«Mich drängt ein missionarischer Eifer»

Erich von Däniken ist heute 80 Jahre alt. Der Bestsellerautor über das, was Moses seinerzeit wirklich widerfahren ist, die Gründe für den Erfolg seiner Bücher, über sein heutiges Verhältnis zu Gott und die Hoffnung auf ein neues Abenteuer nach dem Tod.

Richard Clavadetscher
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Herr von Däniken, Sie sind nun 80 Jahre alt – und rauchen immer noch. Es muss Ihnen also gesundheitlich gut gehen.

Erich von Däniken: Ich bin ja nicht der einzige alte Herr, der raucht. Denken Sie an Helmut Schmidt, früher deutscher Bundeskanzler! Der ist inzwischen 96 Jahre alt und qualmt noch immer. Denken Sie auch an Albert Einstein und den Philosophen Ernst Bloch – alle vernünftigen Leute haben geraucht!

Das wichtigste Organ eines Autors ist das Gehirn. Auch da alles bestens, keine Erinnerungslücken, nichts?

von Däniken: Nein, und dafür bin ich dankbar. Vielen Menschen in meinem Alter geht es diesbezüglich schlechter. Wenn ich an Alzheimer denke und all die Krankheiten, die einen treffen können! Mein Gehirn funktioniert tadellos.

Sie schreiben seit rund fünf Jahrzehnten. Und Ihr nächstes Buch soll im Herbst erscheinen. Worum geht es diesmal?

von Däniken: Für dieses neuste Buch habe ich erst einen Arbeitstitel, und der lautet: Geschichten hinter den Geschichten. Ich bekam in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Hilfe, und zwar oft auch von Akademikern, von gescheiten Leuten also. Ich habe mich dann jeweils bedankt und sagte, dass ich es gerne veröffentlichen – und natürlich die Quelle nennen – wolle. Genau dies aber wollten diese Leute nicht – unter gar keinen Umständen. Sie sagten, sie würden sonst von ihren Kollegen verlacht. Nun aber will ich das alles einmal veröffentlichen: Wer mir geholfen hat, wer mir was erzählte. Es hat auch köstliche Geschichten darunter.

Bekannt geworden sind Sie 1968 gleich mit Ihrem Erstling «Erinnerungen an die Zukunft». Damit setzten Sie Massstäbe: Das Buch erschien im Februar – und bis Ende Jahr verkaufte es sich 125 000mal. Ein sensationeller Erfolg für ein Sachbuch damals. Haben Sie eine Erklärung dafür?

von Däniken: Sehen Sie, wir alle – ob nun Christen oder Moslems oder Angehörige der jüdischen Gemeinschaft – wir alle sind in einer Religion aufgewachsen. Und der Ursprung dieser Religionen ist immer derselbe: Es ging um Moses, um Abraham et cetera. Nun kommt da einer und greift diese alten Geschichten wieder auf – gibt ihnen aber eine neue, eine moderne Erklärung dafür. Darin liegt eine Faszination, ein Aha-Erlebnis: «Aha, so kann man das auch sehen!» Das war ein Grund meines Erfolgs. Dann sicher auch meine Schreibe: Ich habe nie wissenschaftlich geschrieben, sondern populär.

Es gibt Leute, die das so erklären: Mit der Betonung von Zukunft und Astronautik habe Ihr Buch bestens in die fortschrittsgläubigen Sechzigerjahre gepasst. Diese Erklärung wird Sie nicht zufriedenstellen.

von Däniken: Nein, das tut sie nicht. Den Titel «Erinnerungen an die Zukunft» habe ich seinerzeit selbst gewählt. Nun kann sich ein Mensch natürlich nicht an die Zukunft erinnern, sondern immer nur an die Vergangenheit. Mein Verleger hat versucht, mir den Titel auszureden. Doch ich blieb stur. Es ist ein provokativer Titel: Wer hat schon Erinnerungen an die Zukunft!

Sie haben inzwischen zahlreiche Bücher geschrieben, deren Gesamtauflage sich den 70 Millionen nähert. Gibt es ein Erfolgsrezept – oder ist es einfach das Thema, Ihr Thema, das ohne grosses Zutun zieht?

von Däniken: Ich denke schon, dass es das Thema ist. Ich bin damit ja längst bekannt – und nicht etwa als Ufologe. UFOs sind ein Gegenwartsproblem. Ich aber habe die Ausserirdischen in der tiefen Vergangenheit angesiedelt. Aber es ist sicher auch die Schreibe. Ich habe das Glück gehabt, viele hochintelligente Leute kennenzulernen – auch Wissenschafter, die selber Bücher schrieben. Sie schrieben Brisantes – wurden aber kaum zur Kenntnis genommen, weil sie langweilig schrieben.

Dass Ausserirdische unsere Welt besuchten, gilt für Sie als ausgemacht. Was deutet im grossen Ganzen gesagt darauf hin?

von Däniken: In der Antike sind es definitiv die heiligen Schriften. Jeder kennt die Bibel. Bevor der Herr auf dem heiligen Berg auf Moses hernieder fährt, befiehlt er ihm, er solle einen Zaun um den Berg herum bauen – damit das Volk nicht hereinbreche, denn sonst würde es vernichtet. Moses tat wie geheissen, die Israeliten blieben in sicherer Distanz. Der Herr aber fährt hernieder mit Rauch, Feuer, Beben, Lärm. Der Berg erzittert; es ist wie im Schmelzofen. Nun sagt die Theologie, dass der liebe Gott mit seinem Thronwagen hernieder fuhr, sei eine Vision gewesen. Der Erich von Däniken nimmt dieselbe Bibelpassage und sagt: Nein! Gott braucht kein Fahrzeug, das raucht und bebt und stinkt und den Berg in einen Glutofen verwandelt! Da ist etwas anderes passiert.

Als wir uns auf dieses Interview vorbereitet haben, stellten wir fest, dass es einfach ist, Sie in Rage zu bringen: Man muss Ihren Theorien einfach die Seriosität absprechen. Als Autor mit fast 70 Millionen verkauften Büchern könnten Sie doch mit einem Achselzucken darüber hinwegsehen. Warum tun Sie das nicht?

von Däniken: Mich drängt ein missionarischer Eifer – aber ohne jede Rechthaberei. Am Ende meiner Vorträge sage ich immer: Verehrte Gäste, bitte glauben Sie nichts! Ich werde mich im Grab umdrehen, wenn irgendwelche Spinner mit meinen Gedanken eine Sekte gründen! Das ist das Hinterletzte, was ich möchte. Ich möchte stattdessen, dass man darüber nachdenkt und darüber diskutiert. Das ist mein Ziel.

Ist es nicht normal, dass Sie Befürworter und Gegner haben? Ist es mit Ihren Theorien nicht wie mit den Religionen: Menschen stossen auf Dinge, die für sie Beleg für die Existenz Gottes sind – die Natur etwa –, während andere profanere Erklärungen dafür haben?

von Däniken: Das ist zweifellos so. Wenn nun einer wie ich mit einer verrückten Idee kommt, soll er ja nicht glauben, die Welt, die Wissenschaft freue sich darüber, klopfe ihm auf die Schulter und gratuliere. Dass es Widerstand dagegen gibt, ist normal. Es gibt ja auch Menschen, die finden den Herrn Blocher einen wunderbaren Mann – und andere finden das Gegenteil. Mit dem Erich von Däniken ist es nicht anders. Ich habe aber festgestellt: Immer wenn man miteinander spricht, wenn jemand einen Vortrag von mir gehört hat, ein Buch gelesen hat, sieht eine Person das etwas differenzierter.

Sie sind überzeugt, dass da Extraterrestrische von hoher Intelligenz existieren und unsere Welt besuchten. Welche Auswirkungen hatte und hat dies darauf, wie Sie Ihr Leben lebten und leben?

von Däniken: Alltag bleibt Alltag; man muss arbeiten, Geld verdienen, Rechnungen bezahlen. Die geistige Welt aber verändert sich. Ich bin etwa das Gegenteil eines Rassisten – aus gutem Grund: Nehmen Sie an, Ausserirdische würden heute erneut auftauchen und die Menschheit würde sich dadurch bewusst, dass da etwas existiert, das grösser und mächtiger ist als wir. Da spielte keine Rolle mehr, ob jemand weiss oder schwarz oder gelb oder grün, ob jemand Christ oder Moslem oder weiss ich was ist. Wir alle würden begreifen, dass wir Teil dieses kleinen Globus sind – und da ist noch etwas anderes. Es verändert also die Einstellung. Und es verändert die Einstellung gegenüber der Religion. Früher war ich gläubiger Katholik, glaubte an die Muttergottes, an Jesus. Heute bin ich ein tief gottgläubiger Mensch, der nach wie vor betet – aber nicht mehr im Sinne meiner christlichen Erziehung.

Dass uns Wesen von ausserhalb der Erde besuchen, könnte doch auch ängstigen. Sie machen keinen verängstigten Eindruck.

von Däniken: In der Vergangenheit haben die Ausserirdischen, die sogenannten Götter, der Menschheit immer geholfen, waren sie immer Lehrmeister. Nehmen Sie, wen Sie wollen: Herodot, Plutarch, andere mehr: Alle sie schrieben von Göttern, die hernieder kamen und die Menschen unterwiesen – ihnen also halfen.

Hat das Wissen um die Existenz extraterrestrischer Intelligenz irgendwelche Auswirkungen für Sie im Hinblick auf das Sterben und den Tod?

von Däniken: Nein, hat es nicht. Ich weiss nicht, ob es nach dem Tod weitergeht. Ich wünsche es mir jedoch – ohne einen Beweis dafür zu haben. Ich hoffe aber, der Tod sei der Beginn für ein neues Abenteuer.

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