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MODE SUISSE: Maurische tierische Dessins

Jungdesignerin Julia Heuer zeigt ihre Kollektion ab Donnerstag in Zürich. Früher war sie ­Textildesignerin bei der Jakob Schlaepfer AG. Eine Schildkröte gibt ihrer Mode den Namen.
Diana Hagmann-Bula
Farbenfroh und musterstark: So sieht moderne Mode aus – wenn es nach Julia Heuer geht. (Bild: PD)

Farbenfroh und musterstark: So sieht moderne Mode aus – wenn es nach Julia Heuer geht. (Bild: PD)

Diana Hagmann-Bula

In wenigen Minuten beginnt die Show. Die Näherin sitzt noch im Taxi zum Ort des grossen modischen Geschehens und vollbringt die letzten Stiche an einem Kleid. Dass die Hektik vor einer Modeschau sich so sehr zuspitzen kann, belegt der Film «Dior and I» eindrücklich.

Mit einer milden 4 in einer Skala von 1 bis 10 beschreibt Julia Heuer ihre Verfassung. Obwohl die Jungdesignerin in ein paar ­Tagen erstmals ihre Kollektion auf einem richtigen Catwalk zeigen wird – an der Mode Suisse. Was ihre Nerven schont: Die 35-Jährige orientiert sich nicht an den dringlichen Terminen im Modebusiness. Sie arbeitet nach eigenem Rhythmus, richtet sich nicht nach Jahreszeiten, nicht nach Fashion Weeks. «Ich stelle künstlerische, aussersaisonale Unikate her.»

Die Hände in den Schoss legen kann sie dennoch nicht: «Ich bestimme gerade jetzt die Looks.» Heuer denkt darüber nach, wie sie die 40 Einzelstücke ihrer ­Kollektion kombiniert, welcher Schuh, welcher Gürtel, welcher Schmuck zu welchem Kleid passt. Die Musik für die Show soll von ihrem Freund kommen, einem Musiker, der beruflich Videoclips vertont. «Wir diskutieren noch mit der Mode Suisse, ob das in ihr Konzept passt.» Auch die Models würde Heuer gerne selber casten, darf sie aber nicht. Die Verantwortlichen des Anlasses wählen die Frauen und Männer für den Catwalk aus. Ginge es nach Heuer, müssten es «klassische Schönheiten» sein, keine Ver­treter des aktuellen Modeltyps. «Die sehen zu krass aus.» Das passe nicht zu ihrer Kollektion, meint sie. «Ich greife schliesslich keine Trends auf, ich erzähle zeitlose Geschichten.»

«Einkäufer haben genug von der Fast Fashion»

Diesmal heisst die Geschichte «Timothy’s Double». Timothy, so lautet der Name der ältesten maurischen Landschildkröte. Tiere sind dennoch keine auf Heuers Kleidern zu sehen, nur Muster, die mit etwas Vorstellungskraft an Reptilien erinnern. Die Deutsche, die einst als Textildesignerin für die St. Galler Jakob Schlaepfer AG gearbeitet hat, wohnt unterdessen in Stuttgart, entwirft häufiger Mode als Dessins. 80 Prozent ihrer Arbeitszeit fliessen in ihre Kollektion, in den restlichen 20 Prozent arbeitet sie als freiberufliche Textildesignerin. Für «Timothy’s Double» liess sie sich von maurischen Mustern inspirieren, wie sie die Alhambra im südspanischen Granada zieren. Von da bis zur Landschildkröte war es nicht mehr weit. Anders als bei der Kollektion «Adobe Indigo», mit der Heuer 2015 den Schweizer Design-Preis gewonnen hat, hat sie ihre Kleider nun von Hand bemalt. Geblieben ist die Plissee-Technik: Heuer faltet den Stoff, wickelt ihn um ein Rohr, legt ihn in den Ofen. Dort nimmt er unter Hitze die gewünschte Form an, die Farbe brennt sich ein.

Wer Heuers Arbeiten und die Fotos zur neuen Kollektion betrachtet, denkt: Sie hätte ebenso gut in der Kunst landen können. Lässt sich tragen, was sie sich ausdenkt? Heuer bejaht vehement: Ihre Kundinnen seien zwischen 20 und 75 Jahre alt, würden die Kleider mit einem Wollpulli am Tag tragen, sie mit High Heels und Schmuck ausgangstauglich machen. Auch an der Fashion Week in Paris im Herbst habe sie viel Zuspruch erhalten; sie zeigte ihre Mode in einem Showroom in einer Galerie. «Die Einkäufer sind der Fast Fashion überdrüssig. Sie sind übersättigt von der Masse, überfordert vom Tempo.» Neues wie ihre Off-Season-Kollektion sei da willkommen.

Kleider kürzen nach der Probe

Verkauft werden Heuers Teile dennoch erst in einer Berliner Boutique und an privaten An­lässen, sogenannten Trunk Shows. Vielleicht ändert sich das ja nach der Mode Suisse. Ab ­Donnerstag ist im Showroom bei En Soie zu sehen, wie Heuer das Maurische für ihre Kollektion uminterpretiert hat. Am 5. Feb­ruar werden die Models die Entwürfe auf dem Löwenbräukunst-Areal in Zürich vorführen. «Ich freue mich darauf. Ein Mini-­Label vermag das sonst kaum.» Zwei Tage vorher reist sie für die Proben an. «Kleider kürzen, Hosen enger machen, dann werde auch ich nähen.» Und ihr Hektik-Faktor wird plötzlich steigen, wohl auf 10 von 10.

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