Mit dem Handy mitten im Salzsee

Zuerst waren da schöne Menschen, die etwas verloren, aber cool in einem riesigen Salzsee herumstanden. Später lachten, tranken, küssten und tanzten die schönen Menschen an anderen schönen Orten. Nur eines taten diese Menschen nie; telefonieren. Obwohl es genau darum ging.

Katja Fischer De Santi
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Zuerst waren da schöne Menschen, die etwas verloren, aber cool in einem riesigen Salzsee herumstanden. Später lachten, tranken, küssten und tanzten die schönen Menschen an anderen schönen Orten. Nur eines taten diese Menschen nie; telefonieren. Obwohl es genau darum ging. Schon damals vor über fünfzehn Jahren in der Salzwüste. Die coolen Menschen machten Werbung für einen Mobilfunkanbieter. Der hiess damals noch Orange und war neu in der Schweiz. Neu war auch seine Art der Werbeästhetik. Niemals hätte ein schnödes Handy die Schönheit dieser Bilder gestört. Transportiert wurde kein Produkt, sondern ein Gefühl. Ein Lifestyle. Heute machen Banken, Versicherungen, Burger-Ketten, Brauereien, und Süssgetränkehersteller auf diese Art Werbung. Es wimmelt nur so von schönen Menschen, die gerade eine gute Zeit miteinander haben. Einen Burger oder einen Versicherungsvertreter bekommt man kaum noch zu Gesicht. Stattdessen Emotionen und «positive Vibes». Nun heisst aber Orange Salt und fertig ist mit den hübschen Gesichtern. Plötzlich prangen lauter Normalos auf den Plakaten und diese tun, was Smartphone-Besitzer am liebsten tun; telefonieren, surfen. Sieht nicht wirklich sexy aus, eher etwas abschreckend. Aber es entspricht der Realität. Wer sich ein Handy-Abo kauft, landet schliesslich nicht automatisch in einer Gruppe Models in einem Salzsee. Wer ein Handy-Abo kauft, will telefonieren und surfen, auch wenn das ziemlich doof aussieht.

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