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MEINUNGEN: Pro und Contra: Braucht es Fernbusse in der Schweiz

Fernbusse sind genauso Bestandteil des öffentlichen Transportsystems wie Postautos oder Busse im Regionalverkehr. Oder "bruucht's nöd!" Darauf haben höchstens ein paar Schnäppchenjäger gewartet.
Die Redaktoren Reto Voneschen und Sebastian Schneider.

Die Redaktoren Reto Voneschen und Sebastian Schneider.

Pro: Fernbusse sind Bestandteil des öffentlichen Verkehrs

(Reto Voneschen, Redaktor)

Es ist richtig, dass in der Schweiz Fernbusse verkehren dürfen. Sie sind genauso Bestandteil des öffentlichen Transportsystems wie Postautos oder Busse im Regionalverkehr. Und ein wenig Konkurrenz auf lukrativen Fernstrecken könnte dem Quasimonopolisten SBB helfen, sich wieder etwas stärker um die Bedürfnisse der Kundschaft zu kümmern.

In den vergangenen Jahren haben Fernbusse in Europa an Bedeutung und an Marktanteil gewonnen. Aus dem Ausland steuern sie bereits heute Ziele in der Schweiz an. Dabei gilt ein Verbot für Passagiere, im Inland ein- und wieder auszusteigen, was in der Praxis lächerlich und lästig ist. Wer mit dem Fernbus von St. Gallen nach Bern will, muss heute ein Ticket etwa Lyon lösen (und fährt immer noch günstiger als mit der Eisenbahn). In Bern dürfte er zwar nicht vorzeitig aus dem Bus steigen, nur steht dort niemand, der das verhindern könnte oder gar wollte.

Nur schon daher ist es richtig, Fernbuslinien in der Schweiz zuzulassen. Zum einen besteht danach bei weniger Betuchten und jüngeren Reisenden ein Bedürfnis. Anders als im internationalen Fernverkehr, der die Schweiz nur am Rand tangiert, ist es zum anderen bei einer Konzessionierung im Inland einfacher möglich, minimale branchenübliche Standards bei Lohn- und Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Und drittens bedrohen Linienbusse auf den Hauptachsen zwischen St. Gallen und Genf oder Lugano und Basel die Eisenbahnen nicht in ihrer Existenz.

Mit den Fernbussen im Inland bekommen die SBB einen Konkurrenten. Einen ziemlich kleinen: Allein die SBB befördern täglich 1,25 Millionen Passagiere. Fernbusanbieter Domo wird im besten Falle auf 800 Fahrgäste am Tag kommen. Dass die SBB trotzdem mit Klageliedern auf die Konzessionierung des ersten Fernbusanbieters reagiert haben, ist ein positives Zeichen. Ob der unbestreitbaren Notwendigkeit, Mittel zu generieren, hat das SBB-Management in den vergangenen Jahren nämlich oft das Wichtigste vergessen: die Kundschaft. Dienstleistungen wurden abgebaut, Komfort, Sauberkeit und Freundlichkeit haben gelitten. Nachdem Klagen der Kundschaft beim Quasimonopolisten erfahrungsgemäss nichts bringen, führt vielleicht genau da etwas Konkurrenz durch Fernbusse zu Korrekturen. Wovon im Endeffekt wieder die Bahnpassagiere profitieren würden.

Contra: Weder solidarisch noch wirtschaftlich

(Sebastian Schneider, Redaktor)

«Bruucht’s nöd», kann man dazu nur sagen. Busse für den Schweizer Fernverkehr, darauf haben wohl auch höchstens ein paar Schnäppchenjäger gewartet. Doch ob sie mehr als einmal in einen Fernbus steigen, ist aus mehreren Gründen fraglich.

Von St. Gallen nach Genf dauert eine Autofahrt etwa vier Stunden, mit den SBB geht es gleich schnell. Im besten Fall ist man in exakt vier Stunden und fünf Minuten bei unseren welschen Freunden. Da ist es fast verwegen, von «Fernverkehr» zu sprechen. Wer etwa in Australien eine anständige Strecke zurück­legen will, sitzt gut und gerne 15 Stunden im Car. Down Under ergeben Fernbusse Sinn. Oft fahren sie nachts, womit sich für die Fahrgäste sogar eine Nacht in einem Hotel einsparen lässt. In der kleinen Schweiz hingegen sind Fernbusse ein Witz. Bei uns stellt sich nicht die Frage, ob man an ein fernes Ziel gelangen kann, sondern ob unser dichtes und sensibles Strassen- und Bahnnetz nicht überlastet wird. Der Bund müsste sich darum kümmern, die Strassen vom Verkehr zu entlasten, statt zusätzlichen Stau zu fördern.

Die SBB befördern täglich 1,25 Millionen Passagiere. Die Privatfirma, die kürzlich eine Konzession erhielt, plant mit 800 Sitzplätzen pro Tag. Die SBB nehmen alle Passagiere auf, sie sind solidarisch. Das Privatunternehmen hingegen spricht nur Fahrgäste an, die entlang der Hauptrouten verkehren wollen. Die SBB haben die Rosinenpickerei privater Anbieter zu Recht kritisiert. Die Geschichte hat zudem gelehrt, dass die Privatisierung des öffentlichen Verkehrs selten zu einer Verbesserung des Angebots führt. Kaum erstaunlich, werden Privatisierungsvorlagen in der Deutschschweiz reihenweise abgelehnt.

Die Reise mit einem zweimal täglich verkehrenden Bus von St. Gallen nach Zürich kostet 5.70 Franken weniger als die Fahrt mit den SBB. Mit dem günstigsten Sparticket ist die Zugfahrt allerdings günstiger. Und man muss nicht in Kauf nehmen, selbst bei normalen Bedingungen fast doppelt so lange unterwegs zu sein. Das Fernbus-Angebot gleicht dem günstigsten Flug zur Feriendestination. Man spart einen Betrag, macht aber drei Zwischenlandungen und wartet in den Flughäfen geschlagene Stunden auf vollen Sitzbänken. Die Umwelt freut das nicht sonderlich. Und der Ökonom? Der denkt an die verschleuderten Opportunitätskosten.

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