Mehr Arena als Parlament

ROM. Der Römer Senat war einst eine Wiege des Parlamentarismus gewesen; im alten Rom hatten begnadete Redner wie Cicero und Cato für rhetorische Höhenflüge gesorgt. Tempi passati.

Dominik Straub
Drucken
Teilen

ROM. Der Römer Senat war einst eine Wiege des Parlamentarismus gewesen; im alten Rom hatten begnadete Redner wie Cicero und Cato für rhetorische Höhenflüge gesorgt. Tempi passati. Im Parlament der italienischen Republik von heute wähnt man sich nicht selten auf einer Fankurve im berüchtigten Römer Olympiastadion – und gelegentlich in einem Boxring. Vor fünf Jahren ist ein Abgeordneter von einem anderen «Onorevole» (Ehrenwerten) bewusstlos geschlagen worden. In den barocken Aulen von Senat und Abgeordnetenkammer war es immer temperamentvoll zugegangen – aber mit Stil. Dass man dem politischen Gegner den Stinkefinger zeigt oder gegenüber einer weiblichen Kollegin obszöne Gesten macht, wie das heute oft passiert, war bis vor zwanzig Jahren undenkbar.

Die Unflätigen

Dann zog Silvio Berlusconi in die Politik ein. Und mit ihm der Rüpel Umberto Bossi von der Lega Nord. Und schliesslich, vor drei Jahren, die «Grillini». Ihnen allen ist gemein, dass sie keinen oder nur einen sehr kümmerlich ausgeprägten Sinn für staatsmännisches Verhalten haben.

Probleme mit der Justiz

Seit zwanzig Jahren findet in der italienischen Politik eine Art Negativauslese statt. Das belegen folgende Zahlen: Von den tausend Parlamentariern hat jeder zehnte Probleme mit der Justiz. Die Kriminalitätsrate im Senat und in der Abgeordnetenkammer liegt damit höher als in den übelsten Mafia-Vierteln von Neapel und Palermo. Sogar ein verurteilter Mörder ist schon «Onorevole» geworden.

Aktuelle Nachrichten