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MEDIEN: "Die Republik" startet mit Journalismus aus der Blase, für die Blase

Die Erwartungen sind hoch. Nichts weniger als die Demokratie und den Journalismus wollen die Macher des Magazins "Republik" retten. Nun sind die ersten Artikel online und diese brauchen vor allem eines: viel Zeit.
Katja Fischer De Santi
Die «Republik» ist online und Enthüllungsjournalist Günther Wallraff feiert neben Co-Gründer Constantin Seibt (Mitte) und Redaktionsmitgliedern. (Bild: Siggi Bucher/EPA (Zürich, 14. Januar 2018))

Die «Republik» ist online und Enthüllungsjournalist Günther Wallraff feiert neben Co-Gründer Constantin Seibt (Mitte) und Redaktionsmitgliedern. (Bild: Siggi Bucher/EPA (Zürich, 14. Januar 2018))

Katja Fischer De Santi

«Zunächst Dank, dass Sie es bis hierher geschafft haben. Das war ein langer Weg», schreibt Constantin Seibt in seinem ersten Artikel auf seiner «Republik»-Seite. Und er meint das eindeutig zweideutig. Sein erstes Online-Essay ist lang – umgerechnet 17 A4-Seiten – und der Weg zu diesem, seinem Magazin, auch. Am Sonntag ist die «Republik» endlich gestartet. Ungewohnt leise, mit Geschichten zu Facebook, Merkel, Hirnforschung und zur No-Billag-Diskussion. Der erwartete grosse Paukenschlag blieb aus.

Bei der Gründung des «Project R» im letzten Frühling hatte man die Werbetrommel unüberhörbar laut geschlagen. Von der Rettung der Demokratie und des Journalismus war die Rede. Von einem intelligenten, fundierten, unabhängigen, leserfinanzierten, werbefreien Online-Medium wurde landauf, landab erzählt. So gut, dass das Gründungsteam um den ehemaligen «Tages-Anzeiger»-Journalist Seibt und Ex-«Weltwoche»-Schreiber Christof Moser in absoluter Rekordzeit auf 7,7 Millionen Franken Startkapital und 15 000 registrierte Abonnenten zählen konnte. Ein Nerv war getroffen, ein Hype entstand.

Die Texte sind fundiert, stilsicher und lang

Danach folgte die grosse Stille. Unterbrochen durch elf Newsletter und prosaisch gekonnter Hinhaltetechnik. Mit 30 Mitarbeitern will die «Republik» nun pro Tag bis zu drei Artikel mit Fotos veröffentlichen, in der Regel sechs Tage die Woche ausser sonntags. «Bei unseren Geschichten geht es um latente Aktualität, wir machen keine Nachrichtenberichterstattung», sagt Geschäftsführerin Susanne Sugimoto. Die Diskussionskultur wird dagegen hochgehalten. Die Autoren stehen im Forum Red und Antwort.

Wer sich durch die ersten Artikel scrollt, merkt eines schnell. Qualität heisst bei der «Republik» vor allem Quantität beim Zeilenanschlag. Die Texte sind lang. Adrienne Fichters hellsichtige Facebook-Recherche beginnt im Jahr 2004. Bis es 2018 geworden ist, flimmern einem die Augen. Von zeitgemässem Online-Journalismus ist noch nicht viel zu sehen. Ein einziges Video (Kriegsfotograf Dominic Nahr erinnert sich an seine Appenzeller Wurzeln), keine Infografiken, keine Links, wenig Fotos. Die «Republik» liest sich in ihren ersten Tagen wie die Printausgabe eines Magazins.

Man ist unter sich, gibt sich geistreich und wohlwollend

Den Lesern, welche die Inhalte vorfinanziert haben, scheint es zu gefallen. Man debattiert unter seinesgleichen, gibt sich geistreich und wohlwollend. Da passt es, dass das Essay des Co-Gründers Seibt ausführlich das Thema Filterblase behandelt. Die «Republik» ist ein Paradebeispiel einer ebensolchen. «Wir gegen den Mainstream», lautet die Losung. Seibt schreibt, dass sich seine «Republik» an ein linksliberales, urbanes Publikum richte. Ein Kommentarschreiber fragt sich: «Kommt das Plädoyer auch an? Ist es nicht zu intellektuell? Ist es nicht zu lang? Sind wir hier nicht schon in einer riesigen Filterblase, einem elitären Haufen, der meint, mit so einem Crowdfunding-Projekt was ändern zu können – wenn auch nur für sein eigenes Ego?»

Fakt ist, die «Republik» bleibt eine zarte Pflanze. Um längerfristig zu überleben, muss sie die Mitgliederzahl in den nächsten fünf Jahren mindestes auf 30000 verdoppeln. Selbst wenn das gelingt, bliebe sie im Vergleich zu den reichweitenstarken Medien weiterhin ein Nischenanbieter, sie wäre dann quantitativ aber stärker als die WoZ (17 100 Exemplare). Zudem sind digitale Gemeinschaften labil. Es wird anspruchsvoll, die Kundschaft über längere Zeit bei der Stange zu halten. Zumal die Konkurrenz nicht schläft. Laut einer NZZ-Recherche buhlen hierzulande mehr als 40 Online-Medien um Leser. Nicht mitberücksichtigt sind Online-Angebote von klassischen Medien. Manche Portale sind schon etabliert wie etwa «Swissinfo» oder «Watson», andere sind erst kürzlich online gegangen wie «Nau». Gemein ist all diesen Portalen, dass sie keine Gewinne schreiben. Trotzdem herrscht im Online-Journalismus Goldgräberstimmung, gerade weil niemand weiss, wo die grossen Nuggets liegen.

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