Mönch auf Zeit

Warum tun Sie das eigentlich? Semesterferien – endlich feiern, reisen und faulenzen. Nicht für Stefan Heinzmann: Der 25-Jährige absolviert ein Volontariat im Kloster.
Kathrin Reimann
Das Leben als Mönch kann in Einsiedeln «getestet» werden. (Bild: ky/Sigi Tischler)

Das Leben als Mönch kann in Einsiedeln «getestet» werden. (Bild: ky/Sigi Tischler)

Stefan Heinzmann, mit Ihrem Namen wären Sie eigentlich prädestiniert für eine Show-Karriere...

Stefan Heinzmann: Dazu fehlt mir ein ie im Vornamen. Stefanie Heinzmann und ich sind zwar nicht verwandt, doch ich liebe wie sie die Musik. Ich spiele leidenschaftlich gerne Schlagzeug und habe mir auch überlegt, an die Jazz-Schule zu gehen. Ich habe mich dann aber entschieden, meine Passion nicht zur meiner Profession zu machen.

Stattdessen haben Sie sich für ein Theologie-Studium entschieden.

Heinzmann: Ja, nun bin ich bereits an meinem Master in Theologie. Danach würde ich gerne den Master in Religionslehre anhängen. Ich könnte mir gut vorstellen, später an einem Gymnasium zu unterrichten und daneben in einer Pfarrei zu arbeiten.

Und Ihre Semesterferien opfern Sie nun, um ins Kloster zu gehen. Warum tun Sie das eigentlich?

Heinzmann: Es interessierte mich schon länger, wie es eigentlich ist, im Kloster zu leben. Deshalb war ich auch schon letztes Jahr als Volontär im Kloster Einsiedeln. Ich wollte betend und arbeitend meine Zeit Gott widmen und mit anderen Gottsuchenden unterwegs sein.

Andere Männer in Ihrem Alter verbringen ihre Ferien eher mit Parties oder am Strand, haben Sie nicht das Gefühl, etwas zu verpassen?

Heinzmann: Nicht im geringsten. Als Student habe ich ja lange Semesterferien, und ich war diesen Sommer schon wandern und verdiene Geld, indem ich als Ferienjob mein altes Primarschulhaus putze. Ausserdem tun mir das Eintauchen ins Klosterleben, die Stille und der Gesang mindestens so gut, wie eine Caipirinha am Strand zu trinken.

Was fasziniert Sie denn so an diesem Klosterleben?

Heinzmann: Alles, das Beten, Arbeiten und Lesen heiliger Texte hat mir sehr gut getan und mich geerdet. Die Aufgaben waren abwechslungsreich, jeder Tag war anders. Einmal habe ich Pflänzchen eingesetzt, was mir sehr Spass gemacht hat, wie die Gartenarbeit allgemein. Ein anderes Mal musste ich Schimmel aus dem Chorgestühl entfernen, das war weniger toll. Das Essen im Kloster ist auch hervorragend, und ich hatte letztes Jahr ein riesiges Schlafzimmer. Auch die Begegnungen mit den anderen Volontären, den Klostergästen und den Mönchen haben mich berührt. Die Mönche habe ich als offen, menschenfreundlich und fröhlich erlebt. Sie sind gut übers Weltgeschehen informiert und leben den Menschen zugewandt, keineswegs hinter dem Mond. Abt Martin Werlen etwa mischt sich immer wieder in aktuelle politische Themen ein, und er twittert sogar, das ist doch cool!

Könnten Sie sich vorstellen, Mönch zu werden?

Heinzmann: Im Moment ist das kein Thema. Doch ich weiss nicht, was mir das Leben alles bringen wird. Ich möchte offen sein für Gottes Wirken in meinem Leben.

Wie reagieren Ihre Freunde und Ihre Familie auf Ihre Begeisterung für das Kloster?

Heinzmann: Die wissen ja, dass ich religiös bin. Bis jetzt hat mich auf jeden Fall noch nie jemand gefragt, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Viele finden es sogar spannend, schliesslich ist das Klosterleben eine alternative Lebensform, und das ist momentan ja ziemlich in.

Das Klosterleben mag zwar eine alternative Lebensform sein, aber gerade in ist die christliche Religion bei der heutigen Jugend ja nicht…

Heinzmann: Das ist ein komplexes und vieldiskutiertes Thema. Ich glaube, dass die meisten Jungen schon nach einem Sinn im Leben suchen. Das äussert sich halt unterschiedlich. Ein Kollege befasst sich ausgiebig mit dem Buddhismus, ich setze mich mit der christlichen Tradition auseinander…

Für wen eignet sich ein Volontariat?

Heinzmann: Für weltoffene junge Männer. Man muss nicht einmal an Gott glauben. Letztes Jahr war einer dabei, der Gott für eine Projektion der Menschen hält. Doch das Beten funktioniere, so sagte er, es tue ihm gut. Das ist doch toll!

www.kloster-einsiedeln.ch/volontaire

Stefan Heinzmann aus Rain. (Bild: pd)

Stefan Heinzmann aus Rain. (Bild: pd)

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