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Marroni: Fies bis unterschätzt

Ja, die Kastanie kann einen zur Weissglut treiben. Und das mit Vorliebe an Tagen, an denen der Herbst seine besonders kalte Seite offenbart. Man sitzt da und müht sich mit der Schale der Marroni ab. Dabei hat man doch für einmal alles richtig gemacht: die Dinger im Wasser eingelegt, sie kreuzweise eingeschnitten. Eine Schüssel mit Wasser kam mit in den Ofen, schliesslich kühlten die Kastanien ab – behutsam in ein Tuch gewickelt. Und nun sitzt man trotzdem da und müht sich mit der Schale ab. Sie will und will sich nicht lösen. Der Magen knurrt, die Finger schmerzen, Kastanien können fies sein.

Edelkastanien können aber auch viel mehr als Marroni sein. Die Rede ist nun nicht vom Vermicelles. Diesem Dessert, von dem sich Kalorienbewusste nur ein Löffelchen erlauben, ehe sie es den Begleitern rüberschieben. Ohne überhaupt an Rahm und Meringue gelangt zu sein, welche die braune Pampe erst vervollkommnen.

Die Rede ist von Likör und Brot, von Pasta und Pralinen, von Kuchen und Bier. Hierzulande ist sie nur Beilage für Wildgerichte, andernorts spielt sie die Hauptrolle. Und ist schon lange nicht mehr nur Brot für Arme, wie während der Kriegszeiten. Oder sättigendes Abendessen in abgelegenen Tälern. Das vergisst man in unserem Teil der Schweiz. Bis man wieder einen Ausflug ins Tessin unternimmt. Oder Ferien auf Korsika verbringt. Dort wird die Kastanie noch verehrt, an Festen und auf dem Teller. Auf der französischen Insel ernähren sich freilaufende Schweine, die zu Wurst und Schinken werden, von Kastanien. Touristen glauben, ihr Aroma aus dem Fleisch herauszuschmecken. Auf dem Festland liegt Collobrières, die Hauptstadt der Kastanie. Joyeuse lockt mit einem Kastanienmuseum. Künstler fertigen Lampenschirme aus Kastanienholz.

Immerhin polieren und in einer Schale arrangieren, könnten wir unsere Rosskastanie. So blitzblank spiegeln sich Kinderaugen fast in ihr. Die Kleinen spielen Fussball mit ihr, bezahlen damit im Krämerladen. Nur das mit den Kastanientierchen lässt man vielleicht besser bleiben. Ungeschickte rutschten mit der Ahle aus, bohren sie in den Finger statt in die Frucht. Kastanien können fies sein. (dbu)

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