Marta Manser: Von Andwil in die Kalahari

Die Biologin Marta Manser hat ihr Leben drolligen Wichten verschrieben: Nächsten Sonntag porträtiert das Schweizer Fernsehen die Erdmännchen-Forscherin aus der Ostschweiz in der Sendung «Reporter».

Rolf Hürzeler
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Marta Manser und die Erdmännchen. (Bild: SRF)

Marta Manser und die Erdmännchen. (Bild: SRF)

Die Ostschweizer Forscherin Marta Manser krault ein Erdmännchen hinter den Ohren, wie das andere mit Mitzi oder Bello zu Hause tun. Und der kleine Geselle scheint die menschliche Zuwendung in der Halbwüste von der Kalahari tatsächlich zu geniessen.

Dann eben Erdmännchen

Die abgelegene Gegend liegt im nordwestlichen Südafrika, fern jeglicher Zivilisation. Dort befindet sich Mansers Forschungsstation, die von der englischen Universität Cambridge betrieben wird. Der Zürcher Dokumentarfilmer und Fotograf Jörg Niggli hat nun die 53jährige Marta Manser in ihrem Revier besucht und stellt sie am Sonntag in einem Porträt der Reihe «Reporter» des Schweizer Fernsehens vor.

Warum Erdmännchen und nicht Murmeltiere? Für Marta Manser ist das Zufall: «Damals war gerade niemand mit Murmeltieren wissenschaftlich beschäftigt, so dass ich mich keinem Projekt anschliessen konnte.» Damals, das war, als die junge Frau Biologie studierte.

An den Menschen gewöhnt

Die kleinen Räuber ernähren sich von Kleingetier wie Würmern und leben in wohl organisierten Verbänden, wie Manser in dem Film erläutert. Sie ist fasziniert vom Sozialleben dieser Tiere und versucht mit ihrer Forschungsarbeit deren Laute zu verstehen – Warnungen oder Drohungen beispielsweise. Manser und ihre Kollegen haben ganze Kolonien an fremde Gesellschaft gewöhnt.

Erdmännchen-Gemeinschaften scheinen auf den ersten Blick friedlicher zusammenzuleben als Menschen. Doch wenn ein sogenannter «Rover» in die Gemeinschaft eindringt, ein streunendes Männchen von aussen, gibt es Zoff, der mitunter in einer wüsten Balgerei enden kann. Die Tiere haben übrigens messerscharfe Zähne.

Die Forscherin Marta Manser ist in Andwil in einer kinderreichen Bauernfamilie aufgewachsen. Sie besuchte eine Laborantenlehre in Basel und holte auf dem zweiten Bildungsweg die Matura nach. Über ihre Forschungen an Zwergantilopen kam sie auf die südafrikanische Forschungsstation, deren Zukunft indes fraglich ist. Der Gründer und bisherige Leiter, der Biologe Timothy Clutton-Brock von der Universität Cambridge, wird demnächst emeritiert und hofft nun, dass die Universität Zürich die Station übernehmen kann, wo Marta Manser als ordentliche Professorin tätig ist. «Sonst wird die Station wieder zu einer Ziegenfarm», befürchtet Clutton-Brock.

In der Abgeschiedenheit

Die Station ist dreissig Kilometer vom nächsten Dorf entfernt. In dieser Abgeschiedenheit lässt sich auf der Station in Ruhe arbeiten: «Wir haben dort keine Sicherheitsprobleme», sagt Marta Manser. Allerdings hat sich die Arbeit mit den Behörden nicht immer als reibungslos erwiesen. Ursprünglich lief das Projekt im südafrikanischen Nationalpark, musste von dort aber weg an die periphere Lage des Landes zügeln, um die Unabhängigkeit der Forschung zu sichern. Jetzt geht es darum, die Langzeitforschung mit dieser Station zu gewährleisten.

Wie man sich durchsetzt

Filmer Niggli zeigt das Porträt einer spannenden, selbstbewussten Frau: Marta Manser hat ihr gesamtes Leben der Forschung verschrieben; sie pendelt heute zwischen Zürich und Südafrika. Die Forscherin berichtet in dem Filmbeitrag neben ihrer Arbeit auch von den akademischen Herausforderungen, zum Beispiel, wie sie sich vor Jahren an der Elite-Uni von Cambridge durchsetzen musste: «Man lernt mit der Zeit, den Wert der eigenen Fähigkeiten zu erkennen.»

SRF 1 Reporter: Martas Welt Sonntag 21.40 Uhr