Mit Marius bis Parma

Villa Kunterbunt

Roger Berhalter
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Ich habe mir das immer ganz feierlich vorgestellt. Als wohlgeplanter Schlüsselmoment im Leben meines Kindes: Wir sitzen zusammen vor dem Plattenspieler, ich lege eine Scheibe auf und sage: «Mein Sohn, hör nun gut zu.» Und ein paar Takte später hat sich sein Leben für immer verändert, die Musik hat ihn zum Licht geführt. Ja, in etwa so.

Die Realität sieht freilich anders aus. Schalte ich meine Musik ein, schreit der Kleine nach wenigen Takten: «Aufhören!!» Er rennt zur Anlage, killt den Verstärker und ruft: «Marius!!» Dann weiss ich: Meine Beats lassen den Kleinen wieder mal kalt. Er will nicht die neusten Bässe aus London hören, sondern die neue CD von Marius und die Jagdkapelle. Statt Clubmusik gibt’s leider nur «Hirschnauzdisco».

Neulich in den Ferien dasselbe. Ich hatte mir sorgfältig eine Playlist zusammengestellt, für die siebenstündige Autofahrt nach Italien. Doch dann bestimmten die Kinder, was wir hörten: Mit Linard Bardill fuhren wir über den San Bernardino, mit der Jagdkapelle bis nach Parma, mit Pettersson und Findus ans Meer. Meine Playlist kam erst spät auf der Rückreise zum Einsatz, als die Kleinen hinten schliefen. Jetzt kann ich 20 Linard-Bardill-Lieder auswendig. Es hat mich nicht zum Licht geführt.

Roger Berhalter

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