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«Mit einem Schuss Skurrilität»

So viel Mike Müller war selten: Morgen startet auf SRF 1 die zweite Staffel von «Der Bestatter», tags darauf sendet SRF 2 die Komödie «Dead Fucking Last». Ein Gespräch über Erfolg und Misserfolg.
Reinhold Hönle
«Ich konnte hier in der Schweiz immer tolle Sachen machen», sagt der Schauspieler Mike Müller. (Bild: Christian Lanz)

«Ich konnte hier in der Schweiz immer tolle Sachen machen», sagt der Schauspieler Mike Müller. (Bild: Christian Lanz)

Verkörpert dieser bedächtige, bodenständige, manchmal auch hölzerne Mike Müller wirklich die Schweiz?

Mike Müller: Das hat Carlos Leal in einem Interview gesagt. Ich kann das nicht beurteilen. Wenn ich im «Bestatter» den Luc Conrad spiele, habe ich nicht das Konzept einer «bedächtigen Schweiz» im Kopf. «Der Bestatter» ist eine sehr schweizerische Serie mit genügend Bodenständigkeit, aber dem Schuss Skurrilität, der ebenfalls zur Schweiz gehört und mir auch gefällt.

Besteht die Rivalität zwischen Conrad und dem Bundespolizisten Pedro Lambert also auch unter ihren Darstellern?

Müller: Überhaupt nicht! Als wir kürzlich gemeinsam zum Thema «Konkurrenz» interviewt wurden, haben wir uns sehr über unser Wiedersehen gefreut. Wir haben uns bei den Dreharbeiten auf Anhieb verstanden, gaben uns vor der Kamera jedoch gegenseitig richtig Stoff. Aber nicht in der Maske, nicht in der Garderobe und nicht beim Essen!

Welche Rolle spielt der frühere Sens Unik-Sänger und Rapper in der zweiten Staffel von «Der Bestatter», die ab morgen auf SRF 1 ausgestrahlt wird?

Müller: Er bringt einen welschen Schwung hinein, den ich neben diesem doch eher bedächtigen Bestatter als wohltuend empfinde. Sie kommen sich kriminalistisch in die Quere und im Werben um die attraktive Kommissarin Anna-Maria Giovanoli.

Was sonst ist in der zweiten Staffel anders?

Müller: Sie ist nicht «komplizierter», aber es ist mehr Fleisch am Knochen. Der eine Fall, der sich durch die ganze Staffel zieht, taucht diesmal nicht in Rückblenden auf, sondern läuft parallel zu dem abgeschlossenen Fall in den einzelnen Episoden. Das machte die Aufgabe für die Autoren Dominik Bernet, Katja Früh und Claudia Pütz anspruchsvoller. Statt nur vier hat die zweite Staffel sechs Folgen inklusive eines grossen, actiongeladenen Finales. Das kann und will man sich in Krimiserien sonst nicht leisten, weil es zu teuer ist. Die Drehbuchautoren haben ihre Möglichkeiten bei dieser letzten Episode jedoch voll ausgereizt und das ist toll.

Hat man sich von amerikanischen Serien inspirieren lassen?

Müller: Momentan kommt kein Drehbuchautor darum herum, sich mit amerikanischen und skandinavischen Serien auseinanderzusetzen. Diese Produktionen setzen den Standard, dort ist im Moment der Serienhimmel. Auch Regisseure, Schauspieler und unsere Zuschauer schauen sich das an.

Welche Krimis haben Sie geprägt?

Müller: «Ein Fall für Männdli» mit Ruedi Walter hat mir sehr gefallen, später «Miami Vice» und «Der Fahnder» mit Klaus Wennemann und Dieter Pfaff, der mit seinen klaren, auch etwas skurrilen Figuren dem «Bestatter» ähnelt. Später kam – natürlich – auch der «Tatort». Und jetzt immer wieder «Sopranos» oder «Breaking Bad». Aber alles kann man auch nicht schauen – zwischendurch lese ich auch gerne mal ein Buch.

Weshalb hat es Sie, im Gegensatz zu Carlos Leal, der in Los Angeles lebt, nie ins Ausland gezogen?

Müller: Ich konnte hier immer tolle Sachen machen. Für einzelne Koproduktionen mit der freien Theaterszene – meist als Koautor und Dramaturg – nach Deutschland zu gehen, fand ich interessant. Aber jetzt mache ich in der Schweiz so viel, dass dafür gar keine Zeit mehr bleibt.

Arbeiten Sie lieber in Mundart?

Müller: Nein, ich ziehe den Dialekt der Hochsprache überhaupt nicht vor. Obwohl ich viel auf Schweizerdeutsch schreibe, bin ich ein Verfechter der Hochsprache. Trotzdem ist das Schweizerdeutsch für mich wichtig, da ich oft über den Dialekt, das Vokabular und die Sprachmelodie meiner Figuren etwas über ihren Charakter auszusagen versuche.

Sie drehen Filme, Sie spielen in Serien mit – und Sie machen zusammen mit Viktor Giacobbo die Satiresendung «Giacobbo/Müller». Sind Sie dadurch zum Kabarettisten geworden?

Müller: Es ist nicht so, dass Viktor mich aus einem Kohlebergwerk am Südfuss des Jura herausgeholt und mich von meiner Verdingbubenexistenz erlöst hätte. Ich habe vorher schon humoristische Rollen gespielt. Die Weiterentwicklung war und ist ein kontinuierlicher Prozess. Wir Kleinkünstler sind ja eigentlich alle Autodidakten. Das hat seine Nachteile, aber auch viele Vorteile. Man muss viele Kollegen anschauen, um herauszufinden, was einem gefällt.

Ihre Auftritte neben Giacobbo im letzten Jahr erschienen mir frecher als früher. Hat der eigenständige Erfolg mit dem «Bestatter» selbstbewusster gemacht?

Müller: Wie das wahrgenommen wird, muss ich den Zuschauern überlassen. Sicher habe ich eine gewisse Entwicklung durchgemacht und viel gelernt.

Aber die zusätzliche Popularität dürfte doch beflügeln?

Müller: Sie beflügelt, aber nur innerhalb eines Projekts, wenn es weitergeführt werden kann. Ausserdem muss man Lob immer mit Bedacht geniessen, da die meisten Leute nur das Positive zu sagen wagen. Das ist dann nicht alles Realität. Es gibt immer auch Leute, die das, was ich mache, einen «Seich» finden.

Ihre Kinofilme seit «Mein Name ist Eugen» (2005) waren weder Kassenerfolge noch inhaltlich überzeugend, wobei das wohl am wenigsten an Ihrer Leistung lag…

Müller: Es lag nicht nur an mir, aber auch. «Tell» haben wir alle versiebt. «Missenmassaker» würde ich wieder machen. Manchmal kann man wirklich nicht voraussehen, weshalb etwas nicht ankommt. Die Story von «Dead Fucking Last» fand ich eigentlich gut: Drei etwas in die Jahre gekommene Velokuriere, die immer noch auf jung machen und es nochmals zeigen wollen. Am Schluss hat der Film sein Publikum aber nicht gefunden. Das muss man akzeptieren. Immerhin habe ich bei diesem Film wieder Freude am Drehen bekommen, nachdem ich lange lieber Theater gemacht hatte.

«Dead Fucking Last» wird diesen Mittwoch um 20 Uhr auf SRF 2 ausgestrahlt.

Der Bestatter und sein Gehilfe: Mike Müller und Reto Stalder. (Bild: SRF)

Der Bestatter und sein Gehilfe: Mike Müller und Reto Stalder. (Bild: SRF)

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