Modi will frische Luft

Indiens Premier hat seine Landsleute aufgefordert, ihren Lebensstil zu ändern, um der dramatischen Luftverschmutzung Einhalt zu gebieten. In Delhi werden ältere Dieselfahrzeuge aus dem Verkehr gezogen.

Hilmar König
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Dicke Luft wegen zu vieler Abgase etwa aus alten Dieselmotoren: Indien erstickt im Smog. (Bild: ap/Altaf Qadri)

Dicke Luft wegen zu vieler Abgase etwa aus alten Dieselmotoren: Indien erstickt im Smog. (Bild: ap/Altaf Qadri)

«Wenn wir unseren Lebensstil nicht ändern, werden wir nicht in der Lage sein, die Umwelt zu retten.» Mit diesem Appell wollte Regierungschef Narendra Modi auf einer zweitägigen Konferenz die Umweltminister aller Bundesstaaten wachrütteln. Vergangenes Jahr noch hatte Indien die Ergebnisse einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als inkorrekt abgelehnt, die Neu-Delhi als die Metropole mit der schmutzigsten Luft weltweit ausgewiesen hatte. Die Stadt lag mit einem Jahresdurchschnitt von 153 Mikrogramm Feinstaubpartikeln pro Kubikmeter sechsmal über dem WHO-Standard.

Regierung hat Problem erkannt

Im globalen Umweltpräferenzindex nahm Indien damit Position 155 von 178 untersuchten Ländern ein. Unter den zwanzig am stärksten verschmutzten Städten der Welt waren zwölf indische. Damals hielt die Regierung das für übertrieben. Inzwischen hat sie erkannt, dass es sich um ein die Gesundheit von Millionen Bürgern gefährdendes Problem handelt. Immerhin hatten im Dezember 2014 auch indische Messungen ergeben, dass an zwanzig Tagen die Luftverschmutzung acht- bis neunmal über den Grenzwerten lag.

Überalterter Fuhrpark

2,8 Millionen der 8 Millionen in Neu-Delhi registrierten Motorräder und Autos, darunter 600 000 Dieselfahrzeuge, sind älter als 15 Jahre. Jede Nacht erreichen 80 000 meist überladene Lastwagen die Hauptstadt oder passieren sie. Täglich bringen Hunderte Busse Passagiere aus Nachbarbundesstaaten in die Metropole. Doch nicht nur der Verkehr steuert zum Smog bei, den die Medien als «Giftglocke» bezeichnen: Kraftwerke, die Industrie, das Abbrennen von Stoppelfeldern in ländlichen Gebieten, das Verbrennen von Müll und Laub sowie Sandstürme verursachen ihn mit.

Kinder sind lungenkrank

Die Auswirkungen: In Delhi sterben im Jahresdurchschnitt 3000 Bürger an den Folgen der Luftverschmutzung. 2,2 Millionen Schulkinder, so die Statistik, wachsen im Hauptstadtgebiet mit Atemwegserkrankungen und Lungenschäden auf. Laut Greenpeace zeigen in Delhis Schulen durchgeführte Erhebungen, dass Buben und Mädchen ständig inakzeptablen Luftwerten ausgesetzt seien. Es herrsche «permanenter Gesundheitsnotstand».

Das National Green Tribunal (NGT), eine Behörde mit richterlichen Befugnissen, mahnte die Regierung sowie die Verwaltung Delhis wiederholt, ernste Massnahmen zu ergreifen. Am Dienstag sprach der NGT-Vorsitzende Swatanter Kumar ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge aus, die älter als zehn Jahre sind. Und er wies die Regierung von Delhi an, fortan bei Kontrollen auf allen Einfallstrassen Alter, Gewicht und Abgaswerte von Nutzfahrzeugen zu kontrollieren, die in die Stadt wollten.

Mission «Sauberes Indien»

Premier Modi will nun im Rahmen seiner Mission «Sauberes Indien» mit einem Nationalen Luftqualitätsindex das Problem angehen. Dieser wird zunächst in Delhi, Agra, Kanpur, Lucknow, Varanasi, Faridabad, Ahmedabad, Chennai, Bengaluru und Hyderabad gemessen. Die ersten, am Montag gelieferten Werte von fünf Stationen in Delhi lagen bei «sehr schlecht». Auf der Website des Umweltministeriums können die Ergebnisse abgerufen werden. Dem ersten Schritt müssten nun strikte Massnahmen folgen, damit die Maxime von Umweltminister Prakash Javedekar – «Saubere Luft ist ein Geburtsrecht» – eines Tages Wirklichkeit werden kann.

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