MENSCHENRECHTE: Einsatz für die Schwachen

Der Alternative Nobelpreis ehrt in diesem Jahr unermüdliche Kämpfer für die Schwächsten in der Gesellschaft.

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Der indische Menschenrechtsanwalt Colin Gonsalves bekommt den Preis, weil er seit drei Jahrzehnten moderne Sklaven, Slumbewohner, Frauen und Arme verteidigt. Sein Menschenrechtsnetzwerk HRLN erstritt unter anderem ein «Recht auf Nahrung», wie die Right-Livelihood- Award-Stiftung in Stockholm mitteilte. Dies ermöglichte ­kostenloses Schulmittagessen und eine Subventionierung von ­Getreide für 400 Millionen arme ­Inder. Der 1952 geborene Inder gilt als einer der erfolgreichsten Menschenrechtsanwälte. Gonsalves und sein Netzwerk erreichten auch, dass private Krankenhäuser Opfer von Säureattacken kostenlos behandeln müssen.

Eine der je mit rund 105000 Euro dotierten Auszeichnungen geht zudem an die Äthiopierin Yetnebersh Nigussie. Die 35-jährige Rechtsanwältin setzt sich in ihrer Heimat Äthiopien, aber auch weit darüber hinaus für die Rechte von Behinderten und deren Bildung ein. Sie ist selbst seit ihrem sechsten Lebensjahr blind. Dadurch entkam sie laut Right-Livelihood-Stiftung einer frühen Heirat und konnte auf eine Blindenschule gehen.

Journalistin trotzt Repressionen

Weiter wurde die investigative Journalistin Khadija Ismayilova aus Aserbaidschan ausgezeichnet. Für die 41 Jahre alte Journalistin gibt es bei ihren Recherchen im autoritär geführten Aserbaidschan kein Tabuthema. Sie deckte auf, wie sich die Familie von Präsident Ilham Aliyev in der öl- und gasreichen Ex-Sowjetrepu­blik bereicherte. Oft wurde Ismayilova die Arbeit erschwert. Sie wurde mit der Veröffentlichung von Sexvideos erpresst und 2014 festgenommen. Wegen Steuerhinterziehung wurde sie zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, nach einiger Zeit aber auf Bewährung freigelassen. Diese Einschüchterungen seien kein Einzelfall, sagte sie später. In der «Süddeutschen Zeitung» schrieb sie Anfang September: «Das Entführen und Zusammenschlagen von Journalisten ist in Aserbaidschan zur Routine geworden.»

Den undotierten Ehrenpreis erhält der amerikanische Umweltrechtler Robert Bilott. Der Anwalt habe mit seiner Tätigkeit jahrzehntelange Umweltverschmutzung durch die Chemieindustrie ans Licht gebracht, begründete die Stiftung die Preisvergabe. Anfang des Jahres hatte Bilott in einem fast zwei Jahrzehnte andauernden Rechtsstreit mit dem US-Chemiekonzern DuPont den Sieg davongetragen.

Er hatte rund 70000 US-Bürger vertreten, deren Trinkwasser mit Perfluoroctansäure (Pfoa) belastet war. Die Substanz kann zu Atembeschwerden und Krebserkrankungen führen. Bilott erstritt nicht nur eine Entschädigung für seine Mandanten, sondern drängt seitdem auch auf eine bessere Regulierung giftiger Chemikalien.

Der Fall brachte laut Right-Livelihood-Stiftung zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse über Pfoa und führte letztlich dazu, dass die Produktion der gesundheitsschädlichen Chemikalie weltweit nach und nach eingestellt wird. (sda)