Minutenlang spazieren Bisons durchs Bild

Die Übungsanlage klingt pubertär: Man nehme alte Filme, schalte den Ton stumm und synchronisiere in Mundart einen neuen Text dazu. Das soll lustig sein? Ja, ist es. Zumindest, wenn Lara Stoll, Cyrill Oberholzer und Dominik Wolfinger es tun.

Roger Berhalter
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Lara Stoll (Bild: Screenshot)

Lara Stoll (Bild: Screenshot)

Die Übungsanlage klingt pubertär: Man nehme alte Filme, schalte den Ton stumm und synchronisiere in Mundart einen neuen Text dazu. Das soll lustig sein? Ja, ist es. Zumindest, wenn Lara Stoll, Cyrill Oberholzer und Dominik Wolfinger es tun. In der neuen, zweiten Staffel ihrer Satire-Sendung «Bild mit Ton» verpassen die drei Filmstudenten alten Streifen eine neue Tonspur, montieren Videoschnipsel dazwischen und fügen selbst gedrehte Szenen ein.

Ueli Maurer als Kampfkünstler

Das Resultat ist seit neustem online und im Schweizer Sportszene-Fernsehen zu sehen und gehört zum Bizarrsten, was in diesem Land je ausgestrahlt wurde. «Bild mit Ton» ist anarchisch, trashig und vor allem saukomisch. In «Das Haus, in dem man LSD konsumierte» (Folge 1) wird der Zombie-Klassiker «Night of the Living Dead» zum psychedelischen Trip. In «Das ultra tolerante Schwingfest 3000» (Folge 2) philosophiert Ueli Maurer als chinesischer Kampfkünstler Nonsens. Doch geht es nicht um SVP-Bashing, das wäre zu plump. So wie bei Monty Python – um einen grossen Vergleich zu bemühen – laufen die Erwartungen der Zuschauer ständig ins Leere. Einmal weiden minutenlang nur Bisons auf dem Bildschirm. «Bild mit Ton» ist unberechenbar.

Kiffen löst Denkblockaden

Mit ihrem neusten Satire-Streich hat es Lara Stoll wieder geschafft, landesweit auf sich aufmerksam zu machen. Auf allen Kanälen – gerade auch abseits etablierter Medien – wirbt die Thurgauerin derzeit für ihr neues Projekt. Erzählt von den langen Tagen und Nächten in ihrer Zürcher Wohnung, wo «Bild mit Ton» entstanden ist. Verrät, dass Kiffen manche Denkblockade lösen könne (manchmal aber auch nur den Kreativprozess stoppe). Schwärmt davon, dass Filmen nun ihr Leben sei, seit sie 2011 ein Filmstudium an der Zürcher Hochschule der Künste begann.

Vom Poetry Slam zum TV

Das mag überraschen, kennt man die 27-Jährige doch vor allem als Slam-Poetin. Ihre Dichterkarriere ist steil verlaufen; mit ihren meist lustigen und nur selten bösen Texten hat Lara Stoll sich in die Köpfe und Herzen ihrer Zuhörer gereimt. Bleibt zu hoffen, dass sie das Mikrofon nicht dauerhaft mit der Kamera tauscht. Auch wenn dabei so schön Skurriles wie «Bild mit Ton» herauskommt.

Bild mit Ton jeweils montags, 19 Uhr, Schweizer Sportszene- Fernsehen oder online: www.bildmitton.tv