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METEOROLOGEN WARNEN: STURM HARVEY WÜTET WEITER: Houston versinkt in den Wassermassen

Nichts geht mehr in Houston, der viertgrössten Stadt Amerikas. Der tropische Sturm hat in der Millionenmetropole zu derart weitflächigen Überschwemmungen geführt, dass Hunderttausende von Menschen festsitzen.
Renzo Ruf, Washington
Land unter im Süden der USA: Strassen stehen meterhoch unter Wasser, viele Häuser sind unbewohnbar. (Bilder: Keystone (Houston, 27./28. August 2017))

Land unter im Süden der USA: Strassen stehen meterhoch unter Wasser, viele Häuser sind unbewohnbar. (Bilder: Keystone (Houston, 27./28. August 2017))

Renzo Ruf, Washington

Irgendwann stellte Darby Douglas am Montagmorgen auf dem Fernsehsender «KHOU» in Houston die Frage, die derzeit wohl alle Bewohnerinnen und Bewohner der Millionenmetropole im Süden von Texas beschäftigt. «Wann wird die Sturmperiode eigentlich zu Ende sein?» Die Antwort, die der altgediente Staureporter sich gleich selbst gab, während sein Sender Bilder der überschwemmten Grossstadt zeigte: «Vielleicht am Mittwoch, vielleicht am Donnerstag, vielleicht am Freitag.»

Tatsächlich wird der tropische Sturm «Harvey», der in der Nacht auf den Samstag im Süden von Texas in Hurrikanstärke an Land trat, zwischen Corpus Christi (Texas) im Westen und New Orleans (Louisiana) im Osten noch lange für missliche Umstände und geschlossene Strassen, Supermärkte, Bürogebäude, Schulen, Flughäfen und Industriebetriebe sorgen. Houston ist eines der Zentren der amerikanischen Energieindustrie und Standort der grössten Erdölraffinerien in den USA.

«Jeder, der ein Boot besitzt und uns helfen kann, soll sich melden.»

Meteorologen sagten am Montag zwar, dass die kommenden Regenfälle weniger stark ausfallen könnten, als noch am Wochenende prognostiziert. Aber die Wetterfrösche des nationalen Hurrikan-Zentrums NHC (National Hurricane Center) sprachen weiterhin von «katastrophalen» Überschwemmungen entlang der Küsten von Texas und Louisiana. «Harvey» werde schlicht und einfach sämtliche Niederschlagsrekorde brechen. Und obwohl es lebensgefährlich war, sich auf den bereits überschwemmten Strassen zu bewegen, waren Tausende von Rettungskräfte unterwegs, um betroffenen Menschen beizustehen. Die Stadtpolizei von Houston verbreitete den unkonventionellen Aufruf: «Jeder, der ein Boot besitzt und uns helfen kann, soll sich melden.» Unterstützt wurden die lokalen Rettungskräfte von gegen 1800 Abgesandten der bundesstaatlichen Katastrophenbehörde Fema (Federal Emergency Management Agency).

Präsident Donald Trump und Vizepräsident Mike Pence versicherten in Washington, dass die Bundesregierung alles in ihren Kräften Stehende tun werde, um die dramatische Lage unter Kontrolle zu bringen. Der Präsident will heute Dienstag, zusammen mit First Lady Melania Trump, nach Corpus Christi reisen, um sich ein Bild der Rettungsarbeiten zu verschaffen – allerdings hiess es vorerst aus dem Weissen Haus, dass die Trumps aufgrund der katastrophalen Lage einen weiten Bogen um Houston machten, damit die Rettungsarbeiten nicht behindert würden.

Derweil versuchte Houstons Stadtpräsident Sylvester Turner, die Bevölkerung auf die kommenden Aufräumarbeiten einzustimmen, die sich wochenlang hinziehen könnten. «Wir fühlen mit Ihnen», sagte der Demokrat, «und werden alles tun, um zu helfen.» Aber natürlich werde es sehr lange dauern, bis sich das Leben in Amerikas viertgrösster Stadt wieder normalisiere, sagte der Stadtpräsident an einer Pressekonferenz. Turner – der sich seit Anfang Januar 2016 im Amt befindet – steht in der Kritik, weil er vorige Woche darauf verzichtet hatte, eine Evakuierungsorder für die Stadt Houston auszugeben. Explizit schlug der Stadtpräsident damit die Ratschläge des texanischen Gouverneurs Greg Abbott in den Wind, der noch am Freitag gesagt hatte: «Wenn man abwartet, um herauszufinden, wie schlimm die Lage ist, dann wird man wahrscheinlich herausfinden, dass es zu spät ist, um zu evakuieren.» Abbott ist ein Republikaner, so wie die gesamte Regierungsspitze des Bundesstaates Texas; seit 1984, nach einem tragischen Unfall, ist er querschnittgelähmt und zeigt immer wieder eine besondere Empfindlichkeit für behinderte und ältere Menschen. Am Montag betonte der Gouverneur zwar während eines Auftrittes auf dem Nachrichtensender CNN, dass es wenig sinnvoll sei, die Debatte über obligatorische Evakuationen weiterzuführen – nun gehe es vor allem darum, die Rettungsarbeiten weiterzuführen. Stadtpräsident Turner sah sich aber gezwungen, seine Entscheidung an einer Pressekonferenz zu verteidigen. Er sagte, einmal mehr: Es sei «schwierig», ein Ballungsraum mit 6,5 Millionen Menschen zu räumen. Deshalb habe er sich nach Rücksprache mit dem Verantwortlichen des Bezirkes Harris County, zu dem auch Houston gehört, gegen die Ausgabe eines solches Befehls entschieden. «Wir waren der Meinung, dass es am besten wäre, wenn alle Menschen zu Hause bleiben würden.» Houston verzichtete auch am Montag darauf, betroffene Viertel zu evakuieren. In der Umgebung der Grossstadt kam es allerdings zu Zwangsevakuierungen.

Evakuierungsorder haben in der Vergangenheit für Chaos gesorgt

Auch wies Sylvester Turner darauf hin, dass die letzte Massenräumung von Houston nicht als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden könne. In der Tat entschieden die Stadtbehörden im Jahr 2005, nach dem Hurrikan Katrina, aber vor dem Hurrikan Rita, eine obligatorische Evakuierungsorder auszugeben. 2,5 Millionen Menschen flüchteten in der Folge, mussten aber alsbald einsehen, dass die Autobahnen und Überlandstrassen komplett verstopft waren. Mehr als 100 Menschen starben in den gigantischen Verkehrsstaus, weil sie in Unfälle verwickelt waren oder einen Hitzeschlag erlitten. Solch «chaotische» Zustände habe man der betroffenen Bevölkerung nicht noch einmal zumuten wollen, sagte Stadtpräsident Turner.

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