Mit Strafen gegen Kilos

Neue Apps setzen auf Geldanreize beim Kampf gegen überflüssige Pfunde. Studien belegen: Mit Geld lässt sich das Konsumverhalten besser steuern.

Adrian Lobe
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Seit Aschermittwoch hat für einige die Fastenzeit begonnen. Bis Ostern wird auf das Glas Rotwein oder Süssigkeiten verzichtet, um den Körper zu entschlacken und überflüssige Pfunde loszuwerden. Doch mit den Vorsätzen ist es schnell dahin, und der Blick auf die Waage fällt häufig ernüchternd aus. Wie kann man richtig abnehmen? Klatschblätter und Ratgeber sind voll mit Diättips, doch das Patentrezept scheint es nicht zu geben.

Neueste Methoden setzen auf verhaltensökonomische Ansätze. Die Trainings-App GymPact versucht Nutzer über monetäre Anreize zum Sport zu bewegen. Die Idee: Wer regelmässig Sport treibt, bekommt einen kleinen Geldbetrag gutgeschrieben. Wer Trainingseinheiten schwänzt, muss zahlen. Die App funktioniert nach einem einfachen Prinzip. Am Anfang schliesst man einen Pakt mit der App, eine Art Trainingsplan für die Woche – zum Beispiel viermal Work-out.

Einchecken im Fitnessstudio

Wenn man ins Fitnessstudio geht, checkt man sich mit dem Smartphone ein – die App registriert dann, dass der Nutzer physisch präsent ist. Die Bedingung: Man muss mindestens 30 Minuten bleiben. Freilich kann GymPact nicht kontrollieren, ob sich der Nutzer auch wirklich auf die Geräte schwingt, aber wenn man schon mal im Studio ist, ist der Anreiz gross.

Am Sonntag folgt die Stunde der Wahrheit: Diejenigen, die sich an ihren Trainingsplan gehalten haben, erhalten eine kleine Belohnung von 30 Cent. Die Drückeberger müssen pro verpasster Einheit fünf Dollar Strafe zahlen. Das Belohnungs- und Bestrafungssystem funktioniert über eine Art Finanzumlage: Die Faulen finanzieren die Fleissigen. Geld verdienen beim Work-out? Mit GymPact kein Problem.

Zwei Harvard-Studenten

Gegründet wurde das Start-up von den beiden Harvard-Absolventen Yifan Zhang und Geoff Oberhofer, die beide Wirtschaftswissenschaften studierten. Die App ist der Renner. Mehr als eine halbe Million Mal wurde die Version auf der ganzen Welt bereits heruntergeladen.

Mit Geld lässt sich das Konsumverhalten effektiver beeinflussen. Die Wissenschafterin Emma Giles von der Newcastle University fand in einer Studie heraus, dass finanzielle Anreize doppelt so wirksam sind, Rauchgewohnheiten der Leute zu verändern. Bei Patienten, die zu einer Vorsorgeuntersuchung oder Impfung gehen sollten, stieg die Effektivität um das Eineinhalbfache. Yifan Zhangs Argument ist ein umgekehrtes: Die Angst, Geld zu verlieren – Experten sprechen von einer Risikoaversion – sei 2,5mal effektiver in der Veränderung von Verhalten als eine Belohnung. Peitsche statt Zuckerbrot also.

90 Prozent halten sich daran

Als Beleg für ihre These gereicht ihr die Tatsache, dass sich 90 Prozent der 650 000 Nutzer an ihren Trainingsplan halten. Nicht die Aussicht auf 30 Cent Gewinn ist entscheidend, sondern die einer Strafe von 5 Dollar. Für viele ist die Strafandrohung ein Motivationsschub, doch ins Training zu gehen. Lieber pumpen als zahlen. Ob das am Ende die Kilos purzeln lässt, steht auf einem anderen Tablett.