«Mittelmass genügt nicht»

Seit er Denner geführt hat, ist Philippe Gaydoul Unternehmer aus Leidenschaft. Der 43jährige Zürcher spricht über die Beziehung zu seinem Grossvater, das Unternehmertum und sein Engagement für Kinder.

Yves Hollenstein
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«Ich war zwar der Chef, aber in gewisser Weise auch nicht»: Philippe Gaydoul über seine Rolle als früherer Denner-Geschäftsführer. (Bild: pd)

«Ich war zwar der Chef, aber in gewisser Weise auch nicht»: Philippe Gaydoul über seine Rolle als früherer Denner-Geschäftsführer. (Bild: pd)

Herr Gaydoul, sind Sie medienscheu?

Philippe Gaydoul: Nein, aber ich suche den Auftritt in der Öffentlichkeit nicht. Ich bin der Meinung, dass man schon genug über mich lesen kann.

In zwei Wochen sind Sie Referent am Wirtschaftsforum in Vaduz. Welchen Bezug haben Sie zu Liechtenstein?

Gaydoul: Ich muss ehrlich zugeben, dass ich Liechtenstein bisher nur vom Auto aus kenne. Mein Grossvater Karl Schweri hingegen war seinerzeit auf Schloss Vaduz zu Besuch. Er pflegte ein freundschaftliches Verhältnis zu Fürst Hans Adam II.

Ihr Portfolio umfasst die Schuhmarke Navyboot, den Strumpfhändler Fogal, die Modemarke Jet Set und bis vor kurzem den Eishockeyclub Kloten Flyers. Wird Ihnen das nicht zu viel?

Gaydoul: Ich mag Herausforderungen, brauche das Gefühl, etwas zu bewegen. Unsere Produkte gefallen mir persönlich sehr, es macht Spass, sie weiterzuentwickeln. Stillstand ist für mich keine Option. Ich habe ein schönes Leben und bin absolut glücklich mit dem, was ich tue.

Anfang Jahr sind Sie bei Navyboot ein wenig kürzergetreten und jetzt nur noch Eigentümer und Chef. Die Leitung von Marketing und Vertrieb haben Sie abgegeben. Wurde alles doch etwas zu viel?

Gaydoul: So viele Positionen in Personalunion kann man nicht über Jahre professionell ausüben. Deshalb habe ich auch immer gesagt, dass dies eine vorübergehende Lösung sei. Auch den Chefposten werde ich nur solange halten, bis Navyboot strategisch soweit ausgerichtet ist, dass ich die operative Führung guten Gewissens abgeben kann. Da sind wir auf dem richtigen Weg.

Hat Ihnen dieses Unternehmertum Ihr verstorbener Grossvater Karl Schweri in die Wiege gelegt?

Gaydoul: Das ist bestimmt so. Ich konnte sehr viel von ihm lernen. Er war eine faszinierende Persönlichkeit, der Denner von null auf aufgebaut und zu einer gewichtigen Marke im Detailhandel geformt hatte. Er war ein Visionär und hatte das Gespür dafür, was die Menschen künftig beschäftigt. Er war auch sehr kreativ, diszipliniert und bescheiden. Ich wäre froh, es gäbe in der Schweiz mehr so engagierte und tatkräftige Unternehmer, wie es mein Grossvater war.

Mit 20 sind Sie ins Unternehmen Ihres Grossvaters eingestiegen. Wie kam das?

Gaydoul: Ich habe ihm gesagt, dass ich gerne bei ihm arbeiten würde. Er war einverstanden. Ich musste aber erst ein einjähriges Praktikum bei ihm machen. Da habe ich mich wohl nicht so schlecht angestellt, er hat mich weiter beschäftigt und entwarf einen Karriereplan für mich.

Zuvor füllten Sie als Praktikant Regale auf. Wie haben sie das empfunden?

Gaydoul: Ich hatte Freude an dieser Arbeit, kam mit vielen Menschen in Kontakt und konnte vor allem auch das Unternehmen von Grund auf kennenlernen. Für mich war sonnenklar, dass ich das Handwerk von der Pike auf erlernen muss. Zudem war es ein starkes Zeichen meines Grossvaters: Er hat deutlich gemacht, dass nicht ein jeder kommen kann und gleich einen Chefposten übernimmt.

Er hat Ihnen mit 26 die Geschäftsführung Denners übergeben. Wie war das?

Gaydoul: Das war an einem Sonntagnachmittag. Er hatte meine Mutter und mich zu sich bestellt und uns seinen Entscheid mitgeteilt, dass ich die Geschäftsführung übernehmen werde. Da gab es nichts zu diskutieren. Innert fünf Minuten war alles erledigt, und er verabschiedete sich.

Wie haben Sie sich dabei gefühlt?

Gaydoul: Das war keine leichte Kost – ich musste das erst mal verdauen. Und natürlich war ich nervös. Aber gleichzeitig war dies auch der Ritterschlag meines Grossvaters, der mir zuvor wirklich alles abverlangt hatte. Indem er mir sein Vertrauen schenkte, war für mich klar: Jetzt oder nie!

Wie gut klappte es nach der Übergabe?

Gaydoul: Alles andere als einfach. Ich war zwar der Chef, aber in gewisser Weise auch nicht, weil mein Grossvater eben doch noch sagte, wie es zu laufen hatte. Wir hatten es grosso modo gut miteinander. Aber es gab auch Momente, in denen ich den Bettel am liebsten hingeschmissen hätte. Er war zuweilen auch sehr wankelmütig. Da war es schwierig, führungstechnisch eine Linie hineinzubringen. Zudem wurde er im Alter auch nicht entscheidungsfreudiger.

Trotzdem konnten Sie den Umsatz Denners verdreifachen. 2007 aber verkauften Sie an die Migros. Wie hat die Familie diesen Entscheid aufgenommen?

Gaydoul: Es gab einige schwierige Momente in unserer Familie, doch die Öffentlichkeit und auch das Unternehmen haben davon nichts mitbekommen. Ich denke, wir haben es alle zusammen gut gemacht.

Heute sind Sie unter anderem im Modegeschäft tätig. Wie schwierig ist es dort?

Gaydoul: Es ist harte Arbeit, Tag für Tag. Der starke Franken und der Einkaufstourismus machen der ganzen Branche das Leben schwer. Die extrem hohen Temperaturen diesen Sommer haben wir auch gespürt, und der Onlinehandel zwingt uns, neue Wege zu gehen. Unsere Schuhe, Kleider, Strümpfe sind im Premiumsegment angesiedelt: Will man hier Erfolg haben, genügt es nicht, mittelmässig zu sein. Was früher reichte, funktioniert nicht mehr. Wir müssen in jeder Beziehung Vollgas geben.

Sie haben auch eine Stiftung, der jährlich ein paar Millionen Franken zur Verfügung stehen. Was tut die Fondation Gaydoul mit dem Geld?

Gaydoul: Meine Mutter und ich unterstützen damit gemeinnützige Projekte in der Schweiz. Sie widmen sich der Erforschung, dem Vorbeugen, der Diagnose, Behandlung und Heilung körperlicher oder geistiger Krankheiten von Kindern. Diese sind die schwächsten Glieder unserer Gesellschaft. Ich hatte in meinem Leben grosses Glück und fühle mich privilegiert. Deshalb möchte ich gerne etwas für jene tun, die nicht so viel Glück hatten oder haben.