Metall für die Liebe

Valentinstag Paare auf Städtereise bringen heute vielleicht ein Vorhängeschloss an einem Geländer an, um die Liebe zu besiegeln: So ist die Hohenzollernbrücke in Köln zur Attraktion geworden – und nicht nur sie. Dietmar Scherf

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Auf der Hohenzollernbrücke in Köln: Das Schloss hängt, der Schlüssel liegt im Wasser. Fehlt nur noch der Kuss. (Bild: Dietmar Scherf)

Auf der Hohenzollernbrücke in Köln: Das Schloss hängt, der Schlüssel liegt im Wasser. Fehlt nur noch der Kuss. (Bild: Dietmar Scherf)

«Du und ich für immer», «Dreimal um die Sonne und fünfmal um den Mond»: Solche und andere Formeln für die Ewigkeit stehen auf den Vorhängeschlösser geschrieben. Das Gitter zwischen dem Fussweg und den Schienen der Hohenzollernbrücke in Köln ist kaum noch zu erkennen. Es gleicht einem bunten Relief, blinkt und glitzert in Rosa, Rot, Orange, Lila, Grün und Blau. Vornamen oder Initialen samt Datum sind auf den Schlössern zu lesen, manchmal haben die Verliebten ihre Namen eingeritzt oder eingraviert. Auch Herzen und Kussmünder zieren die Schlösser.

«Romantisch, sehr romantisch»

Katrin und Kevin wollen ein goldenes Vorhängeschloss mit der Inschrift «K&K4ever» (für: Katrin und Kevin für immer) an der Hohenzollernbrücke anbringen. Nach langem Suchen finden sie eine freie Stelle neben dem Aushang von «Spatzi & Schatzi». Es macht «Klick» und schon wirft Katrin den Schlüssel in hohem Bogen über die Schulter in den Rhein. «Romantisch, sehr romantisch», sagt die 19 Jahre alte Studentin aus Aachen und küsst ihren sieben Jahre älteren Freund auf den Mund, «niemand wird das Schloss je wieder öffnen können.» Hand in Hand schauen sie dem Schlüssel nach, während die Sonne glutrot im Fluss versinkt.

Für das Stadtmarketing Köln war es ein Glück, dass die Bahn als Brückenbesitzerin nur kurz murrte und die Pärchen dann gewähren liess. Manche von ihnen kommen zwei- oder dreimal zurück, um zu schauen, ob ihr Schloss noch da ist – und bauen die «Inspektion» nicht selten zu einem verlängerten Liebeswochenende aus. Dagmar Hänel und Mirko Uhlig vom Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn sind der Geschichte und der Bedeutung der rituellen Geste nachgegangen. Vor allem junge Menschen würden an «Orten des Übergangs» den Wunsch nach Beständigkeit ihrer Beziehung demonstrieren, sagen Hänel und Uhlig. «Du bist eingeschlossen / in meinem Herzen, / verloren ist das Schlüsselchen», heisst es schon in einem Minnelied aus dem 12. Jahrhundert. Schloss und Schlüssel seien Symbol «des Ineinander- und Zueinanderpassens», resümieren Hänel und Uhlig – und attestieren dem Ritual auch eine durchaus erotische Komponente.

Rom bleibt hart

Während Köln sich nicht an Paaren störte, die Liebesschlösser anbringen, zeigte die Stadtverwaltung Lübeck anfangs wenig Herz für die eisernen Treueschwüre und schickte Arbeiter mit Bolzenschneidern zur Obertrave-Brücke. Das löste einen Proteststurm aus, dem die Verantwortlichen nur mit einer Kehrtwende entkamen. Jetzt sind Liebesschlösser auf der «Lübecker Liebesbrücke» nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Zur Weihnachtszeit ordnete man sogar per Schild unter einem Mistelzweig am Brückenzugang an: «Hier küssen!»

In Rom bleibt der Bürgermeister aber hart. Nachdem auf der Milvischen Brücke eine Laterne unter der Last der Liebesschlösser umgeknickt war, liess er die Anhängsel wegschneiden. Dabei soll die Tiber-Brücke bezüglich Liebesschlösser eine wichtige Rolle spielen. In Federico Moccias Jugendroman «Ich steh auf dich» aus dem Jahr 2006 und einem dazugehörenden Video klemmen zwei junge Verliebte ein Vorhängeschloss an eine Laterne auf der Ponte Milvio und schleudern den Schlüssel in den Tiber mit dem Ausruf «Für immer!». Massenweise Verliebte ahmten das nach, bis die Behörden einschritten. Noch strikter ist Venedig: Wer dort ein Liebesschloss befestigt, riskiert eine Strafe von 3000 Euro.

Mann mit Ersatzschlüssel

In Paris, der Stadt der Liebe, sind die Schlösser hingegen erlaubt. Die bedeutungsvollen Metallteile überziehen die Geländer mehrerer Seine-Übergänge, vor allem die Pont des Arts am Louvre (früher Palais des Arts). In Moskau klicken Frischverheiratete auf der Luzhkov-Brücke Schlösser an «Bäume der Liebe». Auch beim N Seoul Tower in Seoul, der Hauptstadt Südkoreas, tragen (künstliche) Bäume Tausende der Zeichen ewiger Verbundenheit.

Echte Bäume bleiben vom neumodischen Ritual verschont. Denn wer ritzt heute noch Initialen mit Herzchen in Rinde? Ob ein Liebesschwur mit Schloss allerdings länger hält als eine Bauminschrift, ist ungewiss – zumal das mit der Ewigkeit nicht allen Liebenden ganz geheuer zu sein scheint. An einigen Brücken hängen Zahlenschlösser, die sich notfalls öffnen liessen. Und es sollen auch schon «Traummänner» beobachtet worden sein, die einen Ersatzschlüssel in der Hosentasche verschwinden liessen, während die Partnerin den vermeintlich einzigen Schlüssel zum ewigen Liebesglück in den Fluten versenkte.

Name, Datum – und ein Herz. (Bild: Dietmar Scherf)

Name, Datum – und ein Herz. (Bild: Dietmar Scherf)