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Maschinen an die Macht

«Werde ich bald ersetzt durch einen Computer?», fragt Thomas Landolt, Chef von IBM Schweiz. Science Fiction ist das schon lange nicht mehr. Doch zum Glück sind Menschen irrational. Darüber sprachen Experten in der Kartause Ittingen.
Bruno Knellwolf/Ittingen
Der Computer Watson besiegt im Jahr 2011 die Kandidaten Ken und Brad im TV-Quiz Jeopardy. (Bild: ap/Seth Wenig)

Der Computer Watson besiegt im Jahr 2011 die Kandidaten Ken und Brad im TV-Quiz Jeopardy. (Bild: ap/Seth Wenig)

Müssen wir uns vor intelligenten Computern fürchten? «Fraglos hat der Computer die Art und Weise wie wir leben und arbeiten verändert», sagt Abraham Bernstein vom Institut für Informatik der Universität Zürich in einer Runde mit den beiden IBM-Forschern Haig A. Peter und Martin Schmatz sowie Georg Kohler vom Philosophischen Seminar der Uni Zürich. Im schlechtesten Fall seien Menschen deswegen 24 Stunden an der Arbeit, weil immer verbunden. «Auch Kinofilme von früher gehen nicht mehr auf: Der Film <Home alone> zum Beispiel», sagt der Informatik-Professor. Der alleingelassene Kevin würde heute seine Eltern aufs Handy anrufen.

Künstliche Intelligenz

Zu reden geben aber die Entwicklungen des Cognitive Computing – der Ergänzung menschlicher Intelligenz mit künstlicher. Dafür gibt es heute bekannte Beispiele: Mit dem BlueBrain-Project wird über die Analyse riesiger Datenmengen nach Fortschritten in der Hirnmedizin gesucht. Das weltweit bekannteste Projekt ist aber «Watson». Der IBM-Computer besiegte im Jahr 2011 gleich zwei Allzeitmeister der US-Quizshow Jeopardy und eröffnete damit die Ära des Cognitive Computing.

Das besondere an Watson war, das er sich im Laufe der TV-Sendungen verbessern konnte, seine künstliche Intelligenz vermehrte sich also dank lernender Algorithmen – kleiner Rechenvorgänge im Computer. «Zwei Tage gab er in der Quizshow komische Antworten, doch dann hat Watson gelernt», sagt Haig A. Peter. Genau die daraus entstandene Überlegenheit der Maschine macht vielen aber Angst.

Riesige Investition in Watson

In den vergangenen drei Jahren ist Watson weiterentwickelt worden. Watsons Fähigkeit, sehr schnell riesige Datenmengen auf bestimmte Muster zu überprüfen, Hypothesen zu erstellen und natürliche Sprache zu verstehen, wird nicht mehr für einen TV-Quiz, sondern auch für die Industrie genutzt – vorab im Finanzsektor. Für die Weiterentwicklung des Projekts hat IBM dieses Jahr die «Watson Group» gegründet, in die eine Milliarde Dollar investiert wird.

IBM sieht in den riesigen Datenmengen den Zukunftsmarkt. Im gewaltigen Datenfundus werden Watson und seine Kollegen nach den besten medizinischen Therapien oder den erfolgversprechendsten Forschungsansätzen suchen. «Man wird Watson nutzen, um Daten zu verstehen», sagt der IBM-Forscher Peter. Der Onkologe hat zum Beispiel dank der «Big Data»-Analyse von Watson die relevanten Daten über den Patienten schon auf seinem Smartphone, wenn dieser in sein Zimmer tritt. Der Arzt gewinne so Zeit für den Patienten, sagt Peter.

Muss man sich nun fürchten vor allwissenden Computern wie Watson? Der Philosoph Georg Kohler fürchtet sich nicht, denn das menschliche Gehirn sei keine Maschine, sondern ein Orkan und radikal anders aufgebaut. «Wir schwanken zwischen Bewusstseinszuständen hin und her. Sind wach und konzentriert, dann wieder schläfrig. Dann gehen unsere Gedanken woanders hin – und ermöglichen plötzlich Dichtung, wissenschaftliche Einsichten und Intuition», sagt Kohler. Das sei lebendige Menschlichkeit, die mit Gefühlen zu tun habe und Menschen Grosses habe schaffen lassen.

Sherlock ist schlauer

Auch in der Literatur sei Watson nicht so schlau gewesen wie sein Partner Sherlock Holmes, weil dieser verrückte Ideen gehabt habe. Ein Computer habe aber nicht mal eine Idee von sich selbst. «Im Computer ist niemand zu Hause.» Watson werde nie menschengleich, denn «Menschen können immer wieder dasselbe tun. Sie können sich fragen, warum mache ich das und warum nicht anders.» Das unterscheide den Menschen von der Maschine, die Fähigkeit zu wählen und die Kriterien dafür selber wieder zu reflektieren.

Neues Können erzeugt Müssen

Der Umgang mit der Maschine verlangt uns aber einiges ab. Kohler hat dazu mehrere Thesen: Jedes Können, in diesem Fall technischer Art, generiert ein Müssen. «Wird die Pille zur Geschlechtswahl von Kindern erfunden, muss das reguliert werden.» Die Technik braucht also Regulierung, sie prägt zudem ihren Nutzer. «Die meisten Autofahrer verlassen sich im Auto auf ihr Navigationssystem, damit verlieren sie die räumliche Orientierung.»

Der Nutzer vertraut der Technik wie dem Navi – und ist damit über Big Data dauernd überwacht. «Das Internet schafft nicht Demokratie, sondern Kontrolle.» Bleibt die Frage, ob die Maschine uns auch die Arbeit stiehlt? Das glaubt Kohler nicht, diese Befürchtung habe man schon vor 30 Jahren gehabt und sie habe sich nicht bestätigt. Das sagt auch Schmatz: «Wir haben gleiche Arbeitslosenzahlen und leicht mehr Wohlstand.»

Schon lange verschmolzen

«Aber die Art der Arbeit wird sich weiter verändern», sagt Bernstein. Vielleicht werde die Qualität der übrig bleibenden Arbeit besser, vielleicht «werden wir auch nur nutzlose Pferde, die sich nicht mehr über die Arbeit definieren können, wie wir das heute tun. Doch ist das schlecht?» Das zeige, dass die Technologie sich in Gesellschaftsmodelle umschlage, ergänzt Kohler. «Wir sind schon lange mit dem Computer verschmolzen. Wir haben die Entscheidung längst getroffen und uns dem Computer übergeben: Wir vertrauen auf den Airbag, fliegen im Airbus und verlassen uns auf unser Smartphone», sagt Bernstein.

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