Melancholisch auf dem Heimweg

Wir sehen uns immer im November. Wir haben das gleiche Fach studiert – Geschichte – und uns damals, in der Zeit nach der 68er-Bewegung, auch oft sehr kritisch mit unseren Professoren auseinandergesetzt. Wir haben gelernt, für den künftigen Beruf und fürs Leben.

Rolf App
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Rolf App)

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Wir sehen uns immer im November. Wir haben das gleiche Fach studiert – Geschichte – und uns damals, in der Zeit nach der 68er-Bewegung, auch oft sehr kritisch mit unseren Professoren auseinandergesetzt. Wir haben gelernt, für den künftigen Beruf und fürs Leben. Heute verbindet uns das Erlebte, denn wir haben ein paar intensive Jahre miteinander verbracht.

Seit einigen Jahren verfestigt sich in mir der Eindruck, dass die Bindung eher noch stärker wird. Woran das liegen mag? Vielleicht daran, dass wir älter werden. Zwei Kommilitonen sind schon tot, einige sind auch schon pensioniert und versorgen uns Nochberufstätige mit Ratschlägen. Sie nehmen uns die Angst vor einer Leere, die gar keine sein wird.

Das jährliche Zusammentreffen ist also von nicht unerheblichem praktischem Wert. Allerdings erklärt das noch nicht das Gefühl, mit dem ich diesen Sonntag nach Hause gefahren bin: still und in mich gekehrt, zufrieden und nachdenklich zugleich. Und melancholisch.

Melancholie, hat einer unserer Professoren gelehrt, das ist die Trauer über den Verlust des Unwiederbringlichen. Unsere Zeit läuft ab. Unsere aktive Zeit, vielleicht auch unsere Lebenszeit. Was haben wir erreicht – als einzelne, als Generation?

Man kann das durchaus auch mit den Augen des Historikers sehen. Und fragen: Sind wir es, die Menschen, die den Wandel prägen? Oder wird er von rohen Kräften wie dem globalisierten Kapitalismus geformt? Dass die Antwort kein Entweder-Oder sein kann, wird den Historiker allerdings nicht erstaunen.

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