MESSERATTACKE: Konstanzer Tötungsdelikt: Hauptverdächtiger ist vorbestraft

Nach der Konstanzer Shisha-Bar-Messerattacke, bei der ein 19-Jähriger Schweizer am letzten Wochenende starb, ist ein 17-Jähriger in Untersuchungshaft genommen worden. Er soll einer kriminellen Jugendbande angehören und bereits einmal wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden sein.

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In der Sonderkommission zum Tötungsdelikt in Konstanz ermittelten zeitweise bis zu 50 Beamte. (Bild: Keystone/Symbolbild)

In der Sonderkommission zum Tötungsdelikt in Konstanz ermittelten zeitweise bis zu 50 Beamte. (Bild: Keystone/Symbolbild)

Der gewaltsame Tod eines Schaffhausers vor einer Shisha-Bar in Konstanz bewegt in der ganzen Region und die 50-köpfige Sonderkommission ist auch nach den ersten Fahndungserfolgen nicht aufgelöst. "Noch fehlen wichtige Puzzleteile", sagt Andreas Mathy, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, gegenüber dem "Südkurier".

Kriminelle Jugendbande
Die Bande jugendlicher Krimineller, gegen die vor einigen Jahren die eigens gegründete Ermittlungsgruppe Berchen eingesetzt worden sei, dürfte dabei im Fokus der Behörden bleiben. "Der 17-jährige mutmassliche Haupttäter gehörte zu dieser Bande", bestätigt Staatsanwalt Mathy. Im Juli 2016 hätten seine Kollegen Klage gegen den Jugendlichen erhoben. Der Vorwurf damals: Gefährliche Körperverletzung. Die Freiheitsstrafe sei zur Bewährung ausgesetzt worden.

Nur ein Dreivierteljahr später nun soll der 17-Jährige Sony S. mit einem einzigen Stich getötet haben. Das ist der Stand der Ermittlungen. Wo genau der 17-Jährige festgenommen wurde, gibt die Staatsanwaltschaft gemäss "Südkurier" nicht bekannt. Nur so viel: Es war in einer Wohnung im Konstanzer Stadtgebiet.

Körperverletzung, Diebstahl, Raub
Seit Herbst 2014 seien bei der Polizei immer mehr Hinweise auf die etwa zehnköpfige Gruppe Jugendlicher eingegangen. Im Jahr 2015 habe die Jugendbande dann vermehrt für Schlagzeilen gesorgt. Vor dem Amtsgericht hätten denn auch mehrere Prozesse mit Urteilen geendet: Körperverletzung, Diebstahl, Raub und Einschüchterung von Zeugen lauteten die Tatvorwürfe.

Um das Problem in den Griff zu bekommen seien zwei 14-Jährige, welche die Polizei als "besonders auffällig" beschrieb, zeitweise sogar in Haft gesetzt worden. Nach Polizeiangaben von damals wurden Schulen und Sozialarbeiter eingebunden. Ob der Tatverdächtige vom Samstag zu ihnen gehört, ist gemäss "Südkurier" nicht gesichert.

"Niemanden angetanzt“
Unklar bleibt, weshalb Sony S. und seine Kollegen mit der Gruppe des 17-Jährigen und des ebenfalls festgenommenen 21-jährigen Syrers in Streit gerieten. Auch die Cousine des Opfers, die Sony S. in der Tatnacht nach Konstanz begleitete und die Auseinandersetzung miterlebte, äussert sich gegenüber des "Südkurier", dass sie sich das Geschehene nicht erklären könne. Die 23 Jahre alte Frau wohnt ebenfalls in Schaffhausen. Sie sei zusammen mit dem späteren Opfer, seiner Freundin sowie einem Kollegen gegen 0.30 Uhr in die Shisha-Bar im Konstanzer Industriegebiet gekommen, berichtet sie. "Wir hatten einen schönen Abend und keinerlei Probleme mit anderen Gästen. Sony hat auch niemanden angetanzt“, lässt sie sich im "Südkurier " zitieren. Diese Darstellung wird von der Staatsanwaltschaft und der Polizei Konstanz in ihrer gemeinsamen Pressemitteilung einige Stunden später bestätigt.

Zu Herkunft, Wohnort und Alter der drei jungen Männer, die die Polizei festgenommen hatte und dann wieder gehen liess, gibt es keine Angaben. Bei der Ermittlung des 17-jährigen Hauptverdächtigen und seines 21-jährigen Mittäters seien die Videos der Überwachungskameras laut Staatsanwaltschaft hilfreich gewesen. (red.)