Mit Licht statt Spritze

Die Empa und das Universitätsspital Zürich haben zusammen einen Sensor entwickelt, der den Blutzucker durch Hautkontakt misst – ohne Blutentnahme, die bei jeweils Frühgeborenen schwierig ist.

Bruno Knellwolf
Merken
Drucken
Teilen
Der Sensor «Glucolight». (Bild: Empa)

Der Sensor «Glucolight». (Bild: Empa)

Soeben ist das Kind zur Welt gekommen – Mutter und Vater, noch unter positivem Stress, interessiert vor allem, ob das Kind gesund ist. Gerade auch wenn das Baby vor dem berechneten Termin das Licht der Welt erblickt hat. Jedes zwölfte Kind in der Schweiz wird zu früh geboren. Ist dann der Blutzuckerspiegel des Babies zu tief, muss es zuerst ins Kinderspital statt nach Hause.

Tritt beim Frühchen eine Unterzuckerung auf, die länger als eine Stunde andauert, kann das zu einer Störung der Gehirnentwicklung führen. Deshalb muss der Blutzuckerspiegel der Babies regelmässig bestimmt werden. Dem Kind muss dafür regelmässig Blut entnommen werden. Bei sensiblen Frühgeburten ist eine regelmässige Blutentnahme über Stunden aber unmöglich, weil Blutverlust und Stress zu gross wären, wie Martin Wolf vom Universitätsspital Zürich in einer Empa-Mitteilung schreibt.

Das Unispital und die Empa haben deshalb den Sensor «Glucolight» entwickelt, der ohne Blutentnahme den Blutzuckerspiegel über die Haut misst. «Glucolight» funktioniert mit einer neuartigen Messtechnik. Der Sensor besteht aus mehreren Teilen: ein Mikrodialyse-Messkopf, der am Unispital Zürich entwickelt wurde, eine an der Empa entwickelte «smarte» Membran, Lichtquellen, eine Pumpe und ein Mikrofluidik-Chip mit Fluorometer, auch vom Unispital Zürich.

Die smarte Empa-Membran nutzt, dass Glukosemoleküle leicht von der Haut durch die Membran diffundieren. Für die Messung wird der Messkopf dem Baby auf die Haut geklebt und danach mit sichtbarem Licht bestrahlt. Glukosemoleküle gehen durch die Membran, werden mit Flüssigkeit gemischt und durch den Chip gepumpt. Beigemischte Enzyme lösen eine Reaktion aus, die eine Fluoreszenz bewirken, aus welcher die Glukosekonzentration errechnet und am Schluss der Blutzuckerwert des Babies berechnet werden kann.

Die Forscher haben «Glucolight» Mitte 2014 zum Patent angemeldet. Bald sind die ersten klinischen Studien am Unispital Zürich geplant. Bis «Glucolight», das auch Diabetikern helfen könnte, standardmässig eingesetzt werden kann, dürfte es aber noch einige Jahre dauern.