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Milchkonsum ohne Bauchweh

Wer eine Laktoseintoleranz hat, muss auf Milch nicht unbedingt verzichten. Manchmal reicht es auch, weniger zu trinken. Oder man steigt auf laktosefreie Milchprodukte um, die allerdings noch teurer sind.
Andreas Lorenz-Meyer

Das Enzym Laktase kommt beim Milchtrinken zum Einsatz. Es ist dafür da, die Laktose, also den Milchzucker, in seine Bestandteile zu spalten, Glukose und Galaktose. Wird Laktase im Dünndarm jedoch nicht oder nur ungenügend produziert, gelangt der Milchzucker unverdaut in den Dickdarm.

Es treten Beschwerden auf: kolikartige Bauchschmerzen, Blähungen, Windabgang, Durchfall oder Übelkeit. 15 bis 20 Prozent der Schweizer sind betroffen. Sie haben eine Laktoseintoleranz oder Unverträglichkeit. Dass die Verbreitung etwas mit der heutigen Ernährung zu tun hat, dafür gibt es keine Hinweise, sagt Karin Stalder vom aha! Allergiezentrum Schweiz, das sich neben Allergien auch mit Intoleranzen beschäftigt.

Es kann aber sein, dass Menschen, die früher instinktiv wenig oder keine Milch konsumierten, nun Beschwerden haben, weil sie dem allgemeinen Trend folgen, mehr Milch zu sich zu nehmen. Zum Beispiel Latte Macchiato zu trinken statt schwarzen Kaffee. Treten die Probleme nach dem Konsum von Milchprodukten auf, hält Stalder eine Abklärung für sinnvoll. Zuerst prüfen Betroffene selbst, wie es ihnen ohne Milch geht. Sie ernähren sich zwei bis vier Wochen laktosefrei, um zu sehen, ob die Beschwerden dann weggehen.

Ob Laktoseintoleranz wirklich vorliegt, lässt sich mit einem H2-Atemtest beim Fachmann feststellen. Wasserstoff (H2) entsteht beim bakteriellen Abbau von Laktose im Dickdarm. Wir geben ihn beim Ausatmen ab.

Über den Tag verteilt konsumieren

Wer eine Laktoseintoleranz hat, muss seine Ernährung umstellen. Aber wie? Oft ist zu lesen, Betroffene vertragen bis zu zwölf Gramm Laktose pro Tag. Was ungefähr einem Deziliter Milch (fünf Gramm Laktose) und einem Becher Joghurt (neun Gramm) entspricht. «Die Menge ist aber individuell», betont Stalder. Insgesamt vertrage man die Laktose besser, wenn man sie über den Tag verteilt konsumiert. Ein kompletter Verzicht ist selten nötig. Und auch gar keine so gute Idee. Denn Milchkonsum hilft, unseren Eiweiss- und Calciumbedarf zu decken. Eine Besserung tritt meist schon ein, wenn man grosse Milchmengen weglässt. Ganz entspannt sein können Betroffene bei Hartkäse. Der ist durch die Reifung laktosefrei. Butter wiederum enthält nur relativ wenig Laktose.

Wer ungern auf Milchprodukte verzichtet, hat auch die Möglichkeit, auf Laktasepräparate in Tabletten- oder Pulverform zurückzugreifen. Welche sehr praktisch sind, wenn man bei Freunden isst, so Stalder. Die Präparate können Beschwerden verhindern, falls es dort Rahmsaucen oder Gratins gibt. Man muss sich damit auch nicht immer als laktoseintolerant outen. Die Dosierung sollte jeder selber austesten, weil diese von der Restaktivität des Enzyms Laktase im Dünndarm abhängt.

Laktosefreie Milch schmeckt süsser

Der Lebensmittelmarkt stellt sich mehr und mehr auf die Laktoseintoleranten ein. Es gibt eine Menge laktosefreier Milchprodukte. Nicht nur Vollmilch, sondern auch Frischkäse, Mozzarella, Glace und so weiter. Bei der Herstellung ist der Milchzucker in seine Ausgangszucker aufgespalten worden. Wegen des gesonderten Verfahrens sind die Produkte etwas teurer. Laktosefreie Milch schmeckt auch süsser.

Das Geschäft läuft gut. Laut Forschungsinstitut Nielsen hat die verkaufte Menge an laktosefreier Milch in der Schweiz beim Privatkonsum deutlich zugenommen. 2015 wurden rund 14,4 Millionen Kilogramm Spezialmilch verkauft (siehe Grafik). Das Migros-Sortiment umfasst 118 Speziallebensmittel, die unter dem Label aha! zusammengefasst sind. Der Detailhändler kooperiert mit dem Allergiezentrum. Zu den Spezialprodukten gehören 93 laktosefreie. Der Umsatz der gesamten aha!-Sparte wuchs im letzten Jahr um 20 Prozent auf 70 Millionen Franken.

Coop veröffentlichte jetzt eine Studie zu Lebensmittel-Unverträglichkeiten. 1500 Personen wurden befragt. Fünf Prozent haben eine diagnostizierte Unverträglichkeit gegenüber Laktose. Elf Prozent sind durch Angehörige «fremdbetroffen». Und 18 Prozent gehören zu den Affinen, die sich gesundheitlich einfach besser fühlen, wenn sie auf Milchzucker verzichten. Im ganzen Coop-Angebot befinden sich aktuell unter dem Label Free From 81 laktosefreie Produkte.

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