen. Umgesetzt haben sie Christof Mühlemann und Wolfau-Druck. Und der Verlag Scheidegger & Spiess «wollte das Buch unbedingt haben», sagt Landert.